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Booster: SVP-Gesundheitsdirektor Schnegg wettert: «Total dilettantisch!»

Jetzt kommt der Booster – SVP-Gesundheitsdirektor Schnegg wettert: «Total dilettantisch!»

Jetzt soll es die Booster-Impfung für alle geben. Dass der Präsident der Impfkommission diesen Strategiewechsel via Medien ankündigt und die Kantone überrumpelt, ist laut Berns Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) fatal für die Glaubwürdigkeit der Behörden.
15.11.2021, 10:1315.11.2021, 10:13
Christoph Bernet / ch media

Es ist ein Strategiewechsel von grosser Tragweite: In der Schweiz sollen alle Menschen, nicht nur über 65-Jährige, bald eine Auffrischungsimpfung erhalten. Dass dieser Strategiewechsel nun vorzeitig via Sonntagspresse bekannt geworden ist, stösst dem Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) sauer auf: «Total dilettantisch» nennt er das Vorgehen, spricht von einem «weiteren Kommunikationsflop.»

ARCHIVBILD ZUR MEDIENKONFERENZ VON PIERRE ALAIN SCHNEGG ZU DEN VORWUERFEN UEBER DIE VEROEFFENTLICHTEN COVID-19 FALLZAHLEN AN BERNER SCHULEN, AM MONTAG, 13. SEPTEMBER 2021 - Der Berner Regierungspraesi ...
Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) wählt deutliche Worte.Bild: keystone

Einer der Gründe für Schneggs Ärger: Am Mittwoch ist ein Treffen zwischen den Kantonen und dem Innendepartement von Gesundheitsminister Alain Berset (SP) geplant. Traktandiert sind auch die Booster-Impfungen. Doch jetzt ist die Sache bereits raus.

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Ganz überraschend kommt die Wende nicht. Der Druck ist seit letzter Woche nochmals deutlich angestiegen, eine dritte Impfdosis («Booster») für die breite Bevölkerung zuzulassen. Insbesondere aus der Wissenschaft. In der «Schweiz am Wochenende» machten sich führende Epidemiologen angesichts steigender Fallzahlen und vermehrter Impfdurchbrüche für eine Ausweitung der Booster-Kampagne stark.

Auch in der Politik wuchs zuletzt die Ungeduld. Am Samstag sagte Lukas Engelberger, oberster Gesundheitsdirektor, zu Radio SRF, er «zähle darauf», dass die Booster-Impfung rechtzeitig Personengruppen unter 65 Jahren freigegeben werde. Und Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) forderte in der «NZZ am Sonntag» eine Ausweitung auf die Gesamtbevölkerung.

Jetzt kommt das sehr schnell. Wie «SonntagsBlick» und «Sonntagszeitung» übereinstimmend berichteten, wird die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) ihre Empfehlung bezüglich Booster bald ausweiten. Ab wann und für wen genau, ist unklar. Deren Präsident Christoph Berger bestätigte am Sonntag gegenüber CH Media lediglich: «Wir werden die Booster-Impfung für Jüngere öffnen, sobald alle über 65-Jährigen, die das wollen, eine dritte Impfung bekommen konnten.»

Christoph Berger, Praesident, Eidgenoessische Kommission fuer Impffragen EKIF, spricht an einem Point de Presse zur Covid 19 Situation, am Dienstag, 26. Oktober 2021, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneide ...
Christoph Berger, Präsident der Impfkommission, im Oktober in Bern.Bild: keystone

Die Impfkommission hat die Auffrischungsimpfung bisher lediglich für Personen über 65 Jahre sowie Risikopatienten empfohlen. Noch am Donnerstag sagte Berger in der NZZ, die Position der Kommission sei klar: «Alle Personen unter 65 Jahren ausser Risikopatienten sind zurzeit gut geschützt». Der Nutzen einer Drittimpfung für Jüngere sei medizinisch nicht erwiesen.

Schnegg: «Fatal für die Glaubwürdigkeit»

Dass die Kantone, welche diese Impfungen organisieren müssen, nun vor dem Mittwochs-Treffen aus der Zeitung vom Strategiewechsel erfahren, kann laut dem Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg «einfach nicht sein». Mit dieser Art der Kommunikation entstehe der Eindruck, dass eine medizinische Entscheidung auf politischen Druck hin getroffen worden sei, sagt Schnegg:

«Das ist fatal für die ohnehin schon angeschlagene Glaubwürdigkeit der Behörden, gerade bei den impfskeptischen Bevölkerungsteilen.»

Das Vorgehen sabotiere die Bemühungen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus, so der Berner.

Auf Fragen zu den Vorwürfen Schneggs wollte EKIF-Präsident Berger am Sonntag nicht eingehen. Inhaltlich begrüsst der Berner Gesundheitsdirektor die angekündigte Ausweitung der Auffrischungsimpfungen auf Jüngere: «Das ist eine gute Sache», findet Schnegg. Wenn medizinische Gründe dafür sprechen, sei der Kanton Bern «selbstverständlich» dazu bereit und in der Lage, Jüngere ein drittes Mal zu impfen.

Für Kantone bleiben die Erstimpfungen wichtiger

Die Kantone würden für die Booster-Kampagne die nötige Impfinfrastruktur bereitstellen, heisst es bei der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). Das wichtigste Mittel bei der Bekämpfung der Pandemie bleibe aber eine möglichst hohe Durchimpfung der nicht-immunen Bevölkerung, weshalb die Impfoffensive auch nach der nationalen Impfwoche weitergehe, sagt GDK-Sprecher Tobias Bär.

Bei den Drittimpfungen haben zunächst über 65-Jährige, Heimbewohner und jüngeren Personen mit chronischen Erkrankungen mit höchstem Risiko Priorität. Dennoch begrüsst die GDK die Ausweitung der Booster-Empfehlung. Sprecher Tobias Bär sagt:

«Damit erhalten die Kantone einen Spielraum, um auch allen anderen Personen ab 12 Jahren eine Auffrischimpfungen anbieten zu können.»

Voraussetzung dafür ist laut Bär allerdings eine klare Empfehlung der Impfkommission.

Unklarheit beim «Off-Label-Use»

Bis diese erfolgt, bleibt unklar, ob die Drittimpfung für unter 65-Jährige im «Off-Label-Use» durchgeführt werden. Damit gemeint ist, wenn Medikamente oder Impfungen mit Zustimmung der betroffenen Personen eingesetzt werden, auch wenn für diese keine offizielle behördliche Zulassung zur Anwendung besteht.

Auf Anfrage teilt die Heilmittelbehörde Swissmedic mit, der Booster sei ohne Alterslimite zugelassen und auf immungeschwächte Personen und «besonders gefährdete Personen» beschränkt. Die Impfkommission bestimme, was sie mit der letztgenannter Gruppe meine: «Sie kann diese Gruppe für Personen ab 12 Jahren definieren», so Swissmedic. Fragen zur Off-Label-Thematik liess EKIF-Chef Berger am Sonntag unbeantwortet.

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