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Die deutschsprachigen Länder Westeuropas fallen mit einer tiefen Impfquote auf. Im Bild: ein «Helvetia Trychler».
Die deutschsprachigen Länder Westeuropas fallen mit einer tiefen Impfquote auf. Im Bild: ein «Helvetia Trychler».Bild: keystone

Impfen? Nein, danke – deutschsprachige Regionen haben ein Problem mit der Spritze

Die Schweiz ist im Vergleich zu anderen Ländern Westeuropas Schlusslicht beim Impfen. Gemeinsam mit Österreich und Deutschland. Gründe für diese germanische Impfskepsis gibt es viele.
13.11.2021, 13:0913.11.2021, 13:17

Diese Grafik sorgte für viel Aufregung in den sozialen Medien:

Sie stammt aus einem Artikel der britischen «Financial Times» und illustriert, dass die drei (grösstenteils) deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz den mit Abstand höchsten Anteil an ungeimpften Personen in ganz Westeuropa haben.

Hier noch etwas grösser.

Der Titel des englischsprachigen Artikels lautet «Nein Danke». Im Text begeben sich die Autoren auf eine Spurensuche. Wieso sind etwa die Impfquoten in der Deutschschweiz tiefer als in der Romandie oder im Tessin?

Doch halt. Stimmt das überhaupt? Ein Blick auf die Daten zeigt: nur bedingt. Urbane Kantone wie Zürich oder Basel-Stadt haben zum Beispiel höhere Impfquoten als das Tessin. Grundsätzlich sind es aber tatsächlich die deutschsprachigen, ländlicheren Kantone der Schweiz, die den höchsten Anteil an Ungeimpften aufweisen.

Überprüfen wir die These noch ein bisschen weiter. Auch ausserhalb der drei Länder gibt es Regionen, in denen Deutsch gesprochen wird. Zum Beispiel in Südtirol.

Und auch hier zeigt sich: Südtirol weist mit knapp 29 Prozent die höchste Quote von Ungeimpften in ganz Italien aus. Noch knapp vor Kalabrien und Sizilien.

In Belgien aber zeigt sich ein leicht anderes Bild. Von den drei Sprachregionen Ostbelgien (Deutsch), Wallonien (Französisch) und Flandern (Flämisch) ist die deutsche Region zwar die impffaulste. Im mehrsprachigen, internationalen Brüssel liegt die Quote an Ungeimpften aber deutlich höher.

Trotzdem: Es ist ein klares Muster erkennbar. Die Impfskepsis in deutschsprachigen Ländern und Regionen scheint im Vergleich zum Rest von Westeuropa massiv erhöht.

Zu sachlich argumentiert?

Im Artikel der «Financial Times» bemüht man sich um Erklärungsversuche. So wurde zum Beispiel Suzanne Suggs, Professorin an der Universität in Lugano, befragt. Sie argumentierte, dass die Behörden in den deutschsprachigen Ländern zu sachlich informiert hätten. «Das Fehlen einer emotional ansprechenden Pro-Impfstoff-Botschaft hat dazu geführt, dass Verschwörungstheorien diese Lücke gefüllt haben – sie sind für uninformierte Menschen oft leichter zu glauben».

Auch stellen die Autoren einen Link zur Politik her. So zitieren sie eine Studie, wonach die Hälfte der ungeimpften Bevölkerung in Deutschland Anhänger der rechtsextremen AfD seien. Selbiges sei bei der SVP-Wählerschaft in der Schweiz der Fall.

Korrelation ist jedoch nicht gleich Kausalität. Starke politische Strömungen, die sich gegen die Corona-Politik der jeweiligen Regierung richten, gibt es auch in anderen Ländern Westeuropas. Der Front National in Frankreich oder VOX in Spanien, um einige Beispiele zu nennen.

«Die Realität ist komplexer», geben auch die Journalisten zu. Eine abschliessende Antwort, wieso die Impfquote in den deutschsprachigen Ländern so viel tiefer ist, findet der Artikel nicht.

Die Gründe dürften letztlich auch mannigfaltig sein. Und wenn man den Datensatz um die erste Reihe an Ländern weiter östlich (Ungarn, Tschechien, Slowenien, Polen, Slowakei) erweitert, so stehen die deutschsprachigen Länder plötzlich im Mittelfeld. (dfr/fox)

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