Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Schweizer Behörden rufen zur grossen Terror-Übung



Zwei Polizisten der Sondereinheit Enzian bringen am Mittwoch, 1. Juli 2009, waehrend einer Notfalluebung eine angeschossene Geisel vom Fugzeug weg in Sichertheit. Das Personal und die Einsatzkraefte des Flughafens Bern-Belp sowie der kantonalen Organe ueben gemeinsam das Notfallszenario

Übung macht den Meister: Gilt auch bei Anti-Terror-Einheiten. Bild: KEYSTONE

Bund, Kantone und Städte rüsten sich für die Bewältigung einer terroristischen Bedrohung. Vom 11. bis zum 13. November führen sie eine Übung durch. Rund 2000 Personen sind involviert.

Justizministerin Karin Keller-Sutter hat am Donnerstag vor den Medien in Bern das Vorhaben begründet und das Übungsszenario vorgestellt. Die Schweiz sei ein sicheres Land, schickte sie voraus. Auch sie müsse sich aber wappnen. «Das ist nicht Alarmismus, sondern Krisenvorsorge», sagte Keller-Sutter.

Mit der Sicherheitsverbundsübung 2019 wollen die Behörden die Strukturen und Prozesse testen. Geprüft werden soll, wie die Sicherheitsorganisationen einen Krisenfall bewältigen können und wie sie in einer angespannten Lage zusammenarbeiten. Das sei gerade in einem stark dezentral organisierten Land wie der Schweiz wichtig, betonten die Verantwortlichen von Bund und Kantonen.

Anhaltende Bedrohung

Schweizweit werden rund 70 Organisationen - Stäbe, Bundesstellen, Kantone, Städte und Betreiber kritischer Infrastrukturen - an der Übung teilnehmen. In der Öffentlichkeit wird davon jedoch nichts zu sehen sein: Die Teilnehmenden arbeiten an ihren üblichen Arbeitsplätzen, das Operationszentrum der Leitung ist die Kaserne in Bern.

Die Tricks der Terroristen

Übungsleiter ist der Berner Alt-Regierungsrat und ehemalige Präsident der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, Hans-Jürg Käser. Er wird den Beteiligten nach Drehbuch Informationen zukommen lassen, auf die es zu reagieren gilt. Eigentlich hat die Übung bereits vor Monaten begonnen: Die Behörden erhielten fiktive Lageberichte. Während der Tage im November wird sich die Lage nach Drehbuch zuspitzen.

Inhaftierte Attentäter

Das Szenario ist eine lang anhaltende terroristische Bedrohung mit Angriffen gegen kritische Infrastrukturen, erpresserischen Forderungen und drohenden Anschlägen. Die fiktive Ausgangslage: Nach Terroranschlägen in Genf sind in der Schweiz Attentäter inhaftiert.

49 Tote, ein Manifest und grosse Trauer

abspielen

Video: srf

Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Anschläge ereignet sich im Atomkraftwerk Beznau ein Störfall. In einer Videobotschaft verkünden die Terroristen, dass sie einen Anschlag auf das AKW verübt haben und solche Aktionen intensivieren werden, falls die Schweizer Behörden die Attentäter nicht unverzüglich freilassen.

Gegen «Besitz und Gier»

Der Feind ist eine fiktive Terrororganisation mit dem Namen «Global Liberation Front» (GLF). Diese bekämpft den Westen, das globalisierte Finanzsystem und die internationalen Organisationen, wie es im Konzept heisst.

Ihr Ziel ist es, die industrialisierte, kapitalistische Welt durch Terror und Gewalt in ihren Grundfesten zu erschüttern. Damit soll der Weg freigemacht werden für die Machtübernahme der GLF und die Errichtung eines Staates «ohne Besitz und Gier». Als «Hort des Kapitals» gehört die Schweiz zu den Zielen der GLF.

News und Fake News

Die GLF manipuliert mit Internet-Trolls und Cyberangriffen die öffentliche Meinung. Nachrichtenportale und soziale Medien werden mit Falschmeldungen gefüttert. Die Behörden müssten «in einem Tsunami von News und Fake News» handeln, sagte Urs Hofmann, der Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD).

Das Drehbuch entwickelt sich entlang von drei Eskalationsstufen. Die erste Stufe beinhaltet Propaganda und politische Erpressung sowie Cyberangriffe. In der zweiten Stufe sind kritische Infrastrukturen bedroht, die dritte Stufe umfasst Anschläge gegen Menschenansammlungen mit vielen Toten und Verletzten.

Zu wenige Polizisten

In der Realität steht gemäss den Berichten des Nachrichtendienstes der dschihadistisch motivierte Terrorismus als Bedrohung im Vordergrund, wie Keller-Sutter feststellte. Auch die rechts- und die linksextreme Szene würden aber Gewaltpotenzial bergen, ergänzte sie.

Sondereinheit Argus der Aargauer Polizei beim Training. (Bild: az)

Aargauer Sondereinheit Argus am Werk.

Für das Ziel der Übung ist die Motivation der Terroristen wohl sekundär. Bereits im bisherigen Teil der Übung seien Probleme zum Vorschein gekommen, sagte Christian Varone, Kommandant der Walliser Kantonspolizei. Für eine lange anhaltende Bedrohungslage fehle es an Polizeikräften.

Früher Armeemanöver

Welche weiteren Schlüsse die Behörden aus der Übung ziehen, wird sich nächstes Jahr zeigen. Der Schlussbericht soll Mitte 2020 vorliegen. Die erste Sicherheitsverbundsübung hatten die Behörden 2014 durchgeführt. Damals war das Szenario eine Notsituation mit Strommangel und Grippepandemie. Davor gab es 25 Jahre keine grossen Übungen.

Früher hatte es Gesamtverteidigungsübungen mit Armeemanövern gegeben, die auch in der Öffentlichkeit sichtbar waren. Nach dem Fall der Mauer habe man sich in Sicherheit gewähnt und die Übungen eingestellt, sagte Käser. Doch die Bedrohungen seien nicht kleiner geworden, sie hätten sich nur verändert. (aeg/sda)

«Nacht des Terrors» – das schreiben die Zeitungen über den Anschlag in Nizza

Machen Dashcams unsere Strassen sicherer?

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

24
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Randy Orton 31.10.2019 15:54
    Highlight Highlight Die Forderungen der GLF sind mir sympathisch, wie sie diese umsetzen jedoch nicht.
  • El Vals del Obrero 31.10.2019 15:51
    Highlight Highlight Dann ist Beznau also doch nicht SO sicher, wie immer behauptet wird?
  • Me, my shelf and I 31.10.2019 15:49
    Highlight Highlight Zum Glück zeigt das Militär wiedermal, wer aus ihrer Sicht der Böfei ist: Die pösen Linken und Alternativen.
    Stänkert nur schön weiter, ihr macht am Ende des Tages nur euch selbst lächerlich.
  • You will not be able to use your remote control. 31.10.2019 15:25
    Highlight Highlight > verkünden die Terroristen, dass sie einen Anschlag auf das AKW verübt haben

    Leider kann man diese Terroristen nicht stilllegen und durch neue, weniger gefährliche Technologien ersetzen.
  • Silent_Revolution 31.10.2019 14:15
    Highlight Highlight "In der Realität steht gemäss den Berichten der dschihadistisch motivierte Terrorismus als Bedrohung im Vordergrund, wie Keller-Sutter feststellte. Auch die rechts- und die linksextreme Szene würden aber Gewaltpotenzial bergen, ergänzte sie."

    Nein, in der Realität existiert keine Terrorgefahr, es gibt keine Anschläge und keine Todesopfer, seit Jahrzehnten. Und auch zuvor nur dürftig. Man fordert mehr Polizei, mehr Kompetenzen und mehr Überwachung für eine selbst herbeigeredete, imaginäre Gefahr, um die neuen Methoden an Demonstranten, Kiffern und Staatskritikern anzuwenden; KKS SMD!
    • GraveDigger 31.10.2019 14:33
      Highlight Highlight @Silent_Revolution
      Irgendwie müssen ja die Kosten gerechtfertigt werden und solange das Volch eingeschüchtert ist zahlt es auch brav. Määäääh..
      Ausserdem... ich hab nicht angst vor den genannten Bedrohungen, sondern vor denen die uns davor schützen wollen.
    • just sayin' 31.10.2019 14:39
      Highlight Highlight @ Silent_Revolution

      ...und es brennen auch nicht so viele häuser nieder, also schaffen wir die feuerwehr ab und werfen unsere feuerlöscher weg.

      mol. schlauer kommentar.

      was nd, polizei, fedpol etc (meist im stillen) leisten ist der grund, dass wir es schön kuschelig haben.
    • Wandervogel 31.10.2019 15:04
      Highlight Highlight Ich nehme an ihr zwei arbeitet beim Nachrichtendienst und wisst daher ganz genau, wie die Bedrohungslage für die Schweiz aussieht...

      Btw. Lebt ihr in der Türkei, Russland, Nordkorea oder Weissrussland? Oder ist es mittlerweile in der Schweiz auch so schlimm geworden? Wenn ja, habe ich die letzten Jahre wohl was verpasst. (Ironie off)
    Weitere Antworten anzeigen
  • wolge 31.10.2019 14:09
    Highlight Highlight Dazu kann ich den Roman BLACKOUT von Marc Elsberg empfehlen
  • GraveDigger 31.10.2019 13:29
    Highlight Highlight Die Geister die ich rief.. und bezahlen tut es jetzt die Bevölkerung.
  • BerriVonHut 31.10.2019 13:14
    Highlight Highlight Mal eine gute Idee, die zivilen Kräfte auf Extrem-Situationen zu trainieren. Die Armee hat immer mehr ausgedient
    • 7immi 31.10.2019 13:41
      Highlight Highlight @berri
      es geht hier darum, die „erste Welle“ zu testen. Blaulichtorganisationen sind die ersten, die reagieren. Erst danach folgt die Armee unterstützend, denn Blaulichtorganisationen halten nur einige Tage bis eine Oche durch. Daher nimmt hier die Armee nur beschränkt teil. Dein Schluss ist also falsch.
    • Who Cares 31.10.2019 14:16
      Highlight Highlight Wie kommt man nur auf die Idee, diese Übung steht in Konkurrenz mit der Armee?? Sicherheitspolitik ist halt wie Fussball, jeder darf mitreden ob man Ahnung davon hat oder nicht, oder BerrivonHut?
    • DemonCore 31.10.2019 18:23
      Highlight Highlight Wenn Anschläge, Drohungen und Ausschreitungen länger andauern ist die eher dünn aufgestellte Polizei in der Schweiz schnell mal am Anschlag. Die Armee ist die Personalreserve der Schweiz.

Liveticker

900 neue Fälle in der Schweiz ++ Fehlendes Pflegepersonal in der Intensivmedizin

Artikel lesen
Link zum Artikel