Schweiz
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Schicken Eltern ihre Kinder teilweise in die Kita, sollen sie künftig bei der direkten Bundessteuer statt 10'100 Franken bis zu 25'000 Franken abziehen können. Das Parlament hat einem höheren Abzug für die Kinderbetreuung zugestimmt.

Einige Kantone stellten den regulären Betrieb der Kindertagesstätten ein, andere nicht. Der Bund gibt keine einheitliche Linie vor. Bild: KEYSTONE

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Es gibt keine Studien, die beim neuen Coronavirus ein erhöhtes Übertragungsrisiko durch Kinder nachweisen. Der Bundesrat revidiert deshalb seine Einschätzung.

andreas maurer / Aargauer Zeitung



Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung des neuen Coronavirus? Die Kommunikation des Bundesrats dazu lässt sich in drei Phasen aufteilen.

Die Entscheidungsgrundlage, die keine Grundlage für den Entscheid des Bundesrates liefert

Die Studien, die Berset zitierte, gibt es nämlich nicht. Auf Nachfrage hatte er auf den neusten Report des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC verwiesen. Das ist eine Agentur der EU, die wissenschaftliche Erkenntnissee aufbereitet. Im von Berset zitierten Bericht heisst es, man wisse nicht, ob Kinder eine wichtige Rolle bei der Übertragung der Lungenkrankheit spielen würden. Die Landesregierungen sollten deshalb vorsichtig abwägen, ob sie Schulen tatsächlich schliessen wollten.

Wie wenig man über die Verbreitungsgefahr durch Kinder weiss, sieht man in der Literaturliste des EU-Berichts. Die bedeutendste Studie zum Thema basiert auf lediglich zehn Fällen. Die Resultate sind dennoch interessant. Diese Fallstudie stammt vom Kinderspital der Fudan-Universität in Schanghai, einer der renommiertesten Hochschulen Chinas, in Zusammenarbeit mit fünf anderen Spitälern.

Die Mediziner untersuchten zehn Kinder im Alter von drei Monaten bis zehn Jahren, die am Coronavirus erkrankt waren. In allen Fällen verlief die Krankheit mild. Zwei Kinder hatten nicht einmal Fieber. Nach 24 Stunden war es bei allen verschwunden. Die jeweils höchste gemessene Körpertemperatur lag zwischen 37,7 und 39,2 Grad. Sechs Kinder hatten Husten, vier eine Halsentzündung und drei eine verstopfte Nase.

Der milde Verlauf deckt sich mit der Statistik in China: Kein Kind unter zehn Jahren ist an Covid-19 gestorben. Bei den Infizierten im Alter von 10 bis 19 beträgt die Sterberate 0,2 Prozent, bei den über 80-Jährigen 15 Prozent.

Bild

Bild: ch media

Erwachsene sind die wahren Virenschleudern

In acht Fällen konnte die Studie nachweisen, bei wem sich die Kinder angesteckt hatten. Immer waren es Erwachsene. Sieben Kinder hatten sich zu Hause angesteckt, meist bei den Grosseltern und den Eltern. Ein Kind hatte sich auf einer Busfahrt angesteckt. Kein Kind hat sich also in einer Schule oder in einer Kindertagesstätte infiziert.

Vier Kinder hatten das Virus nicht weiterverbreitet. Sechs Kinder hatten eine bis drei weitere Personen im Haushalt angesteckt. Die Übertragungsraten bei Erwachsenen sind ähnlich.

Berset pflegt zu sagen, dass man in dieser Krise von Tag zu Tag dazu lerne. Das Problem dabei ist: Die widersprüchlichen Aussagen sorgten für Verwirrung. Weil der Bund keine einheitliche Linie vorgab, entstanden im föderalen System drei Regelungen.

Der Bundesrat revidierte seine Einschätzung. Basel-Stadt und Solothurn aber blieben bei ihren Entscheiden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • oh_wow 19.03.2020 10:44
    Highlight Highlight Finde es einfach bizzli einen Systemfehler, dass Schulen & neu auch die meisten Kitas für Kinder von Eltern mit nicht systemrelevanten Berufen geschlossen sind, ebendiese Eltern aber trotzdem arbeiten müssen (bzw. in 3 Tagen eine Betreuung hervorzaubern sollen). Finde den Fehler 🤷🏼‍♀️
  • toudy 19.03.2020 10:04
    Highlight Highlight Es sind ja nicht nur die Kinder mit denen man in der Kita in Berührung kommt. Die Eltern bringen da ja die Kinder täglich in die Kita - und gerade bei Kindern in diesem Alter ist Social Distancing einfach fast unmöglich! Ich arbeite in einer Kita und war die ganze Woche fast alleine - da alle anderen wegen Husten und Fieber zu Hause sind. Wäre jemand positiv auf Corona getestet worden, wäre die Institution geschlossen worden. Jedoch dürfen diese Personen nicht testen und unsere Virenschleuder bleibt bis auf weiteres geöffnet!
    • Maria12 19.03.2020 21:45
      Highlight Highlight Genau so sehe ich es auch. Ich habe selber 2 Kleinkindern im Alter 11 Monate und 3 Jahre. IN der Kita ist es fast unmöglich Abstand zu halten. Und niemand wird getestet. Fast alle Kinder husten in der Kita.. Es geht auch um die Betreuung und die Eltern.
      Aus meiner Sicht sollten die Kitas längst geschlossen werden. Viele Eltern fahren mit ÖV in die Kita.... Man sollte vielleicht Richtung Österreich und Deutschland schauen. Da sind die Kitas längst zu.
  • Zürischnure 19.03.2020 09:30
    Highlight Highlight Warum überhaupt das Thema Schulkinder? Ich verstehe natürlich die Problematik der Eltern die nicht die Möglichkeit haben, ihr Kind privat betreuen zulassen, dafür ist aktuell aber gesorgt. Geht es euch um die Wochen/Monaten des Bildunsdefizits, dass sie in der Pisa Studie schlechter abschneiden?
    Ist es nicht i.O., dass Kinder, nach Möglichkeit!, bei einer Pandemie!, bei den Eltern sind. Die berufstätigen Eltern die ich kenne, bedauern nicht, dass ihr Kind nicht zur Schule geht, sondern, dass sie es nicht selber betreuen können.
  • tama 19.03.2020 09:24
    Highlight Highlight Eine Untersuchung mit lediglich 10 Kindern ist statistisch nicht relevant. Ausserdem hatten 6 sechs Kinder eine bis drei weitere Personen im Haushalt angesteckt - ist das einfach vernachlässigbar? Ich bin schockiert! Fazit: Zum jetzigen Zeitpunkt weiss man auf allen Ebenen zu wenig über das Virus, daher müssen die Schulen geschlossen bleiben und endlich eine Ausgangssperre verhängt werden. Die Politik macht noch immer viel zu wenig.
  • Pummeleinhorn 19.03.2020 09:20
    Highlight Highlight Ich persönlich finde es gut, dass die Schule zu ist da auch Eltern unter einer chronischer Krankheit leiden oder Krebs haben können das wird praktisch nie erwähnt, was man aber jetzt trotzdem schauen, sollte das, die Kinder weiter lernen können wie z. B. Online Schule u.s.w
  • MGPC 19.03.2020 09:18
    Highlight Highlight Etwas wird uns verheimlicht und zwar die Tatsache das wir uns anstecken müssen. Die jetzigen Massnahmen verlangsamen das ganze nur zugunsten des Gesundheitssystems. Glaubt ihr ernsthaft das Schlimmste ist ende April überstanden? Wenn wir keine eigene Immunität entwickelt wird dieser Zustand so weiter gehen bis ein Impfstoff vorhanden ist. Und das kann 2 Jahre dauern. Das notwendige Übel wird sein dass Menschen sterben.
  • FrancoL 19.03.2020 08:41
    Highlight Highlight Wenn die Verbreitungsrate ähnlich wie bei Erwachsenen ist, dann ist die Schulschliessung gerechtfertigt. Allerdings frage ich mich was eine Studie mit 10 Kindern soll, auch wenn sie von einer renommierten Uni gemacht wurde.
  • gluziver 19.03.2020 08:21
    Highlight Highlight Ergänzung zu Variante 2:
    Das Sozialdepartement der Stadt Zürich appelliert in einem Schreiben vom 17.03. an die Eltern:

    "Eltern, die ihrer Erwerbsarbeit aktuell im Home Office nachgehen, sollen ihre Kinder nach Möglichkeit selbst betreuen, auch wenn unter den aktuellen Umständen die Finanzierung der Betreuungskosten durch die Eltern weiterhin erfolgen muss."

    In der aktuellen Situation soll ich also von zu Hause aus arbeiten, gleichzeitig meine Kinder betreuen und die KITA weiterhin finanzieren, obwohl keine Betreuungskosten mehr anfallen? WTF!
    • Zürischnure 19.03.2020 10:25
      Highlight Highlight Es ist wirklich hart mit Kind und Pandemie.🤭🙄 Ich glaube wir hoffen alle, dass alles bald wieder in georteten Bahnen verläuft, dass wir nicht zu viele Tote zu beklagen haben und dass deine verlüsste, die du auch sonst hättest, sich in Grenzen halten.
  • Ajanoria 19.03.2020 08:00
    Highlight Highlight Danke für diesen Bericht. Das gibt etwas Licht ins Dunkle. In den vergangenen Tagen hat man so viel Widersprüchliches gehört. Bei uns in St. Gallen ist die Kita praktisch leer - auch unser Sohnemann bleibt vorerst mal daheim.
  • Himan 19.03.2020 07:46
    Highlight Highlight Gesunder Menschenverstand ist gefragt.
    Diese agressive Haltung seitens Medien gegen Herrn Koch finde ich völlig daneben. Zuerst machen sie zu viel dann zu wenig... folgt jetzt einfach den Anweisungen des Bundes. Finde Herr Berset macht das gut und besonnen. Weiter so👏🏻
    • Dong 19.03.2020 09:44
      Highlight Highlight Noch mehr Besonnenheit und wir überholen auch Italien! Die BILANZ ist katastrophal, nicht die Berichterstattung.
  • Vecchia 19.03.2020 07:44
    Highlight Highlight Es ist nicht nur der Bund, der (wohl am wenigsten) Verwirrung stiftet. Die Geschwindigkeit und Häufigkeit medialer Schlagzeilen sind wohl das grössere Problem.

    Der BR ist nicht hellsichtig. Der verwöhnte, nach absoluter Sicherheit lechzende, Mensch, der ständig Verantwortung von sich weist, sollte nun dringend entschleunigen und nach gesundem Menschenverstand suchen.

    Tatsache ist, dass man sehr wenig über den neuen Virus weiss. Klug ist, wer mit allen möglichen Risiken rechnet, präventiv danach handelt und dies unter dem Motto "lieber einmal zuviel, als zu wenig".

    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 19.03.2020 07:57
      Highlight Highlight Der BR sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht. Das sind wir uns aber gewohnt. Dabei wäre es an sich so einfach, rechtzeitig richtige Entscheide zu treffen, würde man nur wollen. Ich halte D.K. für inkompetent, denn er hätte den Auftrag, Indizien und Signale ernstzunehmen. Das tut er offensichtlich nicht und zieht falsche Schlüsse wie "Erwachsene sind die Virenschleudern".

      Die Wissenschaft macht ihre Arbeit, und die sollte man, wie im Falle der Klimaforschung, durchaus ernst nehmen.

      Habe ich vor Tagen schon gepostet:
      https://www.scinexx.de/news/medizin/coronavirus-wie-stark-trifft-es-kinder/
  • äti 19.03.2020 07:43
    Highlight Highlight Nicht der BR sorgt für Verwirrung. Der Virus sorgt für Verwirrung. Der BR passt sich den neuesten Erkenntnissen an. Wer bessere Tatsachen und Strategien hat, soll diese melden und nicht den BR kritisieren.
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 19.03.2020 07:19
    Highlight Highlight Es ist wie eh und je. Die Tropenköpfe im Bundesrat behaupten einfach mal etwas, um zwei Wochen später festzustellen, dass ihre "Einschätzung" aka blindes Drauflosraten falsch war.
    Niemand hat je behauptet, dass die Ansteckungsgefahr durch Kinder, im Vergleich zu Erwachsenen, erhöht ist. Allerdings ist das Risiko einer stillen Übertragung höher als bei Erwachsenen, weil Kinder viel seltener Symptome zeigen, wenn sie das Virus in sich tragen. Sie fallen durch das Raster und stecken Erwachsene an, die dann Symptome zeigen. Wer merklich kränkelt, wird vom "Programm" eher erfasst. Oh my... 🤦🏻‍♀️
  • Blitzesammler 19.03.2020 07:17
    Highlight Highlight Ich habe selbst ein 13j Kind zu Hause und gehöre zu einer Risikogruppe, da ich chronisches Asthma habe (53J) Gestern meinte meine Tochter, dass wenn sie jetzt die einzige der Familie wäre, die mit anderen Menschen Kontakt hätte, und sie mich anstecken würde (davon augehend: es könne nur sie gewesen sein, da ich immer zu Hause war) vielleicht sogar intensiv betreut oder sterben würde, sie sich dafür verantwortlich machen würde. Es sei doch am schlimsten wenn man selbst nicht weiss, ob man ein Träger sei oder nicht und dann jemandem evtl. den Tod bringe. Kinder verstehen es und würden leiden!
  • WhyNotX? 19.03.2020 07:07
    Highlight Highlight Wenn sie es ja nicht verbreiten, wann können sie von Oma und Opa gehütet werden? Oder wieso dürfen sie es nicht, wenn die Erwachsenen die Virenschleudern sind?
    • Lioness 19.03.2020 12:30
      Highlight Highlight Kinder stecken kaum andere Kinder an. Erwachsenen geben sies schon. Und wenn die Oma den Enkel weiterhin knuddelt, dann umafmt sie auch ihre Tochter und diese ist dann eben sehr gefährlich für sie Oma.
  • Fastadi 19.03.2020 07:06
    Highlight Highlight "[...] Sechs Kinder hatten eine bis drei weitere Personen im Haushalt angesteckt. Die Übertragungsraten bei Erwachsenen sind ähnlich."
    Geht es bei der Schulschliessung nicht darum? Auch wenn die Kinder selbst nicht (schlimm) krank werden, so können sie immer noch andere anstecken. Und wo viele Kinder auf engem Raum sind, verbreitet sich das Virus schnell.

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