Nach heftiger Kritik: So reagiert SVP-Bundesratskandidatin Amaudruz
Amaudruz lies in einem schriftlichen Statement gegenüber RTS verlauten, sie lasse sich durch solche Angriffe nicht verunsichern. «Solche Dinge bestärken mich in meiner Entschlossenheit und meiner Kandidatur», lässt die Genferin verlauten.
Sie versuche sogar, der Kritik Positives abgewinnen zu können. «Das zeigt, dass ich weiss, wie man Widrigkeiten und persönlichen Angriffen begegnet», schreibt Amaudruz. Sie sei überzeugt, dass ihr diese Fähigkeit dabei helfen werde, auf dem Ticket der SVP zu landen.
«Herablassung gegenüber französischsprachigen Schweizern»
Doch nicht nur Amaudruz selbst wehrt sich – auch diverse Parlamentarierinnen und Parlamentarier geben der Bundesratskandidatin Rückendeckung. Die Kritik sei nicht gerecht und komme daher, dass die Nationalrätin aus der Romandie stamme, so manche Parlamentsmitglieder aus der Westschweiz.
SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor sagt etwa gegenüber RTS, man könne, «eine gewisse Herablassung unserer deutschsprachigen Kollegen gegenüber den französischsprachigen Schweizern» nicht leugnen. Der Umgang mit Amaudruz sei nicht gerecht, sagt er. «Es betrübt mich zutiefst, mitanzusehen, wie eine kompetente Kandidatin, die so viel für die Partei geleistet hat und ihren Prinzipien treu ist, in den Schmutz gezogen wird», so Addor.
Doch auch über die Parteigrenze hinaus sieht man in der Romandie einen ungerechten Umgang aus der Deutschschweiz mit Amaudruz. «Dieses Bashing durch eine deutschsprachige Elite der SVP beweist die Radikalisierung dieser Partei», so GLP-Nationalrätin Céline Weber.
Alliance F findet Kritik nicht verhältnismässig
Doch nicht nur aus der Romandie, auch aus dem Lager der Frauen erhält Amaudruz Unterstützung. Maya Graf, Grünen-Ständerätin und Co-Präsidentin von Alliance F, Dachverband der Schweizer Frauenorganisationen, findet den Umgang mit der Genferin nicht fair.
Amaudruz werde «richtiggehend niedergeschrieben», während die weiteren Kandidaten – allesamt Männer – «bislang mit Samthandschuhen angefasst» würden sagt sie gegenüber «Schweiz Heute».
Weiter kritisiert Graf die SVP. Dass man nur eine weibliche Kandidatin stelle, sei nicht in Ordnung. Parmelins Rücktritt habe sich abgezeichnet. Man habe also die Möglichkeit gehabt, rechtzeitig auf genügend weibliche Kandidaturen hinzuarbeiten, um prominente Absagen wie etwa diejenige von Natalie Rickli (ZH) oder Esther Friedli (SG) zu verkraften.
Für Graf ist nun klar: «Wir erwarten, dass die SVP ihre Vizepräsidentin Céline Amaudruz aufs offizielle Ticket setzt.» Weiter fordert sie, dass die Genferin nach der negativen Berichterstattung die Chance erhalten müsse, gegenüber den anderen Fraktionen Stellung zu den Vorwürfen nehmen zu können.
Amaudruz zuletzt regelmässig in der Kritik
Am Wochenende war Amaudruz insbesondere von der Stiftung Ethos kritisiert worden, die im Auftrag von Pensionskassen und institutionellen Anlegern Unternehmen prüft. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger kritisierte deren Direktor Vincent Kaufmann die Genfer SVP-Nationalrätin und deren Umgang im Lebensmittelunternehmen Groupe Minoteries, dessen Gremium Amaudruz präsidiert.
Kaufmann bemängelte etwa die Zusammensetzung des Verwaltungsrats. In diesem sitze nur eine Frau – obwohl Amaudruz sage, sie setze sich für Frauen ein. Weiter fehle ein Nominationsausschuss.
Zudem kritisierte der Ethos-Chef das sogenannte Overboarding: Neben dem Präsidium bei Minoteries sitzt Amaudruz in den Verwaltungsräten des Genfer Flughafens und von Infracore. Ausserdem gehört sie der Geschäftsleitung von Vision Asset Management an, und sie ist Nationalrätin. Ethos bezweifelt, dass sie all diesen Aufgaben genügend Zeit widmen kann. Die Stiftung empfahl deshalb wiederholt eine Abwahl der Nationalrätin.
Auch innerhalb der SVP sieht sich Amaudruz mit Angriffen konfrontiert. Roger Köppel, Ex-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger, nannte die Genferin ein «absolutes Leichtgewicht». Er riet der SVP deshalb davon ab, Amaudruz aufs Ticket zu nehmen. (dab)
