Schweiz
Bundesrat

Berset fliegen Neutralitätsaussagen um die Ohren – auch von der SP

Bundespraesident Alain Berset waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates ueber die Ziele und Massnahmen in der Behindertenpolitik 2023-2026, am Freitag, 10. Maerz 2023 in Bern. (KEYSTONE/Peter Kla ...
Alain Berset muss viel Kritik für die Haltung des Bundesrats zur Waffenfrage einstecken.Bild: keystone

Wermuth knöpft sich Berset vor: «Teile weder seine Analyse noch die Schlussfolgerungen»

Bundespräsident Alain Berset (SP) hat mit Aussagen zur Neutralität im Ukraine-Krieg Kritik aus (fast) allen Ecken auf sich gezogen. Auch aus der eigenen Partei gibt es deutliche Worte in Richtung des Bundesrats.
14.03.2023, 03:4614.03.2023, 06:57

«Ich teile den Wunsch von Alain Berset nach einem Ende des Blutvergiessens, aber weder seine Analyse noch die Schlussfolgerungen», sagte der Aargauer Nationalrat und SP-Co-Parteipräsident Cédric Wermuth der Online-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Montag. Im Moment gebe es keine Perspektive für Verhandlungen. «Putin hat andere Ziele, er ist das einzige Hindernis für Frieden.»

Cedric Wermuth, co-president du Parti Socialiste (PS) suisse, s'exprime lors du Congres Extraordinaire du Parti Socialiste (PS) vaudois ce samedi 28 janvier 2023 a Assens. (KEYSTONE/Valentin Flau ...
Cédric Wermuth schreckt nicht vor Kritik am eigenen Bundesrat zurück.Bild: keystone

Der Bundesrat sei «leider wenig kohärent», sagte Wermuth. Wenn dieser schon gegen die Wiederausfuhr von Munition sei, müsse er wenigstens an der Spitze sein, wenn es um die Sanktionen gegen Oligarchen, den Rohstoffhandel, den Schuldenschnitt für die Ukraine und um die humanitäre Hilfe gehe. «Er versteckt sich überall hinter der Neutralität.» Man könne davon ausgehen, dass die SP-Parteispitze diese Haltung ihren Bundesräten «sehr deutlich» mitteile.

Berset hatte am Wochenende in einem Zeitungsinterview die Haltung der Schweizer Regierung im Ukraine-Krieg verteidigt. Der Bundesrat ist demnach strikte dagegen, dass europäische Staaten Schweizer Waffen an die Ukraine zur Verteidigung gegen den russischen Angriff weitergeben können. Stattdessen unterstrich er das Engagement der Schweiz für den Schutz der Zivilbevölkerung.

«Kriegsrausch in gewissen Kreisen»

Schweizer Waffen dürften nicht in Kriegen zum Einsatz kommen, sagte Berset und plädierte zur Bewahrung eines «harten Kerns» der Neutralität. Es gehe nicht, dass die Schweiz ohne Rücksicht auf die Gesetzesgrundlage alles ändere. Er warnte zudem vor einer Stimmung wie vor dem Ersten Weltkrieg. «Ich spüre auch heute diesen Kriegsrausch in gewissen Kreisen. Und darüber bin ich sehr besorgt.»

Der Parteipraesident der DIE MITTE Partei Schweiz, Gerhard Pfister bei seiner Rede anlaesslich einer Delegiertenversammlung der DIE MITTE Partei vom Samstag, 25. Februar 2023 in Stans. (KEYSTONE/Urs F ...
Mitte-Präsident Gerhard Pfister wirft dem Bundesrat vor, sich auf die Seite Russlands zu stellen.Bild: keystone

Die Aussagen brachten Berset im In- und Ausland teils heftige Kritik ein. Aus allen Parteien mit Ausnahme der SVP setzte es Schelte ab. Mit den Aussagen stelle sich die Schweiz in dem Konflikt auf die Seite Russlands und würde alle Bemühungen zur Verteidigung der Ukraine als Kriegstreiberei qualifizieren, sagte etwa Mitte-Parteipräsident Gerhard Pfister dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Der frühere estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves schrieb auf Twitter, Alain Berset sei ein Name, den alle lernen und zu einem Synonym dafür machen sollten, dass man «bis zur völligen Absurdität hinabsteige», um das Unhaltbare zu verteidigen. (con/sda)

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