Zürcher Pilz-Expertin: «Die Pilzsaison verschiebt sich nach hinten»
Der Dürre-Sommer 2026 hat die Pilzsaison im Kanton Zürich nachhaltig getrübt. Einzig Wiesenchampignons sind nach den Regenfällen massenhaft aus dem Boden geschossen. Wer gerne «in die Pilze geht», sollte die Chance bis Ende Oktober noch nutzen.
Im August, zu Beginn der sommerlichen Pilzsaison, sah es noch ganz schlecht aus: «Es wächst nichts», sagte die Hinwiler Nationalrätin Marionna Schlatter (Grüne) von der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz (Vapko) und selber Pilzkontrolleurin.
Die anhaltende Trockenheit sorgte für ausgetrocknete Böden und hemmte das Wachstum der Pilze. Trotz harzigem Start wollten die Fachleute das Pilzjahr 2026 aber nicht ganz abhaken. Sie hofften auf Regen und kühlere Nächte und damit auf einen Wachstumsschub für die zweite Saisonhälfte im September und Oktober.
Noch bis Ende Oktober sind die Pilzkontrollstellen offen, damit Sammlerinnen und Sammler ihre Funde bringen können. Doch eine Bilanz kann Schlatter schon jetzt ziehen:
Frau Schlatter, wie beschreiben Sie das Pilzjahr 2026 mit einem Wort?
Marionna Schlatter: Unterdurchschnittlich. Im Kanton Zürich war es eine sehr schwache und wirklich magere Saison. Die Hoffnungen auf eine bessere zweite Saisonhälfte haben sich zerschlagen. Bei uns war es vor allem im September immer noch sehr trocken. Und wenn es mal regnete, dann haben die Bäume das Wasser absorbiert, so dass es im Wald gar nicht bis zum Boden gelangte.
Gab es regionale oder lokale Unterschiede?
Je höher man ging und je weniger der Wald litt, umso eher hatte es Pilze, ausserhalb des Kantons Zürich etwa im Toggenburg oder in Graubünden. Bei uns im Kanton waren die Unterschiede sehr kleinräumig. So konnte es auf einer Seite des Waldes regnen, auf der anderen aber nicht. Es hatte einfach dort Pilze, wo der Regen hingelangte. Und am Waldrand wuchsen mehr als im Waldesinneren.
Was fanden die Sammlerinnen und Sammler dort trotzdem?
Punktuell und phasenweise sprossen die Steinpilze, aber stets für nur kurze Zeit und heftig.
Wie hat sich dies auf die Arbeit der 31 Kontrollstellen ausgewirkt?
Es kamen weniger Leute und mit deutlich geringeren Mengen. Dafür kontrollierten wir viele Wiesenchampignons. Das ist gut, weil er kein einfach zu erkennender Pilz ist. Es gibt andere Pilze, die ähnlich aussehen, wobei einige auch giftig sind wie zum Beispiel der Karbolchampignon.
War der Wiesenchampignon der Lichtblick des mageren Pilzjahres?
Es gab tatsächlich aussergewöhnlich viele Wiesenchampignons. Sie brauchen Wärme. Wenn es so heiss und trocken ist und dann regnet, treten sie massenhaft auf. Da sie nicht in Symbiose mit Bäumen leben, waren sie auch weniger von deren Schwächung betroffen.
Wo wachsen sie?
Generell in allen Wiesen, auch gerne dort, wo Kühe grasen. Sie profitieren von den Nährstoffen in deren Ausscheidungen.
Das Saisonende naht. Wie steht es um die Spätherbstpilze?
Die ersten Spätherbstpilze wie Reizker, Mönchskopf und Trompetenpfifferlinge sind gewachsen. Es zeigt sich auch dieses Jahr, dass sich die Pilzsaison wegen der Klimaerwärmung nach hinten verschiebt. Zudem kommt auch der Bodenfrost, der die Saison beendet, später. Jetzt, da es geregnet hat, lohnt es sich deshalb in den letzten Oktobertagen, nochmals in die Pilze zu gehen.
Die Öffnungszeiten der Pilzkontrollstellen findet man auf der Website der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz, unter https://www.vapko.ch.
