Schweiz
Christoph Blocher

Dank der EU könnte Blochers Traum wahr werden

Fertig Zeitumstellung! Ausgerechnet dank der EU könnte Blochers Traum wahr werden

Seit über 30 Jahren kämpft Christoph Blocher für eine Abschaffung der Sommerzeit. Nun könnte sein Wunsch in Erfüllung gehen – ausgerechnet dank seiner Erzfeindin, der EU.
31.08.2018, 10:5631.08.2018, 16:07

Es war einmal, in den frühen 80er-Jahren, ein Zürcher Nationalrat. Er hiess Christoph Blocher und er hatte einen Traum: Die Sommerzeit sollte weg! Eilends lancierte er eine Volksinitiative. Allerdings brachten er und seine Mitstreiter der Zürcher SVP die nötigen Unterschriften nicht zusammen – das Vorhaben scheiterte im Sammelstadium.

Portrait von Nationalrat Christoph Blocher, SVP, aufgenommen um 1980, Ort unbekannt. (KEYSTONE/Str) : DIA]
Christoph Blocher anno 1980.Bild: KEYSTONE

In den darauffolgenden Jahren verschob sich der Fokus Blochers. Sein Kampf galt nun der Unabhängigkeit der Schweiz von der Europäischen Union. Indem er sich erfolgreich gegen den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zur Wehr setzte, avancierte er 1992 zur Ikone aller EU-Skeptiker.

Den Kampf gegen die Sommerzeit führten derweil andere für ihn weiter. Insbesondere Yvette Estermann, SVP-Nationalrätin aus dem Kanton Luzern. Erstmals forderte sie 2010 in einer Motion:

«Der Bundesrat wird beauftragt, Artikel 2 des Zeitgesetzes ersatzlos zu streichen. Auf die Sommerzeit soll in Zukunft verzichtet werden.»

Der Bundesrat lehnte das Begehren ab, das Parlament ebenso. Doch Estermann gab nicht auf: 2012, 2016, 2017 und 2018 stiess sie mit mehreren ähnlich lautenden Vorstössen nach.

Yvette Estermann (SVP-LU), mit einer Tracht bekleidet, legt ihr Mobiltelefon auf den Tisch, waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 6. Juni 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Kl ...
Yvette Estermann liess nicht locker.Bild: KEYSTONE

Nie mehr «Zeitinsel» sein

Der Bundesrat speiste die unermüdliche SVP-Frau jeweils mit der Antwort ab, die Schweiz halte an der Sommerzeit fest, weil sie sonst zur «Zeitinsel» in Europa würde. Diese Situation hatte man in den Sommermonaten im Jahr 1980 schon einmal, als die Eidgenossenschaft im Gegensatz zu den umliegenden Ländern noch keine Sommerzeit eingeführt hatte.

Und die Erfahrungen, die man damit machte, waren alles andere als gut: Probleme im Transportwesen, im Tourismus und in der Kommunikation seien unvermeidlich, schreibt der Bundesrat in seinen Antworten auf Estermanns Vorstösse. Unter anderem wären «regelmässige Missverständnisse bei Terminen» zu erwarten, sollte die Schweiz zeittechnisch noch einmal auf diese Weise ausscheren.

Nur falls «eine Mehrheit der die Schweiz umgebenden Länder» die Zeitumstellung abschaffen sollte, werde sich die Schweiz diesen Schritt auch überlegen, hielt der Bundesrat weiter fest.

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Dies dürfte mit dem heutigen Tag Realität werden. «Die Menschen wollen das, wir machen das», kündigte der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im ZDF-«Morgenmagazin» das Ende der Zeitumstellung an.

Damit ist wohl auch in der Schweiz bald fertig an der Uhr gedreht. Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Europäische Union dürfte Christoph Blocher seinen langgehegten Traum erfüllen.

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