DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Zahlen verdoppeln sich: Politiker fordern mehr Gewicht für das Covid-Zertifikat im Inland

Für den Fall einer neuen Corona-Welle denken Politiker über Einschränkungen für Personen an, die sich nicht impfen lassen. Insbesondere könnte die Anwendung des Zertifikats ausgeweitet werden.
19.07.2021, 07:3419.07.2021, 09:23
Henry Habegger / ch media
Bei neuer Corona-Welle nur noch mit Zertifikat oder sogar nur geimpft ins Restaurant?
Bei neuer Corona-Welle nur noch mit Zertifikat oder sogar nur geimpft ins Restaurant?Bild: Shutterstock

Er rechne mit einer Ansteckungswelle bei Ungeimpften, sagte Gesundheitsminister Alain Berset auf Radio SRF in Bezug auf die Covid-Lage. Er rief die Bevölkerung einmal mehr zum Impfen auf. Denn die Fallzahlen nehmen seit Anfang Juli wieder zu, die Zahl der Neuinfektionen verdoppelt sich wöchentlich.

Eine Frage, die die Politik immer dringender beschäftigt für den Fall, dass die neue Welle kommt: Braucht es neue Einschränkungen?

Klartext spricht der Walliser Gesundheitspolitiker Philippe Nantermod (FDP). Er sagt zu CH Media:

«Ich erinnere daran, dass der Bundesrat schon heute die Möglichkeit vorsieht, den Impfpass für Restaurants vorzuschreiben, wenn eine neue Welle kommt.»

Damit sei er einverstanden, betont er. Es sei zwar klar, dass jedermann frei ist, sich impfen zu lassen oder nicht. «Aber wenn eine neue Welle kommt, müssen die Leute, die nicht geimpft sind, zumindest am Anfang Einschränkungen akzeptieren. Und nicht jene Leute, die geimpft sind.» Das sei für ihn «normal und selbstverständlich», auch wenn es für einen Politiker unpopulär sei, das zu sagen. Es sei jetzt höchste Zeit, sich impfen zu lassen.

Dass je nach Entwicklung die Covid-Zertifikate an zusätzlichen Orten zur Pflicht werden könnten, darauf wies Anne Lévy hin, Direktorin des Bundesamts für Gesundheit BAG. Sie sagte in der «NZZ am Sonntag»: «Sollte sich die Lage zuspitzen, könnte man eventuell den Einsatz der Covid-Zertifikate ausweiten, etwa auf Besuche in Restaurants.» Das hält Levy für besser als erneute Schliessungen.

Hess: «Testen darf nicht das neue Impfen werden»

Die Restaurants seien nicht wirklich das Problem, sagt Lorenz Hess (Die Mitte), Gesundheitspolitiker und Präsident der Krankenkasse Visana. Weil vieles draussen stattfinde, weil es aber vor allem nicht zu wirklich grossen Ansammlungen von Menschen komme. «Das wirkliche Problem sind Grossanlässe: Sport, Events, Kultur», sagt Hess. Zertifikatspflicht sei hier das beste Mittel. Und: «Es löst vielleicht auch ein bisschen ein Umdenken aus – dass sich Leute überlegen, sich doch noch impfen zu lassen.»

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Aus der 3G-Regel könnte die 2G-Regel werden

Der Berner, der das Covid-Zertifikat einst in die parlamentarische Debatte einbrachte, sagt, dass dieses zurzeit nicht verändert werden sollte, also weiterhin die drei drei G-Kategorien (Genesene, Geimpfte, Getestete) abdecken sollte. Aber: Sollten die Zahlen wieder ansteigen, ist für Hess klar: «Es kann ein Thema werden, dass nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt zu Grossveranstaltungen haben. Sonst wird das Testen das neue Impfen, und das ist nicht gut.» Aus 3G würde dann 2G.

Die Aargauer Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel, Präsidentin der Gesundheitskommission, ist zurückhaltender. «Meines Erachtens soll es bei 3G bleiben», sagt sie. Aber: «Sobald sich alle impfen können, sollten Tests nicht mehr gratis sein.»

Auf die Belegung der Spitäler kommt es an

Humbel will keine Zertifikats-Pflicht für Restaurants. «Die entscheidende Grösse ist die Belastung des Gesundheitswesens, der Spitäler, und da sehe ich im Moment keine Zunahme», sagt sie. Restaurants könnten zudem heute schon das Covid-Zertifikat verlangen. Es sei derzeit wichtig, «vor allem die geltenden Massnahmen umzusetzen und die Impfkampagne zu intensivieren.»

Impfkampagnen nützten bei der breiten Masse nichts mehr, glaubt dagegen Hess. Wohl aber könnten solche Kampagnen fokussiert auf Zielgruppen wie das Gesundheitspersonal wirksam sein. Als «Mumpitz» lehnt er dagegen den Vorschlag ab, ungeimpftes Pflegepersonal mit «Stickern» zu kennzeichnen.

Der Freisinnige Nantermod sagt: «Ich rufe alle Leute auf: Lasst euch jetzt impfen! Denn die Frage ist nicht mehr: Impfen oder nicht. Die Frage ist: Impfen oder Virus.» Nantermod zeigt sich pessimistisch, was die Zahlen angeht: «Die Lage ist heute leider so, wenn wir die Entwicklung in anderen Ländern anschauen: Die nächste Welle kommt.» (ch media)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

SwissCovid bietet neu eine Check-in-Funktion

1 / 12
SwissCovid bietet neu eine Check-in-Funktion
quelle: keystone / laurent gillieron
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Was machen mit all den Masken?

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

183 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Cosmopolitikus
19.07.2021 09:12registriert August 2018
Auch ich habe mich nicht um meine beiden Impfungen gerissen. Aber, ich habs gemacht. Warum?
Weil ich in meinem Job als Führungskraft eine Vorbildfunktion lebe und weil ich so einen Beitrag gegen die weitere Ausdehnung der Mutationen leisten kann.
Das nennt sich Solidarität und wir in der Schweiz von vielen gelebt. Viele der Impfgegner verhalten sich rein egoistisch und jammern präventiv gegen Einschränkungen, welche sie durch ihr eigenes Verhalten erdulden müssten. Sorry, aber das ist „Birreweich“!
17128
Melden
Zum Kommentar
avatar
Fairness
19.07.2021 08:11registriert Dezember 2018
Alle die immer von Diskriminierung und Impfzwang sprechen sollten mal etwas nachdenken. Es ist doch einfach nur logisch, dass Geimpfte gewisse Vorteile haben.
18747
Melden
Zum Kommentar
avatar
Peter R.
19.07.2021 08:32registriert Februar 2019
Die Diskussion über Impfzwang ja oder nein wird weitergehen. Irgendwann wird der Druck auf die Impfverweigerer nochmals zunehmen. Denn die Mehrzahl der Geimpften ist nicht bereit wieder Einschränkungen hinzunehmen nur weil sich eine Minderheit aus hysterischen, esotherischen Gründen der Impfung verweigern.
6314
Melden
Zum Kommentar
183
Energiepreise, starker Franken und kein Personal: Bergbahnen stehen vor schwieriger Saison

Nach einer gelungenen Sommersaison steht den hiesigen Bergbahnbetreibern ein schwieriger Winter bevor. Trotz der hohen Energiepreise wird aber höchstens eine moderate Preiserhöhung bei den Skipässen erwartet.

Zur Story