DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Virusmutationen lösen neuen Streit um Masken aus – die Schweiz zögert

Mit dem ansteckenderen Virus sollte auch der Schutz der Masken steigen. Doch während Nachbarländer Stoffmasken verbieten, ist in der Schweiz nicht einmal der neu erarbeitete Schweizer Standard verpflichtend.
21.01.2021, 10:29
Sabine Kuster / ch media

Die Maske sei zwar unangenehmer, aber man fühle sich sicherer. Das sagen jene, die eine FFP2-Maske über Mund und Nase tragen statt einer gewöhnlichen Hygienemaske – im öffentlichen Verkehr, in Büros, in Gondeln oder beim Einkaufen.

Die FFP2-Maske schützt effizienter als eine gewöhnliche Hygienemaske.
Die FFP2-Maske schützt effizienter als eine gewöhnliche Hygienemaske.Bild: keystone

Seit sich die ansteckenderen Virus-Mutationen in Europa verbreiten, sind diese Masken plötzlich im Fokus. Entwickelt wurden sie für Arbeiten mit schädlichem Russ, Staub, Viren oder Bakterien. Während Stoffmasken standardmässig nur 70 Prozent der ausgeatmeten Aerosole zurückhalten müssen, sind bei FFP2-Masken 94 Prozent erforderlich ­– und dies nicht nur für Partikel von einem Mikrometer Grösse, sondern sogar bei nur 0.6 Mikrometern.

In Österreich sind sie ab dem 25. Januar Pflicht ab 14 Jahren im öffentlichen Verkehr, an Haltestellen, beim Arzt, in der Kirche und beim Einkaufen sogar an Freiluftmärkten. Deutschland hat am Dienstag beschlossen, dass zumindest Masken aus Stoff verboten werden. Nur noch OP-Hygienemasken und FFP2-Masken sind dann im öffentlichen Verkehr und in Läden zugelassen. Frankreich lässt es bei der Empfehlung, auf Stoffmasken zu verzichten.

Nur Spitäler lehnen Stoffmasken ab

In der Schweiz gibt es noch keine neuen Maskenvorgaben, auch wenn der Kanton Aargau beispielsweise ein Stoffmaskenverbot gefordert hat. Der Bund rät lediglich von selbst genähten und unzertifizierten Masken ab. In verschiedenen Spitälern wird man aber mit Stoffmasken nicht eingelassen.

«Weg mit den selbst genähten Masken», sagt auch Aerosolexperte Michael Riediker. Denn:

«Selbst bei vier Lagen des dicken Edelweissmuster-Stoffes kommt, wenn ich mit der Nebellanze draufhalte, auf der anderen Seite ein schöner Strahl raus.»
Vom Tragen selbstgenähter Stoffmasken wird abgeraten.
Vom Tragen selbstgenähter Stoffmasken wird abgeraten.Bild: EPA

Eine gut anliegende Hygienemaske hält sowohl beim Aus- wie beim Einatmen rund 75 Prozent der Aerosole zurück. Wenn also alle eine solche Maske tragen, reduziert sich die Virenbelastung durch Aerosole laut den Berechnungen von Riediker um den Faktor 10. Doch die Bandbreite der zurückgehaltenen Aerosole ist in der Realität riesig und liegt zwischen 90 und nur 20 Prozent, schätzt Ernest Weingartner, Partikel-Experte der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.

Dieser Maskentyp schützt dich besser vor einer Ansteckung mit Coronaviren

Video: watson

Beide Experten sind nicht a priori gegen Stoffmasken. Riediker findet: «Bevor man FFP2-Masken für alle einführt, sollte man für Stoffmasken die Schweizer Norm für Communitymasken vorschreiben, die am 29. Januar veröffentlicht wird. Noch besser wäre es, wenn diese auf der Aussenseite das SNR30000-Logo tragen, damit die Zertifizierung sofort ersichtlich ist.»

Zudem sitzen manche Stoffmasken besser am Gesicht als Hygienemasken.

Manche Masken passen nur an ein Klitschko-Kinn

Auch FFP2-Masken können schlecht sitzen. «Eigentlich gehört zu diesen Masken ein Fit-Test, bei dem geschaut wird, ob sie auch passt», sagt Riediker. Dabei wird der Person mit Maske eine Haube übergestülpt und darin ein Bitterstoff freigesetzt – die Maske taugt, wenn die Person den Stoff nicht schmecken kann. Riediker sagt:

«In Spitälern müsste das gemacht werden – aber oft fehlt die Zeit.»

Generell sitzen FFP2-Masken aber oft besser. Dies, weil sie mit den Bändern hinter dem Kopf straffer am Gesicht gehalten werden als die Hygienemasken mit ihren Ohrenbändeln.

Masken sollen genormt sein, gut anliegen – und als drittes fordert Riediker ein Ess- und Trinkverbot im öffentlichen Verkehr angesichts des ansteckenderen Virus. «Die Leute würden das verstehen, und die Mehrheit wäre happy», glaubt er. Man könne die Konsumation wie auch das Rauchen dafür auf Perrons und Haltestellen erlauben.

Per Smartphone zur perfekten Maske

Riediker plant, zusammen mit Ernest Weingartner die Maskenforschung voranzutreiben. Sie wollen mehrere Testköpfe entwickeln, die einen repräsentativen Querschnitt der Schweizer Kopfformen abbilden. Darauf könnten bessere Masken entwickelt werden und anschliessend mit einem Computermodell durchgetestet werden. Riediker scherzt:

«Heute gibt es Masken, die passen nur, wenn man ein Kinn wie Boxer Vladimir Klitschko hat.»

Das Ziel: Eine App auf dem Smartphone, mit der man sein Gesicht scannen kann und darauf die passendste Maske empfohlen bekommt.

Der Bund ist seinerseits daran, die Designs von Masken zu optimieren und die Lecks zu minimieren: Die Empa und der Partner Labor Spiez setzen dazu ein Innosuisse-Projekt des Bundes um mit 45 beteiligten Schweizer Firmen aus der Maschinen- und Textilbranche. Es dauert noch bis Ende Mai. (saw/bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Schweiz trägt Maske im ÖV

1 / 24
Die Schweiz trägt Maske im ÖV
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Maske zusammenfalten? NEIN! So handhabt man Masken richtig

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

106 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
sweeneytodd
21.01.2021 11:03registriert September 2018
Irgendwo kann man es dann auch einmal übertreiben. Mit jeder extremerer Regelung steigert sich die Anzahl Menschen die sagen: "jetzt reichts mir, ist doch egal was die in Bern sagen". Somit wirkt jede neue Regelung nicht dementsprechend wie man es berechnet hat und es kommen dadurch noch neuere extremere Regeln -> ein Teufelskreis ohne Ende. Es kommen per se sowieso immer wieder neue Studien die gewisse Massnahmen für besser halten als andere und umgekehrt. So wie es aktuell ist funktioniert es ja gut (Zahlen sinken). Bis die Impfung bei allen ist müssen wir den Virus 'nur' in Schach halten.
30350
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ohniznachtisbett
21.01.2021 11:15registriert August 2016
Die normalen Masken schützen Andere. FFP 2 schützen auch einem selbst. Es ist wie mit dem Rauchen. Der Staat kann das Rauchen in Restaurants verbieten, um Andere Gäste und Mitarbeiter vor passiv Rauch zu schützen. Er verbietet aber nicht das Rauchen generell, weil die Eigengefährdung eben jedem sein eigenes Problem ist. Wer eine FFP2 Maske tragen will, soll das tun. Wer nicht, trägt eine normale Maske. Aufhören mit immer noch dämlicheren Vorschriften. Es reicht wenn der Staat Fremdschutz vorschreibt. Beim Eigenschutz soll er schweigen.
23850
Melden
Zum Kommentar
avatar
mrmikech
21.01.2021 10:46registriert Juni 2016
Man hatte ein Jahr um das ganze zu testen, warum fängt man jetzt erst an mit "die Maskenforschung voranzutreiben"?? Sollte das nicht schon mindestens 10 Jahre bekannt sein, welche Masken was genau tun? Viren sind nicht wirklich etwas neues...

Und wie sieht es aus mit die Nasensprays die an mehrere Unis entwickelt werden? Einige sprays sollen genau so gut schützen als eine Maske, oder sogar Impfalternative sein. Ich würde mich über mehr wissenschaftliche Artikel freuen.
20930
Melden
Zum Kommentar
106
Velofahrerin stösst in Zürich mit Tram zusammen und wird schwer verletzt

Am Freitagnachmittag kam es in der Stadt Zürich zu einer Kollision zwischen einem Tram und einer Velofahrerin. Die Frau erlitt dabei schwere Verletzungen.

Zur Story