Tauben killen in Zürich: Dieses neue Game schockiert mit Absicht
Sollen diese Zürcher Stadttauben sterben? Mit dieser gruseligen Frage konfrontiert der Zürcher Game-Entwickler Davide Morotti die Spielerinnen und Spieler seines neuen Werks «Super Pigeon». In dem kurzen Jump-and-Run-Game für Handy und Browser schlüpft man in die Rolle eines Zürcher Stadtarbeiters. Am Ende hat man – vermeintlich – nur eine Option.
Anfang April hat ein städtischer Wildhüter am Bahnhof Stadelhofen mehrere Tauben getötet. Die Keulung löste eine Welle der Empörung, Social-Media-Kritik, eine Mahnwache und schliesslich eine Petition gegen derartige Aktionen aus.
«Daher habe ich ein kleines Spiel daraus gemacht. Es heisst ‹Super Pigeon› und ist ein satirisches Game im Stil von ‹Super Mario›», erklärt er gegenüber 20 Minuten: «Man sammelt Tauben ein und steckt sie in einen Sack. Dann bringt man sie zur Sammelstelle – zu dem Käfig unter der Decke. Am Ende hat man genau eine Option: Man muss die Tauben töten.»
«Niemand hätte ihn drücken müssen»
Morotti betont, es sei «kein lustiges Spiel». Wer am Ende den Knopf drückt, soll über die Sinnlosigkeit realer Taubenkeulungen nachdenken. Aber das sei genau der Punkt: «Niemand hätte ihn drücken müssen. Und die Massnahme bringt ohnehin nichts. Die Plätze sind binnen Wochen wieder besetzt.»
Das Game bietet jedoch einen Ausweg. Wer aufmerksam hinsieht, kann ein verstecktes Ende freischalten und die Vögel laufen lassen: «Genau darum geht es: Es gibt einen anderen, grünen Weg.»
Was im ersten Moment wie makabre Satire wirkt, stösst beim Dachverein Stadttauben Schweiz auf positives Echo. «Bei Games freut es uns besonders, dass sie Zielgruppen erreichen, die wir sonst nicht unbedingt ansprechen», so Präsidentin Nina Bachellerie gegenüber «20 Minuten». Gleichzeitig bringe das Spiel das Kernproblem auf den Punkt: «Hier werden fühlende Lebewesen getötet, ohne dass damit langfristig etwas erreicht wird.» (val)
