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Stadt Zürich keult Tauben am Bahnhof Stadelhofen

Stadt Zürich keult Tauben am Bahnhof Stadelhofen – Augenzeugin dokumentiert Einsatz

In der Nähe des Zürcher Bahnhofs Stadelhofen sind Stadttauben mit einer Falle eingefangen und getötet worden. Der Vorfall wird über die Landesgrenzen hinweg diskutiert.
13.04.2026, 15:5913.04.2026, 15:59

Eine Augenzeugin beobachtete vergangene Woche, wie am Stadelhoferplatz in Zürich Stadttauben eingefangen wurden. Zwei Wildhüter stellten eine Falle auf, wenige Minuten später waren mehrere Tauben darin gefangen. Anschliessend seien die Tiere in eine Transportbox umgeladen worden. Den Umgang beschreibt die Zeugin als «wenig sorgsam». Die Szenen hielt sie auf Video fest.

Wildhüter stellten eine Taubenfalle am Stadelhoferplatz in Zürich auf.
Wildhüter stellten eine Taubenfalle am Stadelhoferplatz in Zürich auf.bild: zvg

Auffällig sei zudem gewesen, dass eine Abdeckung am Fahrzeug immer wieder so zurechtgerückt wurde, dass kein Einblick möglich war. Kurz darauf wurde die Box wieder aus dem Fahrzeug gehoben. Auf den Aufnahmen sind keine Vögel mehr zu sehen. Stattdessen: zwei schwarze Abfallsäcke, die aus dem Fahrzeug geladen werden. Die Zeugin vermutet, dass sich darin die zuvor gefangenen Tauben befunden haben könnten.

Die Stadt Zürich bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die Stadttauben eingefangen und vor Ort gekeult wurden. Mit der Aktion soll der Taubenbestand gezielt reguliert werden. In der Stadt leben rund 16’000 verwilderte Haustauben, die jährlich etwa 80 Tonnen Kot verursachen. Dieser führe zu erheblichen Verschmutzungen, Schäden an Fassaden und Mauerwerk und werde als potenzielles Gesundheitsrisiko eingestuft.

Die Vögel wurden vor Ort gekeult.
Die Vögel wurden vor Ort gekeult.bild: zvg

Die Stadt Zürich verfolgt dieses Ziel seit Längerem – bislang ohne erkennbaren Erfolg. Seit 2023 ist es im kantonalen Jagdgesetz verboten, Tauben zu füttern. Bei Verstössen drohen Bussen von 200 Franken. Ziel der Regelung ist es, dass die Tiere weniger Futter finden und dadurch weniger häufig brüten.

Eingetreten ist jedoch das Gegenteil: Aus falscher Tierliebe und Mitleid mit vermeintlich hungrigen Tauben wird das Fütterungsverbot häufig ignoriert. In der Stadt Zürich finden die verwilderten Stadttauben heute sogar ein noch üppigeres Buffet als vor dem Verbot.

Es gibt bereits viele Städte, die mit gutem Beispiel vorangehen und die Taubenpopulation durch Eiertausch in betreuten Taubenschlägen kontrollieren. Auch Zürich setzt auf dieses Konzept – unter anderem auf dem Lindenhof, bei der Kirche St. Jakob sowie im Hauptbahnhof. Dort wurden im letzten Jahr rund 500 Taubeneier durch Gipseier ersetzt. Allerdings lassen sich Tauben nur dann an einen Schlag binden, wenn sie nicht ausserhalb gefüttert werden. In letzter Konsequenz müssten die Tiere abgeschossen werden.

Der bekannte Tierschützer Malte Zierden aus Deutschland empörte sich auf Instagram über den Vorfall: «Tauben waren einmal ein Teil von uns, lieferten uns Liebesbriefe. Und heute brechen wir ihnen das Genick.» Das Video wurde inzwischen über eine Million Mal angesehen.

(Mit Material der sda)

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Tote Tauben am Zürcher Hauptbahnhof – das sagen die SBB dazu
Video: watson
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39 Kommentare
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DasWölfchen
13.04.2026 16:08registriert April 2023
Ist ja klar, dass ein Sichtschutz montiert wurde. Wenn Leute einfach immer filmen…
Wildtiere füttern ist nun mal falsch verstandener Tierschutz.
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Ghost Dog
13.04.2026 16:12registriert Februar 2026
Sollen diese selbsternannten Tierschützer nach Zürich kommen und 80 Tonnen Kot zusammenkratzen.

Meine Güte, die Population ist wegen des übermässigen Nahrungsangebots schon lange nicht mehr natürlich. Den Tauben tut man auch keinen Gefallen, wenn man sie mit Brot, Chips oder Pommes vom McDonald's füttert. Und wenn - zumeist - ziemlich alte und wohl ziemlich einsame Frauen säckeweise Vogelfutter ausbringen, dann sollen sie doch lieber mal in ein Quartierzentrum und da Kontakte finden.
9020
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RAZORBACK
13.04.2026 16:18registriert Februar 2017
Gut so. Ich liebe Tiere auch. Aber so viele Tauben, sie zerstören Hausfassaden mit dem aggressiven Kot.
Freilaufende und verwilderte Katzen hat es auch genug😉
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