Stadt Zürich keult Tauben am Bahnhof Stadelhofen – Augenzeugin dokumentiert Einsatz
Eine Augenzeugin beobachtete vergangene Woche, wie am Stadelhoferplatz in Zürich Stadttauben eingefangen wurden. Zwei Wildhüter stellten eine Falle auf, wenige Minuten später waren mehrere Tauben darin gefangen. Anschliessend seien die Tiere in eine Transportbox umgeladen worden. Den Umgang beschreibt die Zeugin als «wenig sorgsam». Die Szenen hielt sie auf Video fest.
Auffällig sei zudem gewesen, dass eine Abdeckung am Fahrzeug immer wieder so zurechtgerückt wurde, dass kein Einblick möglich war. Kurz darauf wurde die Box wieder aus dem Fahrzeug gehoben. Auf den Aufnahmen sind keine Vögel mehr zu sehen. Stattdessen: zwei schwarze Abfallsäcke, die aus dem Fahrzeug geladen werden. Die Zeugin vermutet, dass sich darin die zuvor gefangenen Tauben befunden haben könnten.
Die Stadt Zürich bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die Stadttauben eingefangen und vor Ort gekeult wurden. Mit der Aktion soll der Taubenbestand gezielt reguliert werden. In der Stadt leben rund 16’000 verwilderte Haustauben, die jährlich etwa 80 Tonnen Kot verursachen. Dieser führe zu erheblichen Verschmutzungen, Schäden an Fassaden und Mauerwerk und werde als potenzielles Gesundheitsrisiko eingestuft.
Die Stadt Zürich verfolgt dieses Ziel seit Längerem – bislang ohne erkennbaren Erfolg. Seit 2023 ist es im kantonalen Jagdgesetz verboten, Tauben zu füttern. Bei Verstössen drohen Bussen von 200 Franken. Ziel der Regelung ist es, dass die Tiere weniger Futter finden und dadurch weniger häufig brüten.
Eingetreten ist jedoch das Gegenteil: Aus falscher Tierliebe und Mitleid mit vermeintlich hungrigen Tauben wird das Fütterungsverbot häufig ignoriert. In der Stadt Zürich finden die verwilderten Stadttauben heute sogar ein noch üppigeres Buffet als vor dem Verbot.
Es gibt bereits viele Städte, die mit gutem Beispiel vorangehen und die Taubenpopulation durch Eiertausch in betreuten Taubenschlägen kontrollieren. Auch Zürich setzt auf dieses Konzept – unter anderem auf dem Lindenhof, bei der Kirche St. Jakob sowie im Hauptbahnhof. Dort wurden im letzten Jahr rund 500 Taubeneier durch Gipseier ersetzt. Allerdings lassen sich Tauben nur dann an einen Schlag binden, wenn sie nicht ausserhalb gefüttert werden. In letzter Konsequenz müssten die Tiere abgeschossen werden.
Der bekannte Tierschützer Malte Zierden aus Deutschland empörte sich auf Instagram über den Vorfall: «Tauben waren einmal ein Teil von uns, lieferten uns Liebesbriefe. Und heute brechen wir ihnen das Genick.» Das Video wurde inzwischen über eine Million Mal angesehen.
(Mit Material der sda)
