Schweiz
Extremwetter

Thurgauer Regierung streicht Klimaschutz-Massnahmen zusammen

Martin Eugster, Chef Amt für Umwelt, Regierungsrat Dominik Diezi, Chef Departement für Bau und Umwelt, Regierungsrat Walter Schönholzer, Chef Departement für Inneres und Volkswirtschaft, und Martin An ...
Stellten den Massnahmenplan Klima 2027-2031 vor: Martin Eugster, Chef Amt für Umwelt, Regierungsräte Dominik Diezi und Walter Schönholzer, Martin Angehrn, Chef Landwirtschaftsamt. Bild: Kanton Thurgau
Extremwetter

Thurgauer Regierung streicht Klimaschutz-Massnahmen zusammen

Der Regierungsrat hat den Massnahmenplan zur Erreichung der Klimaziele nach der Vernehmlassung überarbeitet. In der neuen Fassung sind es weniger Massnahmen, die mit 8,4 Millionen Franken auch weniger kosten.
26.08.2026, 16:1226.08.2026, 16:36

Ursprünglich hatte die Thurgauer Regierung 81 Massnahmen vorgeschlagen, die in der fünfjährigen Umsetzungsphase rund 13 Millionen Franken gekostet hätten.

Nach der Vernehmlassung, in der etwa die hohe Zahl der Massnahmen oder die Gemeindeautonomie thematisiert wurden, ist die Vorlage nun angepasst worden, wie die Verantwortlichen am Mittwoch mitteilten.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo ist das Problem?

Dazu schreibt der Regierungsrat:

«Der Kanton Thurgau ist aktuell vor allem von verbreiteter und wiederholter Hitze sowie langanhaltender Trockenheit betroffen. Dies führte unter anderem zur Ausrufung der höchsten Waldbrandgefahrstufe, zu rekordtiefen Pegelständen in den Gewässern, zu Wasserentnahmeverboten und Fischsterben. Auch die Häufigkeit von Starkregenereignissen mit Schadenfolgen nimmt deutlich zu. Solche Extremwetterereignisse werden künftig häufiger und intensiver auftreten.»

An «diese veränderten Klimabedingungen» habe sich auch der Kanton Thurgau anzupassen sowie gleichzeitig seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bis 2050 seien Netto-Null-Treibhausgasemissionen im Thurgau vorgesehen.

Welche Massnahmen wurden gestrichen?

Der Regierungsrat schreibt, einige «inhaltlich umstrittene Vorschläge» wie die Unterstützung einer «klimafitten Hauptinfrastruktur für eine ertragssichere Nahrungsmittelproduktion» oder der Ausbau der «Sensibilisierung für die Einsatzmöglichkeiten des Rohstoffs Holz» oder ein Pilotprojekt «Mobility Pricing» seien gestrichen worden.

In der Medienmitteilung heisst es:

«Die grössten Diskussionspunkte betrafen die hohe Anzahl der Massnahmen, den Umfang der Gemeindeautonomie sowie das Ambitionsniveau, das von einigen als zu hoch, von anderen als zu tief eingestuft wurde.»

Weniger Stellenprozente

In der neuen Fassung, die dem Grossen Rat vorgelegt wird, sind es noch 71 Massnahmen, die 8,4 Millionen Franken kosten. Gleichzeitig sei auch der Personalbedarf von beantragten 960 auf noch 760 Stellenprozente gesenkt worden.

Weiterhin zum Aktionsplan gehören Massnahmen wie die Entwicklung eines Zukunftsbilds «Landwirtschaft und Ernährung Thurgau 2050». Ein weiteres Thema sei das Wassermanagement. Langfristig soll es genügend Wasserressourcen für eine sichere und wirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung, der Landwirtschaft und der Wirtschaft geben.

Wie geht es weiter?

Stimmt das Kantonsparlament der Vorlage mit dem Massnahmenplan zu, wird es dazu auch noch eine Volksabstimmung geben. Sie könnte am 6. Juni 2027 stattfinden.

Warum tut der Regierungsrat das?

2023 genehmigte die Thurgauer Regierung die Klimastrategie für den Kanton. Um die darin formulierten Ziele zu erreichen, sei nun zusätzlich ein konkreter Massnahmenplan ausgearbeitet und verabschiedet worden. Damit nehme der Regierungsrat seine Verantwortung in der Klimapolitik wahr.

Ende 2025 zählte der Kanton Thurgau gut 300'000 Einwohnerinnen und Einwohner zur ständigen Wohnbevölkerung.

Sämtliche Unterlagen zum «Massnahmenplan Klima 2027-2031» sind laut Mitteilung unter klima.tg.ch zu finden.

Quellen

(dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker
1 / 12
Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker
Wir unterziehen 9 beliebte Aussagen von Klimaskeptikern dem Faktencheck. Ausführlichere Antworten und Quellen findest du hier.
quelle: epa / christos bletsos
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Hitzige Diskussion um Schweizer Klimapolitik
Video: ch media
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
45 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Shadow69
26.08.2026 16:16registriert Februar 2014
Dass die Thurgauer Regierung den Schuss offensichtlich nicht gehört hat, ist nur sehr schwer zu verstehen.
978
Melden
Zum Kommentar
avatarbadge
Walter Sahli
26.08.2026 16:35registriert März 2014
"Bis 2025 sind Netto-Null-Treibhausgasemissionen im Thurgau vorgesehen."

Bin ich wieder in einem Paralleluniversum gelandet und wir haben noch gar nicht 2026? Das letzte Mal, als mir das passiert ist, bin ich in einer Schweiz aufgewacht, in der Blocher Bundesrat war. War nicht so schön.
746
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rethinking
26.08.2026 19:32registriert Oktober 2018
Schneidet euch ein grosses Stück bei der Fribourger Regierung ab!

Die haben es kapiert. Im Gegenteil zu. Thurgau…
341
Melden
Zum Kommentar
45
«Zieht ihr das wirklich durch?»: Kleinaktionäre kämpfen um den Skibetrieb in Braunwald
An der Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald üben Kleinaktionärinnen und Kleinaktionäre den Aufstand gegen den Verwaltungsrat. Dieser bleibt hart – und lässt ein kleines Hintertürchen offen.
Der Saal im Restaurant Chämistube im Grotzenbüel ist rappelvoll. Karierte Blusen, vereinzelt ein weisses Hemd, viele Wanderschuhe sind in der Menge auszumachen. Es ist Generalversammlung (GV) der Sportbahnen Braunwald. Jenes Unternehmen, das im Juni verkündete, den Skibetrieb bereits ab diesem Winter einzustellen.
Zur Story