Wirtschaft
Schweiz

Ski-Aus in Braunwald: Kleinaktionäre der Sportbahnen wehren sich

GV Braunwald
Ein seltener Moment der Einigkeit an der Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald. Bild: watson

«Zieht ihr das wirklich durch?»: Kleinaktionäre kämpfen um den Skibetrieb in Braunwald

An der Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald üben Kleinaktionärinnen und Kleinaktionäre den Aufstand gegen den Verwaltungsrat. Dieser bleibt hart – und lässt ein kleines Hintertürchen offen.
27.08.2026, 00:3427.08.2026, 00:34

Der Saal im Restaurant Chämistube im Grotzenbüel ist rappelvoll. Karierte Blusen, vereinzelt ein weisses Hemd, viele Wanderschuhe sind in der Menge auszumachen. Es ist Generalversammlung (GV) der Sportbahnen Braunwald. Jenes Unternehmen, das im Juni verkündete, den Skibetrieb bereits ab diesem Winter einzustellen.

So viele Aktionärinnen und Aktionäre seien noch nie zur GV erschienen, sagt Verwaltungsratspräsident Richard Bolt. Er hat sich seine Sonnenbrille auf den Kopf geschoben und lächelt in Richtung Publikum, das nur verhalten zurücklächelt.

Die Stimmung ist angespannt. An diesem Mittwochnachmittag Ende August muss sich der Verwaltungsrat zum ersten Mal seit seinem weitreichenden Entscheid, den Skibetrieb in Braunwald einzustellen, den Aktionärinnen und Aktionären stellen. Unter ihnen sind Hotel- und Liegenschaftsbesitzende, langjährige Feriengäste und Einheimische. Sie hatten beim Entscheid, den Skibetrieb aufzugeben, keine Mitsprache.

Im Dorf regt sich seither Widerstand. Vereine, Unternehmen und Privatpersonen aus Braunwald haben eine Petition gestartet, um die Sportbahnen zum Umdenken zu bewegen. Am Mittwochabend hatten sie bereits über 6000 Personen unterschrieben.

Ski-Aus: Hitzige Diskussionen an GV über die Zukunft von Braunwald

Video: watson/emanuella kälin

David gegen Goliath beim Grotzenbüel

Auch an der GV der Sportbahnen wird schnell klar: Viele hier sind mit dem Entscheid ganz und gar nicht einverstanden. «Es geht um unsere Existenz», sagt etwa Ursina Kappeler, Inhaberin des Hotels Cristal in einer Verschnaufpause zu watson. Ihr Buchungstool sei praktisch leer, viele hätten ihre Übernachtungen storniert. Besonders störe sie, dass der Verwaltungsrat «im Alleingang» entschieden habe, den Stecker zu ziehen.

Ursina Kappeler
Ursina Kappeler hat wenig Verständnis für die Vorgehensweise des Verwaltungsrats.Bild: watson

Auch im Saal sind die kritischen Voten zahlreich. Und sie ernten Applaus. «Zieht ihr das jetzt wirklich durch?», fragt eine andere Aktionärin fassungslos an den Verwaltungsrat gewandt. Sie habe den Eindruck, der Verwaltungsrat höre den Rednerinnen und Rednern gar nicht zu.

Verwaltungsratspräsident Bolt wiederholt: «Der Skibetrieb ist hoch defizitär. Wir müssen Massnahmen ergreifen.» Sonst drohe der Konkurs. «Das Unternehmen kann dieses Risiko nicht mehr verkraften.»

Das Machtverhältnis ist klar: Der Verwaltungsrat kann mit seiner Aktienmehrheit auch an dieser Generalversammlung jede Abstimmung für sich entscheiden.

Das zeigt eine Szene des Nachmittags besonders deutlich: Nachdem mehrere Rednerinnen und Redner ihre Zweifel am Geschäftsbericht des vergangenen Jahres ausgedrückt haben, stimmt beinahe der ganze Saal gegen die Annahme des Berichts. «Bericht angenommen», wird dennoch durchs Mikrofon verkündet. Ungläubiges Lachen im Saal.

«Ich frage mich, warum wir diese GV überhaupt abhalten. Wenn der Verwaltungsrat sowieso 52 Prozent der Stimmen hat, können wir ja alle heimgehen», meldet sich eine Frau zu Wort und erntet lauten Zuspruch.

«Nur als Hinweis: Wir sind hier an der Generalversammlung einer Aktiengesellschaft», erinnert Bolt. Eine «Chropfläärete mit dem Verwaltungsrat», wie ein Liegenschaftsbesitzer es später ausdrückt, erscheint angesichts der aufgeladenen Stimmung allerdings treffender.

Private Initiative will Skilift weiterbetreiben

Eine Schlittelpiste, Winterwanderungen, Langlauf, Schneeschuhtouren – diese Angebote sollen den Skibetrieb in Braunwald bereits in diesem Winter ersetzen. Auch Tiefschneefahren sei in diesem Winter noch möglich. Jedoch auf eigene Gefahr. «Alle wollen immer nur grösser werden. Wir wollen kleiner werden», sagt Bolt. «Ich bin überzeugt, dass wir in fünf Jahren besser dastehen als andere.»

Dass die vorgestellten Angebote genügend Menschen nach Braunwald locken, um rentabel zu bleiben, bezweifeln viele im Raum. Womit man denn eigentlich noch Geld verdienen wolle, fragt ein Aktionär und ehemaliger Mitarbeiter der Sportbahnen. Mehrere Rednerinnen und Redner sind sich einig: Braunwald katapultiere sich mit dem Verzicht auf den Skibetrieb in die Bedeutungslosigkeit.

Eine private Initiative liegt bereits auf dem Tisch: Die IG Mattwald will einen Skilift übernehmen – mit allen Kosten und Risiken. Eine nachhaltige Lösung sei das jedoch nicht, sagt Reto Glarner, Co-Leiter der Schneesportschule Braunwald und Mitinitiator der IG. Aber zumindest gäbe es damit ein Angebot zum Skifahren, bis klar sei, wie es weitergeht.

Reto Glarner
Reto Glarner ist Teil der IG Mattwald, die einen Skilift privat weiterbetreiben will.Bild: watson

«Wir sehen das Bedürfnis», sagt Bolt dazu. «Und wir sind offen, darüber zu sprechen.» Versprechungen mache man jedoch noch keine. «Gebt uns doch die Chance, diesen Winter einmal zu bestreiten.»

Nach vier Stunden ist auch das letzte Traktandum abgehakt, die Menschen verlassen den Saal. Vor dem Restaurant, in der Gondel, in der Standseilbahn gehen die Gespräche in kleinen Grüppchen weiter. Vier Stunden haben offensichtlich nicht gereicht, um sie von der neuen Zukunft Braunwalds ohne Skibetrieb zu überzeugen.

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Mondblüemli
27.08.2026 03:24registriert Oktober 2021
Im Juni SVP wählen, im August über die Trockenheit jammern und im Winter ohne Schnee einen Skilift betreiben wollen, der auch noch Dividende abwerfen soll. 🤷🏼‍♀️
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President Rump
27.08.2026 01:08registriert September 2019
Irgendwann muss man vor der Natur kapitulieren. Oder was der Mensch aus ihr gemacht hat.
Ausserdem funktionieren Aktiengesellschaften halt nunmal so, dass die Mehrheit der Aktien bestimmt. Das kann man gut oder schlecht finden, aber überrascht sollte man nicht sein.
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arowa
27.08.2026 04:47registriert April 2023
Zeigt schön auf, dass all die Kleinaktionäre einfach als Kapitalgeber ins Boot geholt wurden.

Das Aus des Skibetriebs hätte man besser kommunizieren können, aber das Grundproblem Klimawandel bleibt.
Es wird nicht das letzte Skigebiet sein, das verschwindet.
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