Schweiz
Extremwetter

Bundesrat spricht 70 Millionen Franken für Hitze und Trockenheit

Bundesrat Albert Roesti schaut sich seine Unterlagen an, waehrend einer Medienkonferenz ueber Hitze und Trockenheit in der Schweiz, am Mittwoch, 26. August 2026, im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. ( ...
Bild: keystone
Extremwetter

Massnahmen gegen Hitze und Trockenheit: Dafür spricht der Bundesrat 70 Millionen Franken

Einmalig 54 Millionen Franken für existenzbedrohte Bauernbetriebe, jährlich 17,5 Millionen Franken für die Waldwirtschaft: Der Bundesrat reagiert mit kurzfristigen Massnahmen auf den trockenen und heissen Sommer. Den rot-grünen Parteien geht dies zu wenig weit.
26.08.2026, 14:3026.08.2026, 17:21

Die Schweiz erlebt einen Rekordsommer. Die anhaltende Trockenperiode wurde durch mehrere Hitzewellen zusätzlich verschärft. Seit Messbeginn fiel in der Schweiz bis Mitte August noch nie so wenig Niederschlag während der Sommermonate. Das hat Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt sowie verschiedene Wirtschafts- und Lebensbereiche wie Landwirtschaft, Wälder, Schifffahrt und Stromproduktion.

In den vergangenen Wochen wurde insbesondere von besonders betroffenen Menschen und links-grünen Parteien der Ruf nach schweizweiten Massnahmen laut. Gerade der Bundesrat stehe in der Pflicht, mehr zu tun, hiess es. Am Mittwoch hat die Landesregierung eine längere Aussprache zur aktuellen Lage und zu künftigen Entwicklungen sowie zu möglichen zusätzlichen Massnahmen geführt.

Bundesrat Albert Roesti, Mitte, spricht neben Roland Pfister, Delegierter fuer wirtschaftliche Landesversorgung, Katrin Schneeberger, Direktorin Bundesamt fuer Umwelt BAFU, Christian Hofer, Direktor d ...
Bundesrat Albert Rösti und weitere Fachpersonen informierten am Mittwoch über die Massnahmen gegen die Folgen von Hitze und Trockenheit in der Schweiz. Bild: keystone

Umweltminister Albert Rösti - flankiert von mehreren Amtsdirektorinnen und -direktoren sowie Expertinnen und Experten - verkündete im Anschluss in Bern vor den Medien drei Hauptbotschaften: Erstens handle der Bund seit Langem; zweitens habe der Bundesrat einen kurzfristigen Handlungsbedarf erkannt; und drittens müsse sich die Schweiz längerfristig auf häufigere Hitze- und Trockenheitsperioden einstellen.

Hin und Her beim Waldschutz

Kurzfristig beantragt die Landesregierung, den Kredit Wald für 2027 um 17,5 Millionen Franken aufzustocken. Ab 2028 soll das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) ermächtigt werden, jährlich zusätzliche Mittel in gleicher Höhe zu beantragen.

Luftaufnahme der ausgetrockneten Wiese auf der Kraftwerkinsel in Birsfelden, am Donnerstag, 20. August 2026. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Die Trockenheit macht der Schweizer Landwirtschaft und den Wäldern zu schaffen.Bild: keystone

«Wälder stehen unter massivem Trockenheitsstress», sagte Rösti. Die Folgen könnten sich über Jahrzehnte zeigen. Es sei notwendig, für Sicherheit in den Wäldern zu sorgen. Beispielsweise müsse die Ausbreitung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer begrenzt werden. «Krankes, angefallenes Holz muss unverzüglich aus dem Wald entfernt werden.» Das benötige Mittel.

Der Bundesrat vollzieht damit nach politischem Druck eine Kehrtwende. Noch vor drei Wochen standen als Folge des Entlastungspakets grosse Einsparungen bei den Klimageldern für den Wald im Raum. Grüne Kreise lancierten daraufhin eine Petition und sammelten Zehntausende Unterschriften. «Der Bundesrat hat erkannt, dass die Bevölkerung beim Waldschutz keine Kompromisse duldet», kommentierten die Petenten den Entscheid auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Kritik von Links-Grün

Handeln will der Bundesrat auch in der Landwirtschaft: Die Mittel für die Betriebshilfe von Bäuerinnen und Bauern sollen im Jahr 2026 einmalig um 54 Millionen Franken erhöht werden. Mit diesen zinslosen Krediten will der Bund die landwirtschaftlichen Betriebe dabei unterstützen, durch die Trockenheit verursachte Liquiditätsengpässe zu überbrücken.

«Die Landwirtschaft ist von der Trockenheit unmittelbar auch finanziell betroffen», sagte Rösti. Der Bundesrat wolle helfen. «Wir entschädigen nicht pauschal Ernteausfälle, sondern nur existenzbedrohte Betriebe», hielt der Umweltminister fest.

Über die zusätzlichen Mittel für Wald und Landwirtschaft wird das Parlament entscheiden. Wahrscheinlich ist, dass die eidgenössischen Räte in der Mitte September beginnenden Herbstsession über weitere Massnahmen diskutieren werden. SP, Grüne und GLP haben angekündigt, dass sie eine ausserordentliche Debatte zum Thema führen wollen.

Die Reaktionen der drei Parteien auf den Bundesratsentscheid vom Mittwoch waren denn auch vernichtend: Die präsentierten Massnahmen seien «völlig unzureichend», schrieb die SP. Von «ungenügenden Massnahmen» sprachen die Grünen. Die Klimapolitik des Bundesrats bleibe mangelhaft, so die GLP. Links-Grün fordert einen Kurswechsel und pocht auf mehr Klimaschutz und konkrete Massnahmen.

Röstis Appell an Kantone, Gemeinden und Städte

Rösti wehrte sich gegen die Kritik: «Der Bundesrat hat die Lage von Anfang an sehr ernst genommen und war und ist handlungsfähig.» Bis Ende Oktober werde die Landesregierung eine erneute Lageanalyse vornehmen. Danach würden allfällige weitere Massnahmen getroffen.

Beispielsweise werde geprüft, wie landesweit einheitliche Hitzekarten umgesetzt werden könnten. Evaluiert würden zudem zusätzliche Grundlagen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung sowie der Gesundheit und des Wohls von Tieren. Im Weiteren werde es ein Rundtischgespräch zu spezifischen Landwirtschaftsthemen geben.

Von einer Ausrufung einer besonderen oder ausserordentlichen Lage sehe der Bundesrat ab, wiederholte Rösti seine Worte der vergangenen Wochen. «Die Schweiz ist innerhalb der gesetzlich vorhandenen Strukturen handlungsfähig.»

Rösti appellierte in diesem Zusammenhang auch an die Kantone, Gemeinden und Städte. Für viele Klimamassnahmen seien sie zuständig. «Es kann nicht die Aufgabe des Bundes sein, Altersheime hitzeresistent zu machen.» Der Bund investiere schon mehrere Milliarden in den Klimaschutz. Er sei unverändert der Auffassung, dass die zuständigen Departemente ihre Arbeit machen würden. (sda)

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banda69
26.08.2026 14:39registriert Januar 2020
Und jetzt erhalten genau jene das Geld welche seit Jahrzehnten eine Partei unterstützt haben, welche den Klimawandel bis heute leugnet und Klima-Massnahmen sabotiert.
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Garp
26.08.2026 14:35registriert August 2018
Ich lese nichts von allgemeinem Wassermanagement. Will man damit noch ewig warten?
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Realitäter
26.08.2026 14:37registriert November 2017
... herzlich willkommen in der "Pflästerliwirtschaftspolitik". Ich hoffe, dass die wirklich guten Ideen durch die einfallslose Verteilung der paar Millionen nicht kalt gestellt werden. Mit Darlehen zur Überbrückung von temporären Einbussen ist das Thema nicht wirklich erledigt ...
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