Zu wenig Verkehr: Zürcher Parlament macht Autobahn zur Hauptstrasse – SVP ist dagegen
Der Entscheid des Parlaments betrifft die kantonale Autobahn A50, die an der im Norden des Kantons Zürich gelegenen Wohngemeinde Glattfelden vorbei führt.
Das Strassenstück, um das es am Montag im Kantonsrat ging, ist Teil des Vorhabens «Autobahnzusammenschluss Bülach-Glattfelden». Dieses umfasst nun jedoch nur noch den Ausbau der A51 zu einer vierspurigen Hochleistungsstrasse vom heutigen Autobahnende Bülach Nord bis zum neuen Kreisel Chrüzstrasse, der im Niemandsland zwischen Bülach und Eglisau liegt. Die Bauarbeiten dafür sind auf der Zielgerade, der neue Kreisel soll am 9. Juli in Betrieb genommen werden.
Auf der Strecke von Bülach Nord zum neuen Kreisel durch den Hardwald verkehren im Schnitt täglich rund 28'000 Fahrzeuge. Anders ist die Situation offenbar auf der 4 Kilometer langen A50, die vom Kreisel in Richtung Glattfelden verläuft: Weil das Verkehrsaufkommen vergleichsweise gering sei, beschloss der Kantonsrat nun die Abklassierung.
Das Zürcher Parlament stimmte am Montag der entsprechenden Teilrevision des kantonalen Richtplans mit 129 zu 46 Stimmen zu – gegen die Stimmen der SVP.
Warum ist die SVP dagegen?
Die Herabstufung war in der vorberatenden kantonsrätlichen Kommission zunächst unbestritten. Am Montag sprach sich die SVP aber doch dagegen aus – offensichtlich aus ideologischen Gründen: «Mit dem Nein zur Nachhaltigkeitsinitiative hat sich die Ausgangslage verändert», sagte Ulrich Pfister (SVP, Egg). Die Zuwanderung gehe ungebremst weiter, damit stiegen auch die Anforderung an die Infrastruktur.
Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) nannte die vorgeschlagene Änderung «klein, aber fein». «Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, dachte ich zuerst auch: Das ist speziell», sagte sie. Rasch habe sie jedoch erkannt, welche Chancen sich damit eröffneten und welche künftigen Handlungsoptionen entstünden etwa im Hinblick auf dringend benötigte Fruchtfolgeflächen. Damit sind landwirtschaftliche Nutzflächen gemeint.
Solche Flächen seien für künftige Strassen- und Infrastrukturprojekte zentral, aber rar und daher schwierig zu sichern. Auch ökologische Ausgleichsflächen spielten für die zukünftige Planung eine wichtige Rolle.
Wieso liebäugelt die SP mit einem Veloweg?
«Wir freuen uns über jede gestrichene Autobahn im Richtplan», sagte Felix Hoesch (SP, Zürich). Die bisherige, vierspurige Betonbrücke über die Glatt sei ein Beispiel für ein «sinnloses Projekt». Er hoffe, dass sie neu genutzt werden könne: auf der einen Seite für den motorisierten Verkehr, auf der anderen Seite für einen Veloweg.
Sarah Fuchs (FDP, Meilen) sagte, die Vorlage zeige aus rechtlicher Sicht, dass die Abklassierung mit dem Anti-Stau-Artikel vereinbar sei. Die FDP stimme der Vorlage zu, auch wenn es nicht ein populärer Entscheid sei, eine Strasse herabzustufen. Sie störte sich an der ideologischen Debatte. «Manchmal darf man auch einfach pragmatisch sein», sagte Fuchs.
Daniel Rensch (GLP, Zürich) sagte, eine sachgerechte Planung Verkehrsinfrastruktur sei besonders wichtig. Zudem solle auf Ausbaustandards verzichtet werden, wo sie nicht nötig seien. Er sei erstaunt über die Meinungsänderung der SVP. Die Mitte freue sich über eine «gute Nutzung» der freiwerdenden Flächen, sagte Ruth Ackermann (Mitte, Zürich) .
«Quer in der Landschaft»
Es sei sehr erfreulich, dass für einmal keine zusätzlichen Flächen asphaltiert würden, sondern bestehende Flächen anders genutzt werden könnten, sagte Manuel Sahli (AL, Winterthur). Die A50 stehe etwas quer in der Landschaft. Sie sei als eher überdimensioniertes Projekt geplant und gebaut worden.
Mit diesem Entscheid ist die Umfahrung Glattfelden keine kantonale Autobahn mehr. «Um Missverständnisse zu vermeiden, wird die Bezeichnung A50 entfernt», heisst es im Bericht.
(dsc/sda)
