Der Präsident der SRG tritt in einer heiklen Phase ab – wer wird sein Nachfolger?
Er kann für sich in Anspruch nehmen: In seiner zehnjährigen Amtszeit als SRG-Präsident lehnten die Schweizer Stimmberechtigten zwei SRG-kritische Volksinitiativen klar ab. Das stärkte die Legitimität des vorwiegend gebührenfinanzierten Radios und Fernsehens.
Ausserdem berief der Rundfunk 2024 mit Susanne Wille eine neue Generaldirektorin. Unter dem Druck von Medienminister Albert Rösti (SVP) arbeitet die SRG derzeit erstmals an einem grösseren Sparpaket und an einer Reorganisation.
Übergangsphase ist viel zu lang
Die Bilanz des 63-jährigen Jean-Michel Cina als SRG-Präsident ist nicht schlecht. Irritierend ist allerdings, dass der ehemalige Walliser Staatsrat seinen Rücktritt erst auf das Frühjahr 2027 angekündigt hat.
Das ist noch lange hin. Die Debatte über die neue SRG-Konzession läuft bereits. Die SRG bräuchte darum möglichst bald eine neue Führung im Präsidium, die sich in dieses Dossier einbringt. Der Wechsel kommt zu spät.
Wer wird auf Cina folgen? Die Mitte ist traditionell stark vertreten in der SRG. Cinas Vorgänger Viktor Baumeler und Raymond Loretan gehörten der CVP an. Auch Armin Walpen, der den Rundfunk während 14 Jahren als Generaldirektor leitete, war ein Christlichdemokrat.
Im Verwaltungsrat der SRG sitzen zurzeit zwei Mitglieder der Mitte, zwei Freisinnige und ein Vertreter der SVP. Exponenten der SP oder der Grünen gibt es hingegen nicht.
Im Bundesparlament fragen sich linke Politiker: Warum ist das so? Warum verteidigen wir die SRG stets gegen jeden Angriff von rechts, gehen dann aber bei der Vergabe schöner Posten leer aus?
SP-Nationalrat Jon Pult sagt: «Die Linke ist genauso wie die Rechte und die Mitte Teil der Schweiz. Sie sollte im Verwaltungsrat ebenfalls vertreten sein.» Wobei es in erster Linie darauf ankomme, dass der Nachfolger von Herrn Cina kompetent, engagiert für den Service public, politisch breit vernetzt und glaubwürdig sei.
Einseitige Zusammensetzung hilft der SRG
Bundesrat Rösti hat für die Forderungen der Linken kein Gehör. Die Landesregierung bestimmt zwei Vertreter im SRG-Verwaltungsrat. Nach Informationen dieses Mediums will Rösti Ursula Gut, die im vergangenen Dezember aus dem Gremium ausschied, mit einem vormaligen FDP-Nationalrat aus der Westschweiz ersetzen. Die Zahl der Freisinnigen im Gremium wüchse damit auf drei. Die politische Linke wäre nach wie vor nicht vertreten.
Der SRG kommt diese Zusammensetzung zupass. Bürgerliche Politiker werfen ihr oft vor, dass die politische Berichterstattung linkslastig sei. Exponenten des Rundfunks bestreiten das stets – und können darauf verweisen, dass der Verwaltungsrat bürgerlich geprägt sei.
Wer folgt auf Jean-Michel Cina? Da Generaldirektorin Wille eine Deutschschweizerin ist, stehen politisch erfahrene Persönlichkeiten aus der Romandie und dem Tessin im Fokus.
Bei der Mitte-Partei hält man sich mit Ansprüchen zurück, das SRG-Präsidium in den eigenen Reihen zu halten. Mitte-Präsident Philipp Bregy sagt: Die Mitte stehe für einen starken Service Public, dazu gehöre auch die SRG. Gerade Jean-Michel Cina habe gezeigt, was eine starke Persönlichkeit an der Spitze der SRG bewirken könne. «Entscheidend sind die Fähigkeiten, nicht die Parteizugehörigkeit. Dies gilt auch für seine Nachfolge.» (schweizheute.ch)

