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Nach der Wahl ist vor der Wahl: Wie nachhaltig ist die «Grüne Welle»?

Nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima waren die Grünen auch im Hoch — und der Fall danach war tief. Ist es dieses Mal anders? Zwei Politologen sind sich uneinig.

Michel Burtscher / ch media



Der Trend setzt sich fort: Die Grünen und Grünliberalen (GLP) sind im Aufwind, von einer «grünen Welle» ist die Rede. Nach dem grossen Triumph an der Urne in Zürich konnten sich die beiden Parteien am Sonntag auch bei den Wahlen in Baselland und Luzern über Erfolge freuen – wenn auch nicht beide in gleichem Ausmass.

Wahlplakate der Gruenen Partei Schweiz werden angebracht, an der Delegiertenversammlung der Gruenen Schweiz , am Samstag, 12. Januar 2019 in der Hochschule Luzern Design & Kunst im Emmenbruecke. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Grün befindet sich im Aufwind. Aber wie lange? Bild: KEYSTONE

Die grossen bürgerlichen Parteien stagnierten oder verloren, insbesondere die SVP musste starke Verluste einstecken. Die Ökoparteien scheinen den Nerv der Zeit zu treffen, nicht nur den der Jugend auf der Strasse, sondern auch den der Wählerschaft an der Urne.

Das zeigt sich insbesondere bei den Grünen: Keine andere Partei hat seit den nationalen Wahlen im Jahr 2015 mehr Sitze in den Kantonsparlamenten hinzugewonnen als sie – 41 sind es an der Zahl. Auf dem zweiten Platz folgt die FDP mit 30. Die im Vergleich noch junge GLP hat insgesamt 15 Sitze zugelegt.

Die grosse Frage ist, wie nachhaltig diese «grüne Welle» ist und was die Erfolge in den Kantonen für die nationalen Wahlen im Herbst bedeuten.

Das Wahlbarometer von Ende Februar, das die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der SRG erstellt hat, gibt eine mögliche Antwort: Demnach legen die Grünen gegenüber 2015 um 2.4 Prozentpunkte zu auf 9.5 Prozent Wähleranteil. Das ist nahe am bisherigen Rekordwert von 9.6 Prozent aus dem Jahr 2007. Doch auch die Grünliberalen machen vorwärts, mit 1.8 Prozentpunkte auf 6.4 Prozent Wähleranteil.

Der Trend verstärkt sich

Der Trend zum ökologischen Profil habe sich bereits nach dem vergangenen heissen Sommer angedeutet, heisst es im Wahlbarometer. Nun habe er sich aber deutlich verstärkt. Das grüne Label scheine wieder «In» zu sein. Für die Befragten der Studie ist zwar die Beziehung zur EU das wichtigste Thema beim Wahlentscheid, doch der Klimawandel kommt an dritter Stelle nach den Krankenkassenprämien.

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Davon profitieren die Ökoparteien. Doch wie lange? Früher seien sie vor allem dann an der Urne erfolgreich gewesen, wenn ein ökologisches Einzelereignis die Schlagzeilen dominierte, sagt der Politologe Lukas Golder, Co-Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern.

Als Beispiele nennt er etwa den Rekordsommer 2003 oder die Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011. Nachhaltig waren diese Gewinne jedoch nicht. Die Grünliberalen legten bei den Wahlen 2011 zwar stark zu, für die Grünen ging es nach Gewinnen im Frühling bei den Wahlen im Herbst aber schon wieder bergab.

Lukas Golder

Klima als «Strukturthema»: Politologe Lukas Golder. Bild: gfs.bern

Bei den nationalen Wahlen 2015 gehörten dann beide Parteien zu den Verlierern. In den Kantonen konnten die Grünliberalen während dieser vier Jahre zwar zulegen. Die Grünen jedoch verloren zwischen 2011 und 2015 auch in den Kantonen.

Doch jetzt könnte die Entwicklung eine andere sein, wie Golder sagt: Das Klima sei zu einem sogenannten «Strukturthema» geworden, das nicht so schnell verschwinden werde. «In Zukunft wird es mehr heisse Sommer geben und die Gletscherschmelze weitergehen. Das macht es den Wählern gar nicht möglich, das Thema zu vergessen», betont Golder. Er sagt: «Ich halte es für gut möglich, dass sich die Grünen national im Bereich von über zehn Prozent Wähleranteil einpendeln – und dann auch bald einmal Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat anmelden können.»

«Das Klima füllt eine Lücke»

Politgeograph Michael Hermann von der Forschungsstelle Sotomo in Zürich relativiert die «grüne Welle». Er sagt: «Eigentlich handelt es sich vor allem um eine linke Welle, einen Linksrutsch.» Weitere Zugewinne der Ökoparteien seien zwar gut möglich, ein grosser Umbruch im Parteiensystem wie in anderen europäischen Ländern stehe aber nicht bevor, sagt Hermann.

Wie nachhaltig die Erfolge der Grünen und Grünliberalen sein werden, hängt für ihn vor allem von der Themenkonjunktur ab: «Weil die EU im Moment relativ stabil und die Zuwanderung in die Schweiz zurückgegangen ist, entstand eine Lücke, die nun vom Klima gefüllt wurde.»

Portrait of the political scientist Michael Hermann, pictured on April 13, 2011 in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

«Eigentlich handelt es sich vor allem um eine linke Welle»: Politgeograph Michael Hermann. Bild: KEYSTONE

Sobald sich die politische Grosswetterlage bei diesen «Angstthemen» wieder ändere, werde das auch Auswirkungen auf die Wählergunst von Grünen und Grünliberalen haben. Denn der Klimawandel sei zu abstrakt und zu wenig fassbar, um damit auf den Bauch der Wähler zu spielen, sagt Hermann.

Nicht ausgeschlossen sei zudem, dass es zu einer Gegenreaktion komme. Hermann verweist auf SVP-Nationalrat Roger Köppel, der in den letzten Wochen auf Twitter immer wieder gegen die «grüne Welle» und den Klimawandel angeschrieben hat.

Auch Oskar Freysinger, SVP-Wahlkampfleiter in der Romandie, hat sich schon in diese Richtung geäussert: «Die Klima-Angst ist eine Erfindung der Medien», sagte er gegenüber «24 heures». Wie schon bei Fukushima werde ein Thema aufgebauscht mithilfe eines Symbols – diesmal mit Greta Thunberg. (bzbasel.ch)

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • Taiben 03.04.2019 11:37
    Highlight Highlight Wer glaubt, mir dem Aufschwung der GLP bröckeln die bürgerlichen Interessensvertretungen, dem empfehle ich folgende Lektüre: https://www.woz.ch/-986b
  • Toni.Stark 02.04.2019 10:01
    Highlight Highlight Wenn der Benzinpreis verteuert, der Fleischverzehr bestraft und das Fliegen verboten wird, dann, ja dann mutiert die grüne Welle zur Dampfwolke...
  • whatthepuck 02.04.2019 09:51
    Highlight Highlight Freysinger schmelzen die Gletscher vor der Nase weg, aber er bleibt blind. Spätestens wenn die Walliser Talböden gelb statt grün sind, weil die Rhone kein Schmelzwasser zur Bewässerung mehr führt, merkt auch er, dass es zu spät ist.

    Europa können wir uns ohnehin nicht verweigern, ganz egal wie wir wählen. Aber wir brauchen gute Unterhändler, die uns gute Verträge sichern. Denn verhandelt wird sowieso werden, und das Resultat hängt kaum von politischen Mehrheiten in unserer Regierung ab. Deshalb: Öko wählen. Dann ist wenigstens dafür gesorgt.
  • inmi 02.04.2019 09:16
    Highlight Highlight Es ist vor allem Panikmache. Panikmache kann nicht aufrechterhalten werden.

    Wir brauchen Lösungen, dafür sind die Grünen nicht zu gebrauchen.
  • Domino 02.04.2019 09:11
    Highlight Highlight Theoretisch bräuchte es einen grünen Trump. Extreme importzölle auf Länder die nicht grün produzieren, den Abfall im Meer entsorgen und eine positive Geburtenrate haben.

  • 01vinc09 02.04.2019 08:31
    Highlight Highlight Der Klimawandel geht weiter und wird uns immer mehr betreffen. Hoffen wir mal dass die Bevölkerung nicht vergisst, was der gesunde Menschenvertand seit Jahrzehnten weiss. Die einzige akzeptable Strafe für diese wiederholte Realitätsverweigerung einiger rechter Politiker, ist der politische Totalabsturz!
  • rodolofo 02.04.2019 07:59
    Highlight Highlight Die Frage könnte auch lauten: "Wie nachhaltig ist Nachhaltigkeit?"
    HOFFENTLICH ist Nachhaltigkeit nachhaltig!
    Aber heutzutage ist nichts wirklich sicher, und Du kannst Dich auf gar nichts mehr verlassen!
    Erst schmilzt der Permafrost unter Deinen Füssen und Du versinkst im Morast.
    Und dann steigt auch noch der Meeres-Spiegel, und Dein Badetüchlein wird nass!
  • Merida 02.04.2019 07:12
    Highlight Highlight Und derweil in Fukushima strahlt die Erde und das Meer leuchtet...
    ... und alle Probleme sind wie weggeblasen...
    🤦‍♀️
    Nur weil es niemanden interessiert heisst das nicht, dass alles wieder in Ordnung ist.
    • Aurum 02.04.2019 08:16
      Highlight Highlight warum sollte es niemanden interessieren? und wer sagt, dass die probleme verschwunden sind?
  • Räuber Ratte 02.04.2019 06:56
    Highlight Highlight "Denn der Klimawandel sei zu abstrakt und zu wenig fassbar,..."
    Da muss man die Augen ziemlich zudrücken, um die negativen Folgen unserer momentanen Lebensweise nicht zu sehen.
  • KeineSchlafmützeBeimFahren 02.04.2019 06:50
    Highlight Highlight Boah, 75 % der Leser hier sind sozialdemokratisch, grün und/oder grünliberal gesinnt.
    Geil! 😎
    • Chääschueche 02.04.2019 07:11
      Highlight Highlight Korrektur: 75% von denen die bei der Umfrage mitmachen. ;)

      Kleiner aber feiner Unterschied.
    • MadScientist42 02.04.2019 07:18
      Highlight Highlight Hat mich auch erstaunt.
      Allerdings finde ichs ein eher bedenklicher Trend, dass sich die Online Nachrichtenportale zu Filterblasen entwickeln und so der Austausch zwischen den politischen Gesinnungen verloren geht. So gehen alle Linken zu watson und alle Rechten zu 20min.
      Wenn ich in die Kommentarspalte schaue, dann will ich das Stimmungsbild unter der Bevölkerung sehen und nicht einfach in meiner Meinung bestätigt werden.
    • Räuber&Liebhaber 02.04.2019 07:36
      Highlight Highlight boahh ja geil. gefangen in unserer Blase.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schneider Alex 02.04.2019 06:46
    Highlight Highlight Es wäre bedenklich, wenn ein paar politische Lappalien oder ein heisser Sommer dafür verantwortlich wären, dass sich die Schweiz mit einem europhilen Parlament der EU ausliefert. Das wäre kein gutes Zeichen für unsere direkte Demokratie.
  • wolge 02.04.2019 06:10
    Highlight Highlight Arbeitslosigkeit auf einem Tiefstand. Volle Auftragsbücher. Es geht uns gut... Warten wir ab was passiert wenn es eine Krise gibt...
    • RETO1 02.04.2019 10:43
      Highlight Highlight Die Krise ist schon eingeleitet: Linksgrün legt zu

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