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Gesellschaft & Politik

5G-Arena: Warum eine Teilnehmerin (fast) alle überstrahlt

Zoff um 5G in der «Arena»: Prelicz-Huber (Grüne, rechts) legte sich mit Jörg Mäder (GLP, links) an.
Zoff um 5G in der «Arena»: Prelicz-Huber (Grüne, rechts) legte sich mit Jörg Mäder (GLP, links) an. printscreen srf

Zank in der 5G-«Arena»: Warum eine Teilnehmerin (fast) alle überstrahlt

Ist 5G genial oder gefährlich? Muss die Schweiz beim neuen Mobilfunkstandard mitziehen, um nicht abgehängt zu werden? Oder verursacht 5G gar Krebs? Die Strahlung sorgt wahrhaftig für heisse Köpfe in der SRF-«Arena».
08.02.2020, 00:5210.02.2020, 10:42

Glaubt man Roger Federer, ist 5G in der Schweiz längst weit verbreitete Realität. In Werbespots pries das Sunrise-Aushängeschild schon 2019 die Vorzüge des neuen Mobilfunkstandards an.

«First on 5G»: Der Federer-Spot sorgte für Diskussionen in der «Arena».
«First on 5G»: Der Federer-Spot sorgte für Diskussionen in der «Arena». bild: youtube

Der Clip sorgte in der «Arena» für Diskussionen: Denn noch steckt 5G in der Schweiz in den Kinderschuhen. Wie schnell der Ausbau nun voranschreiten und welche Grenzwerte dabei gelten sollen, darum drehte sich der Kern der 5G-«Arena» mit Moderator Sandro Brotz.

Grüne-Prelicz: «Wollen wir Vollausbau oder nicht?»

Video: srf

Aufgeladene Wortgefechte lieferten sich inbesondere die Grüne Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber und der Grünliberale Jörg Mäder.

«Krankenwagen kann man nicht an Glasfasernetze anschliessen.»
Jörg Mäder, GLP

Prelicz-Huber fuchtelte teils mit den Armen und argumentierte immer wieder, dass es 5G an vielen Orten gar nicht brauche. Mit ihrer Verve überstrahlte sie fast alle. «Es geht darum, ob wir den totalen Vollausbau wollen. Oder ob man zuerst genauer hinschauen will, ob die Technologie wirklich so sicher ist oder nicht.» Glasfasernetze könnten viele Aufgaben übernehmen , für die 5G entwickelt werde. Etwa in Fabriken. «Rettungswagen kann man nun wirklich nicht an Glasfasernetze anschliessen. Es braucht mehr 5G-Antennen, damit die Strahlenbelastung insgesamt sinkt», sagte Grütter zu Prelicz.

Da grätschte sofort Monika Rühl rein. Die Direktorin des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse zeigte einen äusserst engagierten Auftritt und punktete mit viel Sachkenntnis. Punkto 5G laufe der Schweiz die Zeit davon. Die Schweiz stehe bei der Digitalisierung in hartem Wettbewerb mit den USA oder Südkorea. «Ein effizientes und schnelles Handynetz bringt der ganzen Bevölkerung und nicht nur der Wirtschaft etwas.» Auch Randregionen könnten von 5G und damit von schnellem Internet profitieren.

Rühl: «Uns läuft bei 5G die Zeit davon.»

Video: srf

5G ist nicht nur um ein x-faches schneller als 4G und kann ein viel grösseres Datenvolumen übertragen, sondern verbreitet Daten in Echtzeit. Dies ist beispielsweise Voraussetzung, damit selbstfahrende Autos künftig autonom miteinander kommunizieren und sich im Verkehr abstimmen können. Dazu braucht es aber tausende neue Antennen. Zudem fordert die Telekom-Branche, dass die Strahlenschutz-Grenzwerte gelockert werden. Dagegen stellte sich aber das Parlament.

CVP-Häberli: «Ängste der Bevölkerung ernst nehmen».

Video: srf

«Wir können den Fortschritt sicher nicht aufhalten. Aber was bringt die rasante Entwicklung von 5G, wenn die Bevölkerung nicht mitmacht und bremst», sagte Brigitte Häberli-Koller, CVP-Ständerätin. Der Bund müsse weiterhin genau hinschauen, die Forschung intensivieren und die Bevölkerung gut informieren. «Man muss die bestehenden Ängste ernst nehmen. Und muss belegen können, dass 5G kein gesundheitliches Risiko darstellt.» Denn es gebe durchaus Studien, die sagten, dass 5G krebserregend sei.

«Es gibt keinen definitven Beleg, dass 5G nicht gesundheitsschädlich ist.»
Brigitte Häberli-Koller, CVP

Schadet 5G der Gesundheit oder nicht? Inzwischen soll es gegen 4000 Studien dazu geben. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat mit Expertengruppen umfangreiche Abklärungen durchgeführt. Ein abschliessendes Fazit gibt es nicht. «Es braucht aber mehr Forschung. Klar ist auch, dass die aktuellen Grenzwerte auch bei 5G gelten», so Paul Steffen, Vizedirektor des BAFU.

«Die Telekomanbieter spielen mit der Gesundheit der Menschen.»
Ruth Schneider, Studiogast

Severin Dietschi, Präsident des Vereins Schutz vor Strahlung, erhob den Mahnfinger: «Als Firma wäre ich vorsichtig, in 5G zu investieren. In Zukunft könnte es Klagen hageln wie damals beim Asbest», und betonte, wie wichtig es sei, strahlenfreie Zonen – wie etwa im Schlafzimmer – zu behalten. Laut BAG sind in der Schweiz rund fünf Prozent der Bevölkerung elektrosensibel, reagieren also besonders auf Strahlung. «Die Telekomanbieter spielen mit der Gesundheit der Menschen. Viele Leute leiden wegen der Strahlung unter Schlafstörungen», sagte Studiogast Ruth Schneider aus Langnau i.E.

GLP-Mäder: «Man kann Alkohol geniessen oder saufen. Das gilt auch fürs Handy.»

Video: srf

Weder von Sunrise, Swisscom noch von Salt wagten sich übrigens die CEOs in die Arena. Stattdessen schickten sie Peter Grütter, Präsident des Telekomverbands Asut, vor. «5G ist keine Zwängerei. Mit 4G sind wir heute an der Kapazitätsgrenze. Etwa in fahrenden Zügen können wir die Datenströme kaum mehr bewältigen.» Nun brauche es einen raschen Ausbau, da sich die Datenmenge jedes Jahr verdopple. «Wir müssen die Grenzwerte erhöhen, sonst braucht es 27'000 neue Antennen, damit 5G voll nutzbar ist. Dieser Ausbau dauert viel zu lange.» Bei Prelicz-Huber stösst der Telekom-Vertreter auf taube Ohren. «Ich verweigere mich sicher nicht dem Fortschritt. Aber die Grenzwerte müssen bleiben.»

«5G ist keine Zwängerei. Mit 4G haben wir die Kapazitätsgrenze erreicht. Etwa in den Zügen.»
Peter Grütter, Telekomverband

Höhere Grenzwerte oder einfach mehr Antennen? Jörg Mäder (GLP) ist der Ansicht, dass ein möglichst dichtes Netz bei minimaler Strahlenbelastung der richtige Weg sei. «Die Schweiz ist ein Hightech-Standort und muss jetzt bei 5G vorwärts machen. Man kann nicht alle Gefahren voraussehen.»

Dann stellte SRF-Brotz, der sich selbst als Online-Junkie outet, noch eine ganz andere Frage. «Tut uns der Online-Exzess überhaupt gut?» Mäder liefert eine erheiternde Antwort. «Man kann Alkohol geniessen oder saufen. Dasselbe gilt beim Internet.» Ein onlinefreier Sonntag sei ein Lösungsansatz für alle, die kaum ohne Smartphone mehr leben könnten.

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Die Affäre Nina: Spionage im Genf der 1930er-Jahre
Eine Tänzerin, ein Genfer Kabarett und geheime Pläne für eine Waffe: Unter dem Namen «Nina» bewegte sich die Italienerin Virginie Rota zwischen Bühne, Diplomatie und Nachrichtendienst. Ihre Geschichte spielte im Genf des Völkerbunds, einer Stadt, in der internationale Politik und Spionage eng beieinanderlagen.
Virginie Rota wurde am 28. April 1907 in Lugano oder möglicherweise in Bergamo als Tochter von Albert Rota und Marie Arrigoni geboren. Schön, intelligent und abenteuerlustig trat Virginie in den 1930er-Jahren in den Dienst des faschistischen Italiens. Sie soll für die erste Abteilung des militärischen Nachrichtendienstes Servizio informazioni militari (SIM) tätig gewesen sein. Zwischen 1934 und 1935 wurde sie von ihren Vorgesetzten auf eine Mission nach Genf entsandt, wo sie in der Pension Clermont in Champel eine Unterkunft fand. Da sie von Beruf Tänzerin war, fiel es der jungen Frau nicht schwer, in einem Kabarett vor Ort engagiert zu werden, wo sie sich «Nina» nannte.
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