Schweiz
Gesellschaft & Politik

Beschuldigter von Tuggen soll seit Jahren in Neonazi-Szene aktiv sein

Beschuldigter von Tuggen soll seit Jahren in Neonazi-Szene aktiv sein

Nach der tödlichen Auseinandersetzung in Tuggen SZ sitzt ein 42-jähriger Schweizer in Untersuchungshaft. Recherchen des «Blick» zufolge soll der Beschuldigte seit vielen Jahren zur rechtsextremen Szene gehören und Mitglied des Neonazi-Netzwerks «Blood and Honour» sein.
08.11.2026, 04:3908.11.2026, 04:39

Bei einer Auseinandersetzung nach einem Konzert in Tuggen war ein 27-jähriger Deutscher tödlich verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft Schwyz ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Laut «Blick» soll der 42-Jährige seit mindestens 2008 in der rechtsextremen Szene verkehren und später Anschluss an die Innerschweizer Sektion von «Blood and Honour» gefunden haben.

Fotos mit Nazi-Symbolen und Auftritt bei Demonstration

Aufnahmen, die bereits 2018 von der Antifa Bern veröffentlicht wurden, sollen den Mann laut «Blick» unter anderem gemeinsam mit anderen Rechtsextremen in einem Keller zeigen. Im Hintergrund seien Nazi-Flaggen und ein «Blood and Honour»-Schriftzug zu sehen. Andere Bilder sollen ihn am Rand eines Fackelmarsches in Morgarten ZG zeigen.

Auch bei einer Anti-Rassismus-Demonstration in Schwyz im Jahr 2019 soll der Beschuldigte Teil einer Gruppe von Rechtsextremen gewesen sein. Damals kam es nach Provokationen und Hitlergrüssen zu Auseinandersetzungen zwischen den Lagern. Mindestens eine Person wurde verletzt.

Online soll der Mann politisch vergleichsweise wenig in Erscheinung getreten sein. Der «Blick» berichtet jedoch von einem Beitrag aus dem Jahr 2020, in dem er eine Illustration eines deutschen Soldaten aus der NS-Zeit vor einem Weihnachtsbaum geteilt haben soll.

«Blood and Honour» seit Jahren im Fokus der Behörden

Auch beim Konzertabend in Tuggen sollen Angehörige der rechtsextremen Szene anwesend gewesen sein. Laut «Blick» soll eine Gruppe mit Hitlergrüssen und Rempeleien provoziert haben. Kurz vor der tödlichen Auseinandersetzung sei zudem ein Lied der deutschen Rechtsrockband Landser gespielt worden.

«Blood and Honour» ist ein internationales Neonazi-Netzwerk, das auch in der Schweiz seit Jahrzehnten aktiv ist. Der Schweizer Ableger steht seit längerem im Fokus des Nachrichtendienstes des Bundes. Besonders bekannt wurde das Netzwerk hierzulande durch Rechtsrock-Konzerte. 2016 nahmen an einem solchen Anlass in Unterwasser SG mehrere Tausend Rechtsextreme teil.

In Deutschland ist «Blood and Honour» seit dem Jahr 2000 verboten. In der Schweiz tritt das Netzwerk deutlich weniger öffentlich auf. Laut «Blick» gehören viele der langjährigen Mitglieder inzwischen zur Generation um die 40 und bewegen sich vor allem noch innerhalb der eigenen Szene.

Welche Rolle die rechtsextreme Gesinnung des Beschuldigten beim tödlichen Vorfall in Tuggen gespielt haben könnte, ist weiterhin offen. Die Staatsanwaltschaft muss klären, wie es zur Auseinandersetzung kam und wer für die tödlichen Verletzungen des 27-Jährigen verantwortlich ist. (mke)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Midterms 2026
1 / 35
Die Midterms 2026

Hakeem Jeffries, demokratischer Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, ist sichtlich euphorisch.

quelle: keystone / jim lo scalzo
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Abstimmungsvideo: AHV-Initiative
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Die Herkunft der Ceska-Pistole 
Beim NSU-Prozess sollen Zeugen aus der Schweiz befragt werden
Zur Mordwaffe der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) will das Oberlandesgericht München zwei wichtige Zeugen in der Schweiz vernehmen. Sie sollen per Video Auskunft über die Tatwaffe geben.
Zur Mordwaffe der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) will das Oberlandesgericht München zwei wichtige Zeugen in der Schweiz vernehmen. Dabei geht es um eine Ceska-Pistole, mit der zwischen 2000 und 2006 neun Einwanderer erschossen worden sein sollen. Einer der beiden Männer soll die Pistole 1996 in der Schweiz gekauft und sie dem anderen übergeben haben. Ende 1999 oder Anfang 2000 sei die Waffe schliesslich über Mittelsmänner zu den NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gelangt, berichtet das Nachrichtenmagazin «Fokus». 
Zur Story