Feuerverbote und Hitze-Gewitter: So kämpfen die Lager mit den Wetterextremen
Am Abend sitzen alle ums Lagerfeuer, es wird gesungen und vielleicht noch ein Cervelat gebrätelt. So stellen sich viele den typischen Abend in einem Sommerlager vor. In diesem Jahr muss der Cervelat roh gegessen werden und statt loderndem Feuer leuchten Taschenlampen – praktisch in der ganzen Schweiz gilt ein Feuerverbot.
Das tut nicht nur der Lagerstimmung etwas Abbruch, sondern hat auch Auswirkungen auf die Lagerküche. Wo sonst oft über offenem Feuer gekocht wird, kommen nun Gaskocher zum Einsatz. Auch die Nutzung «einer Küche in einem nahegelegenen Veranstaltungslokal» sei eine Option, sagt Sascha Antenen, Kommunikationsverantwortlicher Jubla Schweiz. Oder «auch mal ein kaltes Menü mehr.»
Das Essen ist allerdings noch eines der kleinsten Probleme, mit denen die grossen Jugendvereine in einem solchen Hitzesommer zu kämpfen haben. Auf den Lagerplätzen gibt es teilweise nur wenig Schatten und in den Zelten wird es noch wärmer. «Die Leitenden müssen besonders gut darauf achten, dass die Kinder genug trinken und Zeit im Schatten verbringen, um Dehydrierung und Sonnenstiche zu vermeiden», sagt Annina Reusser, Leiterin Kommunikation bei Pfadi Schweiz.
«Uns hat in der Nacht ein Unwetter erreicht»
Die Versorgung mit genügend Wasser an abgelegenen Lagerplätzen sei in solchen Hitzeperioden eine Herausforderung, sagen Reusser und Antenen. Auch müsse das Programm der Tageszeit angepasst werden: «Anspruchsvolle Aktivitäten finden am Morgen oder Abend statt, über Mittag steht Abkühlung im Vordergrund», so Antenen.
Bei beiden Dachorganisationen betont man, dass die Leiterinnen und Leiter sensibilisiert seien für die Gefahren durch die Hitze. Auch in den Kursen von Jugend + Sport würden die Leitenden lernen, «Risiken einzuschätzen und rechtzeitig zu handeln», wie es bei Jubla Schweiz heisst.
Das zeigte sich etwa in einem Blauringlager, das derzeit in der Ostschweiz stattfindet: «Uns hat letzte Nacht ein Unwetter erreicht. Alle Kinder und Leitungspersonen konnten in die Notfallunterkunft und anschliessend in die Turnhalle evakuiert werden. Alle sind soweit gesund», schreiben sie in einer Mitteilung an die Eltern. «Wir wissen von mindestens einem Lager, das diese Woche wegen der Gewitterlage für eine Nacht in die Turnhalle ausgewichen ist», sagt Antenen.
Nach langen und intensiven Hitzeperioden fallen oft auch die Gewitter heftiger aus. Annina Reusser von Pfadi Schweiz betont denn auch, dass sich die Verhaltensregeln nicht grundsätzlich geändert hätten in der letzten Zeit: «Da die Unwetter aber viel heftiger ausfallen können, ist umso wichtiger, dass die Lagerleitenden das aktuelle Wetter stets im Blick haben.» Jedes Lager verfüge über ein Sicherheitskonzept, in dem auch eine Notunterkunft definiert sei.
Trockene Böden können den Regen nicht aufnehmen
Sowohl Pfadi als auch Jungwacht Blauring beobachten man eine Zunahme der Wetterextreme. Gerade die Feuerverbote seien in den vergangenen Jahren wiederholt Thema gewesen, sagt Sascha Antenen. Das bringe auch noch andere Probleme mit sich, ergänzt Reusser: «Ein extrem trockener Boden kann Wasser nicht gut aufnehmen. Bei einem heftigen Gewitter steht dann plötzlich Wasser im Zelt, das nicht abfliessen konnte.»
Aber Pfadis wären nicht Pfadis und Jublas nicht Jublas, wenn sie deswegen den Kopf in den Sand stecken würden: «Unsere Strukturen sind darauf ausgelegt, dass die Lager auch unter erschwerten Wetterbedingungen stattfinden können», sagt Antenen, «so erleben Kinder und Jugendliche auch in diesem Sommer unvergessliche Lagermomente.»
Auch ohne Lagerfeuer. Das sei zwar schade, habe aber auch seine positiven Seiten, so der Kommunikationsverantwortliche von Jubla Schweiz: «Ehrlich gesagt glaube ich, dass es für Kinder angenehmere Alternativen gibt, als bei diesen Temperaturen um ein Feuer zu sitzen.» (schweizheute.ch)

