Schweiz
Gesellschaft & Politik

Kantonsfinanzen 2026: Kantone präsentieren mehrheitlich Überschüsse

Kantone präsentieren mehrheitlich Überschüsse – dennoch Sparkurs

Die meisten Schweizer Kantone haben für 2025 positive Jahresabschlüsse vorgelegt. Die Ergebnisse liegen häufig über den Erwartungen. Die Regierungen halten dennoch an einer vorsichtigen Finanzpolitik fest. Ziel bleibt, künftige Herausforderungen abzufedern.
03.04.2026, 09:2003.04.2026, 09:22

Von den 26 Kantonen weisen 20 einen Überschuss aus, vier schreiben rote Zahlen. Zwei Kantone – Tessin und Schaffhausen – haben ihre Jahresrechnungen 2025 noch nicht veröffentlicht. Den höchsten Überschuss verzeichnete der Kanton Bern mit 873 Millionen Franken, 631 Millionen Franken mehr als erwartet.

Die positiven Ergebnisse der Kantone zeugen laut Ernst Stocker, Präsident der Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und -direktoren, von «einer insgesamt soliden Finanzführung und einer günstigen Budgetlage».

«Nach zwei Jahren ohne Ausschüttung konnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) 2025 wieder eine Gewinnausschüttung vornehmen. In den allermeisten Kantonen war jedoch keine Ausschüttung in den Budgets berücksichtigt worden, was automatisch zu einer Verbesserung zahlreicher Rechnungsabschlüsse führte», sagte Stocker der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Zudem fielen die Steuererträge, die eng mit der Konjunkturlage verbunden sind, oft höher aus als erwartet. Die gute Konjunkturlage sorgte somit für zusätzliche Einnahmen und trug massgeblich zur Verbesserung der Finanzergebnisse bei», so Stocker.

Graubünden und Waadt im Minus

Das grösste Defizit weist Graubünden mit minus 218,5 Millionen Franken aus. Die Regierung begründet dies mit dem Aufbau eines Klimafonds, mit Steuersenkungen sowie damit, dass die Einnahmen derzeit nicht mit dem Ausgabenwachstum Schritt halten.

In der Westschweiz ist die Waadt mit einem Minus von 156 Millionen Franken der einzige Kanton in den roten Zahlen, schnitt jedoch besser ab als budgetiert. Regierungspräsidentin Christelle Luisier verwies auf «zufällige Einnahmen», insbesondere die Gewinnausschüttung der SNB sowie die gute Entwicklung der Unternehmen im Kanton.

Ausgaben wachsen schneller als Einnahmen

Wie in Graubünden steigen jedoch auch in Waadt die Ausgaben schneller als die Einnahmen. «Die Rechnungen 2025 zeigen trotz positiver Entwicklung eine deutliche Zunahme der Ausgaben», warnte Stocker. Vor allem Sozialversicherungen, Gesundheit und Bildung setzten die Kantonsfinanzen zunehmend unter Druck.

Ähnliche Entwicklungen verzeichnete auch Zürich, wo insbesondere im Gesundheitsbereich Mehrkosten anfielen.

Mehrere Kantone präsentierten zudem bessere Ergebnisse als erwartet, etwa St. Gallen mit einem Überschuss von 10,2 Millionen Franken trotz budgetiertem Defizit. Hauptgründe sind schwer vorhersehbare Mehreinnahmen, insbesondere die nach zweijähriger Pause wieder aufgenommenen Ausschüttungen der Nationalbank. Zusätzlich wurden rund zwei Milliarden Franken aus dem Gegenwert alter, nicht umgetauschter Banknoten an Bund und Kantone verteilt.

Ausblick unsicher

Trotz steigender Steuereinnahmen und stabiler Ausgaben mahnen viele Finanzdirektorinnen und -direktoren zur Vorsicht. In Genf bezeichnete Finanzministerin Nathalie Fontanet den Überschuss von 50 Millionen Franken als «Glückseffekt und nicht als dauerhafte Entwicklung». Ähnlich äusserten sich Neuenburg (+57,6 Millionen Franken) und Jura (+0,4 Millionen Franken), die auf wirtschaftliche Unsicherheiten und mögliche Auswirkungen internationaler Handelskonflikte hinweisen.

Etwas optimistischer zeigte sich das Wallis (+3,9 Millionen Franken), das von einer «robusten» Finanzlage sprach. Freiburg meldete ebenfalls solide Ergebnisse und erhöhte die Rückstellungen für die Sanierung des Freiburger Spitals um 95 Millionen Franken.

Dennoch bleibt der Ausblick unsicher. «In einem von grossen Unsicherheiten geprägten Umfeld können sich Veränderungen sehr kurzfristig ergeben und erhebliche Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen haben», warnte Stocker. Zudem stehen die Kantone weiterhin vor strukturellen Herausforderungen und steigenden Ausgaben. (sda/lak)

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