Schweiz
Gesellschaft & Politik

Mehr linksextreme Gewalt in Bern – Experte sieht Polizei in der Pflicht

Reitschule in Bern: Hierhin rückt die Polizei immer wieder aus.
Reitschule in Bern: Hierhin rückt die Polizei immer wieder aus.Bild: KEYSTONE

Mehr linksextreme Gewalt in Bern – Experte sieht Polizei in der Pflicht

Immer wieder ist die Reitschule im Fokus, wenn es um Auseinandersetzungen geht. Ein Experte fordert unabhängig von der Reitschule, dass die Polizei mehr auf Deeskalation setzt. 
24.06.2016, 04:5824.06.2016, 08:46

Mehr zum Thema

Bern

Der Streit auf dem Reitschule-Areal, der in der Nacht auf Sonntag zwei Verletzte durch Stichwaffen forderte, hat weitere Folgen. Nun wehrt sich die Reitschule gegen die Darstellung der Kantonspolizei, wonach die Auseinandersetzung im Dachstock begonnen hat. Sie betont, diese habe auf dem Vorplatz angefangen und bittet um eine Richtigstellung.

Die Polizei denkt laut der «Berner Zeitung» nicht daran, ihre Version zu ändern. Die Informationen basierten auf ersten Aussagen, die den Polizisten gegenüber gemacht worden seien, heisst es. Zudem schiesst sie scharf gegen die Reitschule: «Wir halten ausdrücklich fest, dass wir einmal mehr feststellen mussten, dass die Arbeit bei der Reitschule äusserst schwierig war.» Die Sicherheitsleute hätten die Polizisten aufgefordert, sich von der Reitschule zu entfernen. Und «sie haben sich über die Arbeit der Polizei lustig gemacht und sich geweigert, ihre Namen zu nennen.

Vermummte zündeten im März ihre eigene Strassenbarrikade an und warfen Steine vom Dach der Reitschule auf die Polizei. Bild: Keystone
Vermummte zündeten im März ihre eigene Strassenbarrikade an und warfen Steine vom Dach der Reitschule auf die Polizei. Bild: KeystoneBild: linksunten.indymedia.org

Radikalisierung der Linken

Einmal mehr steht die Reitschule im Fokus von Auseinandersetzungen. «Es gibt kein Wochenende, an dem die Polizei in Bern nicht in erhöhter Bereitschaft ist», erklärte Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, denn auch laut dem «Bund» an einer Veranstaltung des Städteverbandes in Bern. Die Ereignisse, bei denen eine friedliche Situation in Gewalt umschlagen könne, seien vielfältig geworden: politische Demonstrationen, Sportanlässe, Konzerte oder spontane Partys im Freien. Man stelle fest, dass sich die Szenen radikalisieren.

«Eskalation dient nur den Extremisten»
Experte für Linksextremismus Adrian Oertli

Einer, der das genauso sieht, ist der Experte für Linksextremismus Adrian Oertli. Im Interview mit dem «Bund» sagt er: «Die Juso werden immer systemkritischer und verbreiten radikale Kritik auf parlamentarischem Weg. Dadurch fällt extremistischen Gruppen die Abgrenzung immer schwerer. Für sie bleibt oft nur noch die Gewalt auf der Strasse als identitätsstiftender Faktor». Oertli geht von etwa 30 bis 40 Militanten in Bern aus. Auch wenn der jüngste Vorfall in der Reitschule nicht auf linksextreme Gewalt hindeutet, ist diese oft Ausgangspunkt für Auseinandersetzungen. Ein Beispiel: Die Ausschreitungen vor der Reitschule vom März, als Vermummte Barrikaden anzündeten, Steine vom Dach warfen und dabei elf Polizisten verletzten.

Polizei in der Pflicht

Oertli sieht in solchen Situationen die Polizei in der Pflicht. Gerade bei spontanen Kundgebungen setze diese oft gerade nicht auf Deeskalation und lasse sich provozieren. Besser wären hier gewaltfreie Blockaden oder auch Einkesselungen. Mit Videoaufzeichnungen und Zivilpolizisten könne zudem gezielt denjenigen angegangen werden, die Straftaten begehen. Gummischrot und Tränengas seien keine Lösung. «Eskalation dient nur den Extremisten.» (rwy)

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mehrere Fahrzeuge in Baar ZG ausgebrannt – ein Feuerwehrmann verletzt
Am späten Montagabend sind in Baar mehrere Fahrzeuge ausgebrannt. Ein Angehöriger der Feuerwehr Baar wurde bei den Löscharbeiten verletzt. Die Ermittlungen zur Brandursache sind im Gang.
Zur Story