Schweiz
Gesellschaft & Politik

Bundesratswahlen: 11 Punkte fielen an der Nacht der langen Messer auf

Daniel Jositsch, Staenderat SP-ZH, gibt ein Interview, am Vortag der Bundesratswahlen, am Dienstag, 12. Dezember 2023 in der Lobby des Hotels Bellevue in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
«Full House» im Hotel Bellevue. Hat auch Vorteile, wenn die Überraschungen ausbleiben, der lockeren Stimmung nach zu urteilen.Bild: keystone

«Die Streetparade der Politiker»: 11 Dinge, die an der Nacht der langen Messer auffielen

Gewetzt werden sie kaum, die Messer in dieser Nacht. Dennoch: Das Who's who der Schweizer Politszene taucht sehr wohl auf im Hotel Bellevue. Einige Eindrücke.
12.12.2023, 23:1013.12.2023, 15:32

Es ist voller als in anderen Jahren

Vielleicht, weil alle relativ entspannt den Apéro und das Geselligsein geniessen können?

Die Schlange an der Bar ist lang

Sehr lang. Nicht wenige Gläser sind deshalb eher halbleer als halbvoll. Der Stimmung tut das keinen Abbruch.

Blunschis Geheimtipp

Es hat eine zweite Bar, nur wisse das hier fast niemand, sagt Kollege Peter Blunschi grinsend. Sein Glas ist tatsächlich voll.

Das Dilemma der SP

Mehrere Personen aus der SP sagen offen, für sie sei FDP-Bundesrat Ignazio Cassis unwählbar.

Doch sie könnten auch nicht einfach den Grünen-Bundesratskandidaten Gerhard Andrey auf den Wahlzettel schreiben, damit würden sie der FDP einen «zu harten Denkzettel» verpassen und für nachhaltig schlechte Stimmung sorgen. Weil Andrey kaum gewählt werde, sei es dieses Manöver nicht wert.

Was also tun?

«Eine Nacht darüber schlafen», sagt eine Person aus der SP, «und dann wohl einen dritten Namen auf den Zettel schreiben».

Und wie geht's Andrey?

Der Grüne-Bundesratskandidat ist ebenfalls im Bellevue. Gerhard Andrey ist gut gelaunt und plaudert. Offiziell mag er aber keine Aussagen mehr machen. Auch nicht darüber, wie er seine Chance, gewählt zu werden, einschätze.

Nur so viel: «Ich werde gut schlafen.»

Nachtrag zu diesem Punkt: Der Basler SP-Regierungspräsident Beat Jans und SP-Nationalrat Jon Pult sind nicht anwesend. Dafür aber SP-Ständerat Daniel Jositsch. Auch er mag keine offiziellen Statements geben.

Achtung, Hochwasser

Eine Parlamentariergruppe rund um die Basler Nationalrätin Katja Christ (GLP) werweisst derweil über den Dauerregen. Christen wohnt während der Sessionen stets in der Jugendherberge direkt an der Aare. Ganz genau beobachte sie den Wasserstand, seit Tagen schon.

Und: Dieser steige. Kontinuierlich.

GLP-Nationalrätin Katja Christ posiert vor dem Weihnachtsbaum. Sie hat Sorge vor nassen Füssen in dieser Nacht.
GLP-Nationalrätin Katja Christ posiert vor dem Weihnachtsbaum. Sie hat Sorge vor nassen Füssen in dieser Nacht.bild: aka/watson

Frau Christ, Sie machen sich nicht ernsthaft Sorgen, dass die Aare über die Ufer tritt?

Pause.

«Doch, ehrlich gesagt schon», sagt sie. Zum Glück habe sie diese Woche vom Parterre rauf in den dritten Stock zügeln können.

Es scheint, Kollege Blunschis Geheimtipp hat sich herumgesprochen

Die Gläser sind nun aufs Mal alle ziemlich gut gefüllt.

Der Lärmpegel steigt

Die Temperatur ebenfalls.

«Ein steiler Einstieg»

Neo-Nationalrätin Anna Rosenwasser (SP/ZH) findet alles «etwas überwältigend». Erste Session – und dann gleich eine Gesamterneuerungswahl, das sei schon ein steiler Einstieg.

anna rosenwasser nacht der langen messer
Es ist ziemlich voll hinter Anna Rosenwasser im Hotel Bellevue.bild: aka/watson

Ob Beat Jans oder Jon Pult oder sonst jemand gewählt werde? Dazu will sich Rosenwasser nicht äussern. Noch habe sie den Welpen-Bonus, und könne es sich leisten, nicht alles zu wissen.

Glättli und Andrey

Im Nebenraum, ganz aussen am Rand, diskutieren Grünen-Chef Balthasar Glättli und Andrey. Glättli gestikuliert dabei ziemlich. Was sie wohl zu besprechen haben, zu so fortgeschrittener Stunde? (Doch noch ein Geheimplan?)

«Die Streetparade der Politiker»

Mitte-Fraktionschef Philipp Bregy amüsiert sich bestens: «Das hier, das ist wie die Streetparade der Politiker», sagt er.

Dann wird Bregy ernst: Spielchen gäbe es keine.

«Es bleibt langweilig.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Zauberformel??» Eine Deutsche stellt für uns die Fragen, die wir uns nicht getrauen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Klimademos in mehreren Schweizer Städten am Freitag – das willst du wissen
Zwar hat mittlerweile der Herbst in der Schweiz Einzug gehalten, der Hitzesommer hallt politisch und gesellschaftlich aber immer noch nach. In verschiedenen Städten und Regionen waren oder sind im Rahmen des «Keine 50-Grad-Sommer» Klimademos geplant. Das willst du dazu wissen.
Die Verantwortlichen des «Keine 50-Grad-Sommer», bestehend aus über 100 Organisationen und Parteien aus der ganzen Schweiz, fordern einen «grundlegenden Kurswechsel in der Politik und Wirtschaft.
Zur Story