Schweiz
Gesellschaft & Politik

Dittlis neuer Parteipräsident lebt 120 Tage pro Jahr in Spanien

Der Präsident der Liberalen Bewegung, Luigi Mancini, lebt einen Drittel des Jahres in Barcelona. Im Hintergrund die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli, der diese Partei zum politischen Comeback ve ...
Der Präsident der Liberalen Bewegung, Luigi Mancini, lebt einen Drittel des Jahres in Barcelona. Im Hintergrund die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli, der diese Partei zum politischen Comeback verhelfen soll.image: watson

Dittlis neuer Parteipräsident lebt 120 Tage pro Jahr in Spanien

Luigi Mancini, Präsident der Liberalen Bewegung von Valérie Dittli, lebt einen Drittel des Jahres in Barcelona. Gegenüber watson hat er darüber gesprochen. Die anderen Waadtländer Parteien zeigen sich skeptisch.
07.10.2026, 10:5107.10.2026, 10:51
Antoine Menusier
Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Luigi Mancini, Präsident der Liberalen Bewegung, der neuen Waadtländer Partei, die Valérie Dittlis politischen Ambitionen dienen soll, lebt einen Teil des Jahres in Barcelona. Seit 17 Jahren ist er sogar Socio des Barça, also Mitglied des legendären katalanischen Clubs, wie er watson am Telefon erzählt. Derzeit befindet er sich in Barcelona. Am Dienstag um 20 Uhr nahm er per Videokonferenz an einer Sitzung des Büros des Gemeinderats von Romanel-sur-Lausanne teil, wo er zu den gewählten Mitgliedern gehört.

Über seinen Wohnsitz kursierten «Gerüchte». «Luigi Mancini lebt in Spanien», wurde in seinem Dorf oberhalb der Kantonshauptstadt gemunkelt. Nun ist es offiziell. Als er am 24. September bei der Medienkonferenz zur Lancierung der Liberalen Bewegung in Ropraz im Bezirk Broye-Vully per Computer zugeschaltet war, fragten sich die Journalisten, wo er sich wohl befand. Nun liefert er die Antwort:

«Ich war mit meiner Partnerin in Andalusien in den Ferien.»
Luigi Mancini, Präsident der Liberalen Bewegung

«Wäre ich zu diesem Zeitpunkt nicht in den Ferien gewesen, wäre ich für die Medienkonferenz in die Schweiz zurückgekehrt», versichert er.

Luigi Mancini möchte einige Punkte klarstellen, um Missverständnisse über seine Situation zu vermeiden:

«Mein rechtmässiger Wohnsitz ist Romanel-sur-Lausanne. Ich zahle meine Steuern in der Schweiz. Neben meiner politischen Tätigkeit bin ich Verwaltungsrat der Maison des énergies, eines Unternehmens mit Sitz in Morges, das in der Westschweiz die Nummer eins bei schlüsselfertigen Solaranlagen ist.»
Luigi Mancini, Präsident der Liberalen Bewegung

Der 63-jährige Elektroinstallateur mit eidgenössischem Meisterdiplom teilt sein Leben somit zwischen dem Kanton Waadt und Spanien auf. Dort ist er seit fast 20 Jahren im Photovoltaiksektor geschäftlich tätig. Sein beruflicher Erfolg verschafft ihm viel Freizeit.

«Deshalb habe ich mich bereit erklärt, das Präsidium der Liberalen Bewegung zu übernehmen.»
Luigi Mancini, Präsident der Liberalen Bewegung

Luigi Mancini sagt, er lebe etwa 120 Tage pro Jahr in Barcelona. Die dortigen Behörden erlaubten maximal 180 Tage, danach müsse man vor Ort Steuern zahlen.

Luigi Mancini besitzt die italienische und die Schweizer Staatsbürgerschaft – seine Eltern wanderten aus den Abruzzen und Molise in die Schweiz ein – und leistete seinen Militärdienst unter der Schweizer Flagge.

In der Partei wissen sie Bescheid

In der Partei, der er vorsteht, wüssten die Mitglieder – allen voran Valérie Dittli –, dass er einen Teil des Jahres in Barcelona lebt, sagt er.

In Erinnerung sind die Kontroversen um den Steuerwohnsitz der Zugerin, als sie in die Waadtländer Politik einstieg. Als sie 2020 die Führung der CVP Waadt übernahm, zahlte sie ihre Steuern noch im Kanton Zug – sehr zum Ärger der «Machos» einer damals als dahinsiechend geltenden Sektion, wie wir seinerzeit schrieben. Die junge Frau studierte damals noch Rechtswissenschaften an der Universität Lausanne und trat bereits sehr selbstbewusst auf.

Luigi Mancini kann jedenfalls nicht vorgeworfen werden, seinen Steuerwohnsitz ausserhalb des Kantons Waadt zu haben. Ebenso wenig kann ihm mangelnde Integration vorgehalten werden. Er erzählt, dass er Mitglied von Hockey 2000 ist, einer Vereinigung von Unternehmen, die den LHC finanziell unterstützt.

Ist das wirklich sinnvoll?

Doch ist es sinnvoll, eine Partei zu präsidieren, von der man ein Drittel des Jahres physisch entfernt ist? Der Präsident der Liberalen Bewegung ist davon überzeugt:

«Ich finde, dass es durchaus möglich ist, nicht ständig, aber gelegentlich per Videokonferenz mit den Parteimitgliedern zu kommunizieren. Es ist nicht nötig, ständig vor Ort präsent zu sein.»
Luigi Mancini, Präsident der Liberalen Bewegung

«Ich kann mir nicht vorstellen, nicht persönlich vor Ort zu sein»

Was halten die Verantwortlichen der drei grossen Waadtländer Parteien FDP, SP und SVP davon? Sie erfahren nun, dass Luigi Mancini einen Teil des Jahres in Barcelona lebt.

FDP-Präsidentin Florence Bettschart-Narbel «kann sich nicht vorstellen, nicht persönlich vor Ort zu sein». Eine politische Partei aus der Ferne per Videokonferenz zu führen, erscheint ihr «sehr schwierig». «Ich sehe, was ich als Präsidentin mache: Ich bin sehr regelmässig vor Ort bei den lokalen Sektionen», sagt sie.

Die SP-Präsidentin Oriane Sarrasin respektiert die politischen Entscheidungen jedes Einzelnen. Dennoch zeigt sie sich skeptisch gegenüber Mancinis Parteiführung aus der Ferne:

«Die Liberale Bewegung kann völlig frei entscheiden, einen Präsidenten zu haben, der einen Teil des Jahres im Ausland lebt. Aber es dürfte nicht einfach sein, eine junge Partei aufzubauen, wenn man weiss, wie wichtig es ist, bei den Menschen präsent zu sein, um bekannt zu werden.»
Oriane Sarrasin, Präsidentin der Sozialdemokratischen Partei

In den Statuten der SP Waadt ist keine Pflicht festgehalten, in der Schweiz oder im Kanton wohnhaft zu sein.

«Ich würde sagen, dass sich das von selbst versteht. Das ist eine Frage des gesunden Menschenverstands.»
Oriane Sarrasin, Präsidentin der Sozialdemokratischen Partei

«Ich persönlich könnte mir schlecht vorstellen, das Präsidium einer Partei zu übernehmen und gleichzeitig einen Teil des Jahres im Ausland zu leben», fügt Oriane Sarrasin hinzu.

SVP-Präsident Sylvain Freymond bringt es auf den Punkt:

«Wenn diese Situation für die Mitglieder der Liberalen Bewegung stimmt, umso besser für sie. Für uns wäre das nicht vorstellbar.»
Sylvain Freymond, Präsident der SVP

Vor dem Ende der Doppelmitgliedschaft?

Die Liberale Bewegung ist eine ungewöhnliche Partei und erlaubt derzeit die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer anderen Partei. Ihr Präsident Luigi Mancini, der in den 2000er-Jahren FDP-Mitglied war, bevor er die Partei verliess, gehört auch «10-32 notre village» an. Dabei handelt es sich um eine Kleinstpartei, deren Name sich auf die Postleitzahl von Romanel-sur-Lausanne bezieht und die dort vier gewählte Vertreter stellt. Diese Besonderheit hat bei den anderen Waadtländer Parteien für Verwunderung gesorgt, da sie dort nicht üblich ist.

Luigi Mancini schliesst nicht aus, dass diese Regel abgeschafft werden könnte, sollten sich die Mitglieder der Liberalen Bewegung dafür entscheiden, wie er gegenüber watson erklärt. Das Thema soll im Verlauf des Novembers an der nächsten Generalversammlung der Partei behandelt werden, die immer wieder für Überraschungen sorgt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
11 Jahre Bundesrat Guy Parmelin in Bildern
1 / 31
11 Jahre Bundesrat Guy Parmelin in Bildern

Am 9. Dezember 2015 wählte das Parlament Guy Parmelin zum neuen Bundesrat.

quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Medizin-Nobelpreis 2026: Karl Deisseroth überrascht seine Familie
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Waadt könnte Genf bei kostenloser Verhütung folgen
Die kostenlose Verhütung könnte in der Westschweiz weiter an Boden gewinnen. Nach dem Ja in Genf verlangen nun auch in der Waadt rund 30 linke Mitglieder des Grossen Rats sowie zwei Grünliberale, dass der Kanton die Kosten für Verhütungsmittel übernimmt.
Zur Story