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Satanic Panic: Jan Böhmermann zerlegt die Verschwörungstheorie

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Jan Böhmermann hat sich im «ZDF Magazin Royale» dem Thema satanische Verschwörungserzählung angenommen.Bild: DPA

Jan Böhmermann nimmt sich «Satanic Panic» vor – und zerlegt die Verschwörungstheorie

09.09.2023, 08:3009.09.2023, 13:47
Kilian Beck / watson.de

Der Leibhaftige flimmert am Freitagabend über den Fernseher. Jan Böhmermann nimmt die Republik mit in die Welt der satanistischen Weltverschwörungserzählungen. «Rituelle Gewalt», nennt die Hauptperson der Sendung, eine deutsche Psychotherapeutin mit Sitz in Portugal, das Phänomen, von dem sie behauptet, es sei sexualisierte Gewalt riesigen Ausmasses. Böhmermann spricht von «Bullshit», und unterstreicht das Gefahrenpotential. Die Konfrontierte streitet abstrakt ab, lässt ihren Anwalt antworten und erhebt Gegenvorwürfe.

Jan Böhmermann zerlegt satanistische Verschwörungserzählung

Böhmermann und die «ZDF Magazin Royale»-Redaktion sind nicht die ersten, die die Thesen der Psychologin auseinandernehmen und als Teil der «Satanic Panic» der 1970er und 80er-Jahre entlarven. Im März war es der «Spiegel», der auf eine ganze «Szene» von Therapeut:innen hinwies, die traumatisierten Menschen weismache, sie seien von «satanistischen Sekten» missbraucht worden.

Keine deutsche Polizeibehörde habe nach Recherchen des Böhmermannschen Teams einen Hinweis auf «rituelle Gewalt». Der schweizerische Berufsverband für angewandte Psychologie bezeichnet die These als «Verschwörungstheorie». In den Niederlanden gab es eine parlamentarische Untersuchung, ohne jedes Ergebnis.

«Satanic Panic» aus den 1970ern

Zum Verständnis, wie Menschen auf die Idee kommen, dass irgendwelche geheimen Teufelsanbeterkreise Kinder missbrauchen würden, bietet Böhmermann die «Satanic Panic» an. Ein Phänomen das, so der Satiriker, in den 1970ern von einem kanadischen Psychiater losgetreten wurde. Der habe einer seiner Patientinnen dazu gebracht, öffentlich glaubhaft zu machen, sie sei von einem satanistischen Kult in einem monatelangen Ritual missbraucht worden. Bei diesen sei der Teufel höchstpersönlich beschworen worden.

Seitdem hält sich diese Verschwörungserzählung hartnäckig. Trotz x-facher Widerlegung. Und die von Böhmermann kritisierte Psychologin verkaufe seit den 90er Jahren Bücher, die die These befeuerten. Böhmermann hält zudem diverse semi-seriöse Selbsthilfeprodukte in die Kamera.

«Mind Control»: Bundesfamilienministerium fiel auf Satanisten rein

Die Recherche und Böhmermanns Interpretation bieten einen Überblick, wie sogar das Bundesfamilienministerium unter Merkel auf die Verschwörungserzählung aus Nordamerika hereingefallen ist. Das finanzierte damals ein Werbevideo des Vereins «Kinderschutzzentren», in dem von «Mind Control» die Rede war. Heute distanzieren sich alle Beteiligten und die deutsche Psychotherapeutin lässt sich von einer «höllisch motivierten Kölner Anwaltskanzlei» vertreten und sagt lediglich zwei Dinge: Ihre Bücher müsse man im Kontext der Zeit sehen. Und sich als Journalist:in in ein «Trauma»-Seminar zu schleichen, um zu erfahren, was dort los ist, erinnere an «Täterkreise».

Böhmermann über obskures Seminar

Das fragliche Seminar, so das Gedächtnisprotokoll aus der «ZDF Magazin Royale»-Redaktion, sei gespickt mit Absurditäten gewesen: «Sonnwendfeier» sei eine Art Codewort. Am 21. Juni – der Sommersonnenwende – ginge es einer der Patient:innen von der besagten Psychologin stets «super schlecht». Grundsätzlich sei es viel um die Zeitpunkte der angeblichen Schwarzen Messen der Satanisten gegangen. Böhmermann präsentiert auch eine alte PowerPoint-Präsentation.

Reale Konsequenzen von Verschwörungserzählungen

Dort werden angebliche «Anzeichen» wie «Erinnerungen an bizarre Hochzeitszeremonien» referiert. In ihrem Buch behauptet die Psychologin ohne deutsche Adresse im Impressum, dass «Staatsanwälte, Journalisten und Kommissare» alle in die Verschwörung verstrickt seien. Oder dass angebliche Opfer die «Augenfarbe wechseln» könnten und dies ein Anzeichen auf durch «Mind Control» gespaltene Persönlichkeiten seien. All das sei im «Kontext der Zeit zu sehen», so die Psychologin. Neben einem ellenlangen Schriftsatz ihres Anwaltes liege, so Böhmermann, jetzt noch eine «anonyme Strafanzeige», wegen des Sendeinhalts vor.

Der «Spiegel» hat noch einen Fall von realen Konsequenzen recherchiert: In einem «echten Sorgerechtsstreit» sei – so Böhmermann – ein Gutachten durchgekommen, in dem von wechselnden Augenfarben die Rede gewesen sei. Und noch schwerer im Gewicht und leider nicht im Schlussappell: Diese kruden Theorien schaden dem Vertrauen in das Therapiesystem für Menschen, die Opfer sexualisierter Gewalt und anderer traumatisierender Übergriffe geworden sind.

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