Schweizerin mit Ebola-Virus in Genfer Spital eingeliefert
Die Schweizerin wurde am Montag zusammen mit ihrem Ehemann aus Nigeria in die Schweiz zurückgebracht. Er befindet sich als enge Kontaktperson im Universitätsspital Zürich (USZ) in Isolation, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag mitteilte.
Ein Ambulanzjet der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) mit den beiden Patienten an Bord landete am Nachmittag in Zürich. Die Rückholaktion am Flughafen Zürich erfolgte unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen: Nach der Landung wurden die Patienten nacheinander in einer Isolationskammer in einen Helikopter umgeladen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beobachtete.
Es ist erst das dritte Mal, dass in der Schweiz eine Person behandelt wird, die sich mit dem Ebola-Virus angesteckt hat. Die beiden bisherigen Fälle stammen aus den Jahren 1995 und 2014. Beide Patienten überlebten die Infektion, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf seiner Website schreibt.
Sichere Abschirmung im Spital
Das USZ betonte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die Aufnahme erfolge auf einer Sonderisolierstation für hochinfektiöse Erkrankungen, die sämtliche Anforderungen an eine sichere Abschirmung erfülle. Das beteiligte Personal sei geschult und trage spezielle Schutzkleidung. Für übrige Mitarbeitende, Patienten und Besucher bestehe keinerlei Gefahr.
Bei der Erkrankten handelt es sich um die Ehefrau eines Schweizer Mitarbeiters der Schweizer Botschaft in Nigeria. Der stellvertretende Direktor des Nigeria Centre for Disease Control, Odianosen Ehikhamen, sagte in einem Video-Interview mit Reuters, die Patientin sei 42 Jahre alt. Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes machte das EDA keine Angaben zum Gesundheitszustand der Frau. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge befindet sie sich weiterhin im Spital. Ihr Zustand sei stabil. Die Ebola-Diagnose wurde am 20. Oktober gestellt.
Am Montagmorgen ausgeflogen
Der eigentliche Rücktransport in die Schweiz hatte am frühen Montagmorgen in Abuja seinen Anfang genommen. Vor dem Evakuierungsflug hatte sich der Zustand der Schweizerin spürbar verbessert: Sie sei stabil, bei Bewusstsein und ansprechbar gewesen, hatte Nigerias Gesundheitsminister Muhammad Ali Pate am Montagmorgen auf der Plattform X mitgeteilt.
«Mit der Evakuierung der Patientin und ihres Ehemanns gibt es in Nigeria derzeit keine Ebola-Fälle mehr», schrieb der WHO-Regionaldirektor für Afrika, Mohamed Janabi, auf X. Die Schweiz übernehme die weitere medizinische Betreuung der Patientin und die Überwachung ihres Ehemanns, der als 53. Kontaktperson gilt.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider drückte laut der Mitteilung des BAG dem nigerianischen Gesundheitsminister in einem Telefonat ihren Dank aus. Sie würdigte den Einsatz des medizinischen Personals vor Ort sowie die enge Kooperation der nigerianischen Behörden und der WHO, die den Rückflug ermöglicht hatte.
Ansteckungsort noch unklar
Der genaue Ort, an dem sich die Schweizerin mit Ebola infiziert hat, ist weiterhin unklar. Die Frau war am 20. Oktober in Nigeria positiv auf das Virus getestet worden. Sie war zuvor aus Uganda eingereist. Ein Team von Ebola-Forschenden soll nun in Nigeria den Ursprung der Infektion untersuchen. Dabei wird auch ein möglicher Zusammenhang mit dem Ebola-Fall in Kenia geprüft.
Die Viren der beiden ersten Patienten in Nigeria und Kenia sind genetisch eng miteinander verwandt. Beide hatten sich zuvor in Uganda aufgehalten beziehungsweise den Flughafen Entebbe passiert. Ein direkter Kontakt zwischen ihnen ist bisher nicht nachgewiesen.
Das Ebolavirus zählt zu den gefährlichsten Krankheitserregern weltweit und löst ein schweres hämorrhagisches Fieber aus, das je nach Virusstamm und Versorgung in rund 50 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Das Virus wird nicht über die Luft übertragen, sondern ausschliesslich durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten symptomatischer Patienten oder infizierter Tiere.
Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen beginnt die Erkrankung typischerweise abrupt mit grippeähnlichen Symptomen wie plötzlichem hohem Fieber, starken Kopf- und Muskelschmerzen sowie ausgeprägter Schwäche. Im weiteren Verlauf treten häufig schwere Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall auf, gefolgt von Gerinnungsstörungen, inneren Blutungen und Organversagen. (hkl/sda)
