Schweiz
Gesundheit

Essen im Zug: Darum ist ein Foodverbot wieder ein Thema

Solche Bilder sorgen zuweilen f
Nicht alle Reisende vertilgen ihr Sandwich in nützlicher Frist. Und umgehen so die Maskenpflicht. Bild: sda

«Gefährliche Angewohnheit» – Darum flammt die Diskussion Foodverbot im ÖV wieder auf

Omikron-Welle hin oder her: Zahlreiche Passagiere essen und trinken länger als nötig in den SBB-Abteilen. Dadurch fühlen sich manche Mitreisende unwohl. Politikerinnen fordern jetzt ein Konsumationsverbot. Doch es gibt ein Problem.
20.12.2021, 15:1021.12.2021, 16:46

Um die Maskenpflicht zu umgehen, zeigen sich renitente ÖV-Reisende mitunter kreativ. Sie knabbern eine halbe Stunde lang Nüssli auf dem Weg von Olten nach Luzern, nippen ellenlang an der Trinkflasche oder benötigen fast die ganze Fahrzeit, um einen Salat zwischen Zürich und Bern zu vertilgen. Dies nervt seit Beginn der Maskenpflicht im Juni 2020 viele Mitfahrende.

Mit der Omikron-Welle hat sich die Problematik der Masken-Muffel im ÖV verschärft. Denn die Virus-Variante ist viel ansteckender als Delta – auch im Zug. «Mit der Trinkflasche die Maskenpflicht umgehen: Spätestens jetzt ist dies eine gefährliche Angewohnheit», enerviert sich ÖV-Nutzer Albin Meyer auf Twitter. Er ist mit seinen Bedenken nicht alleine. Unter dem Hashtag #keinfoodimzug setzen sich ÖV-Reisende auf sozialen Medien für ein Konsumationsverbot ein.

«Ich fühle mich im Zug nicht mehr sicher», schreibt eine andere Person in einem von inzwischen über 1100 Beiträgen.

SP-Politikerin fordert Essverbot

Nun schaltet sich die Politik ein. SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen würde wegen der hochansteckenden Omikron-Variante ein befristetes Konsumationsverbot im ÖV begrüssen. Zu oft sehe man Leute, die die ganze Fahrt von Zürich bis Bern damit verbrächten, «ihr Sandwich so langsam zu essen, dass sie keine Maske aufsetzen müssen», sagt sie zum Blick.

watson berichtete bereits im November 2020 über die Langsam-Verpfleger im ÖV. Im Januar 2021 verkündete die ÖV-Branche, man überprüfe die Regeln zusammen mit dem BAG. Als Reaktion wurde eine Sensibilisierungskampagne lanciert. Das Problem ist geblieben.

Mit dieser Kampagne appellierte die ÖV-Branche, die Maske im Zug für die Konsumationen nur kurz abzunehmen.
Mit dieser Kampagne appellierte die ÖV-Branche, die Maske im Zug für die Konsumationen nur kurz abzunehmen. Bild: zvg
«Statt einem kaum durchsetzbaren Verbot könnte man das Konsumieren vielleicht besser auf den Restaurantwagen beschränken.»
Franziska Ryser
WAHLEN 2019 - NATIONALRAT - KANTON ST. GALLEN - Franziska Ryser (neu), Grüne. (KEYSTONE/Parteien/Handout) === HANDOUT, NO SALES ===
Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser.Bild: PARTEI

Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser hat einen anderen Lösungsansatz. Wenn das Essen als Vorwand genutzt werde, um keine Maske tragen zu müssen, sei das wirklich ärgerlich und gegenüber den Mitfahrenden eine Zumutung. Hingegen kurz einen Schluck Wasser zu trinken und die Maske danach wieder aufzusetzen, das störe wohl kaum jemanden. «Statt einem kaum durchsetzbaren Verbot könnte man das Konsumieren vielleicht besser auf den Restaurantwagen beschränken», so Ryser. Das Problem: Auch dort gilt seit Montag die 2G-Regel.

Was denkst du über ein Konsumationsverbot im ÖV?
An dieser Umfrage haben insgesamt 6303 Personen teilgenommen

Bundesrecht sieht Masken-Ausnahme vor

Der Knackpunkt: Die Maskenpflicht im ÖV ist in einer Verordnung des Bundes geregelt. Diese sieht eine Ausnahme fürs Essen und Trinken vor. «Eine Änderung müsste vom Bund beschlossen werden», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli.

Die Maske dürfe zum Essen und Trinken abgenommen werden. Jedoch nur für die Dauer des Verzehrs. «Wird die Ausnahme über die Massen strapaziert, macht unser Personal diese Reisenden darauf aufmerksam», so Schärli weiter.

Andri Silberschmidt, Praesident der Jungfreisinnigen vom Kontra Komitee gibt ein Interview ueber die Abstimmungsergebnisse zur Rentenreform, am Sonntag, 24. September 2017, in Bern. Die Schweizer Stim ...
FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt. Bild: KEYSTONE
«Den gesunden Menschenverstand kann man nicht ins Gesetz schreiben.»
Andri Silberschmidt

FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt ist selber sehr viel mit der Bahn unterwegs. Von einem Ess-Verbot in den Zügen hält er aber nichts. «Den gesunden Menschenverstand kann man nicht ins Gesetz schreiben», sagt der Zürcher. Wer sich wegen notorischen Langsamessenden im Abteil gestört fühle, solle diese Personen direkt ansprechen. Man müsse – Omikron hin oder her – davon wegkommen, den Leuten alles bis ins letzte Detail vorzuschreiben. «Wer sich selbst besser schützen will, kann zudem eine FFP2-Maske tragen», so Silberschmidt zu watson.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sehen die neuen Nightjet-Nachtzüge aus
1 / 6
So sehen die neuen Nightjet-Nachtzüge aus
Zukunft der Nachtzüge: So sieht das Viererabteil im neuen Nightjet aus.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Plötzlich stinkt alles – TikTokerin erzählt von ihrem Long-Covid-Symptom
Video: watson
Fisch im Migros-Käsesandwich? Das steckt dahinter
Beim Baguette Greyerzer von Migros Daily werden Allergiker vor Fischrückständen gewarnt. Doch wie kann Fisch in einem Käsesandwich landen? Wir haben nachgefragt.
Am Mittag schnell ein Käsebrötchen von Migros Daily – das dachte sich auch ein hungriger Migros-Kunde. Beim Überfliegen der Zutaten- und Allergenliste stutzte er jedoch: Dort stand unter anderem der Hinweis «Kann Fisch enthalten». Da stellt sich die Frage: Was hat Fisch in einem Käsesandwich zu suchen?
Zur Story