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Der Gotthard-Tunnel wurde vor 25 Jahren zur Todesfalle – ein Wendepunkt

Im Gotthard-Strassentunnel sind die Wiederherstellungsarbeiten am Montag, 3. Dezember 2001 im Gange. Nach dem Unfall vom 24. Oktober nahmen die Raeumungsarbeiten einen Monat in Anspruch, jetzt sollen  ...
3. Dezember 2001: Rund sechs Wochen nach dem tödlichen Brand laufen die Reparaturen im Gotthard-Strassentunnel weiter.Bild: KEYSTONE/Karl Mathis

Dichter Rauch machte Gotthardtunnel zur Todesfalle – was vor 25 Jahren geschah

Heute vor 25 Jahren hat im Gotthard die Kollision zweier Camions in einem Brandinferno geendet. Elf Menschen erstickten oder verbrannten. Es war die vierte Tunnelbrandkatastrophe in den Alpen innert weniger Jahre. Darauf wurde in die Sicherheit der Tunnel investiert.
24.10.2026, 12:1524.10.2026, 12:15

Am 24. Oktober 2001 fuhr kurz nach 9.30 Uhr ein von Italien kommender belgischer Lastwagen in den 17 Kilometer langen Gotthardstrassentunnel. Hinter dem Steuer sass ein Türke, der in Belgien mit einem Touristenvisum arbeitete. Er hatte Alkohol getrunken.

Der Chauffeur hatte Mühe, den Camion auf Kurs zu halten. Einen Kilometer nach der Einfahrt touchierte er die Tunnelwand und geriet auf die Gegenfahrbahn. Ein entgegenkommender italienischer Chauffeur bremste seinen Lastwagen ab und wich aus. Er verhinderte so eine Frontalkollision, die Fahrzeuge prallten aber seitlich aufeinander. Der türkische Lenker war zum Zeitpunkt des Crashs noch mit 40 km/h unterwegs, der italienische mit 10 km/h.

A draw made available to the media in Airolo, Switzerland, on Thursday, October 25, 2001 shows the head-on truck crash in the Gotthard tunnel, that caused a fire and killed at least ten people on Wedn ...
Etwa so dürfte sich die Szene abgespielt haben.Bild: KEYSTONE/AP Photo/Michele Limina

Die Kollision entwickelte sich innert Kürze zur Brandkatastrophe: Ein Treibstofftank barst, Diesel floss auf die Fahrbahn, ein Kurzschluss bei einem Kabel entzündete das Diesel-Luft-Gemisch. Bald brannten die Camions und deren Ladungen, unter anderem hunderte Pneus.

Schutzräume im Rauch unerreichbar

Rauch breitete sich aus, bald konnte man die Hand nicht mehr vor seinen Augen sehen. Der Tunnel erhitzte sich auf bis zu 1200 Grad. Nicht alle Autoinsassen konnten in die Schutzräume flüchten. Zehn Menschen erstickten, ein elftes Opfer verbrannte.

Unter den Toten war auch der Unfallverursacher – sein Leichnam wurde 300 Meter von seinem LKW entfernt aufgefunden. Der italienische Chauffeur überlebte und wurde später ausgezeichnet, weil er zahlreichen Menschen das Leben gerettet hatte.

Das Feuer beschädigte auch die Infrastruktur. Die Tunneldecke stürzte unter der Hitze teilweise ein. Wegen der Reparaturarbeiten war die Verbindung zwischen Airolo TI und Göschenen UR rund zwei Monate gesperrt.

Autozüge reaktiviert

Damit fielen während Wochen wichtige Kapazitäten auf der Nord-Süd-Achse weg. Um die Situation zu entschärfen, blieb der Gotthardpass bis im Dezember geöffnet. Die SBB nahmen den 20 Jahre zuvor eingestellten Autotransport zwischen Göschenen und Airolo wieder auf und setzten Zusatzzüge ein, die auch dem LKW-Transport dienten.

Auch nach der Wiedereröffnung des Gotthardstrassentunnels herrschten auf der Transitachse noch neun Monate schwierige Zustände, denn aus Sicherheitsgründen durften sich die Lastwagen im Tunnel zunächst nicht kreuzen. Dieser Einbahnverkehr führte zu langen Staus von wartenden Camions und Unmut unter den Chauffeuren.

Erst im Herbst 2002 wurde, nachdem eine effizientere Tunnellüftung in Betrieb ging, der Einbahnverkehr für Lastwagen aufgehoben. Die Zahl der Fahrzeuge, die den Tunnel passieren können, wird aber seither pro Stunde und Richtung beschränkt.

Schwachstellen aufgezeigt

Nicht nur das Verkehrsregime wurde nach der Katastrophe angepasst. Untersuchungen ergaben nämlich, dass der damals 21 Jahre alte Gotthardstrassentunnel weniger sicher war als angenommen. So hatten die Ventilatoren im Tunnel den Brand zusätzlich angefacht.

Zudem hatten sich kurz vor dem Brand andere Katastrophen in Tunnels ereignet. 1999 sind im Mont-Blanc-Tunnel in Frankreich und im Tauerntunnel in Österreich total 51 Menschen gestorben, nachdem Lastwagen in Brand geraten waren. 2000 starben bei einem Brand in einem Tunnel der Standseilbahn Kaprun in Österreich 150 Personen.

Die Brandserie in den Alpen führte dazu, dass die Sicherheitsstandards für Tunnel erhöht wurden. Die Schweiz rüstete in den folgenden Jahren Tunnels für hunderte Millionen Franken nach.

Überhitzte Camions werden erkannt

Der Gotthardtunnel erhielt neben der neuen Lüftung und dem neuen Verkehrsregime unter anderem auch eine bessere Beleuchtung und Signalisation. Um zu verhindern, dass gefährliche Camions durch den Tunnel fahren, wurden in Uri und im Tessin Schwerverkehrskontrollzentren und Thermoportale, die überhitzte LKW erkennen, in Betrieb genommen.

In Zukunft soll die Autofahrt durch den Gotthardtunnel noch sicherer werden. Derzeit wird eine zweite Röhre gebaut, danach wird die erste saniert. Ab 2033 soll der Strassenverkehr dann nicht mehr im Gegenverkehr durch den Gotthardtunnel rollen. (sda)

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Der Gotthard-Strassentunnel
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Der Gotthard-Strassentunnel
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Strassenverkehr über den Gotthard enorm zu. Doch bis 1980 gab es nur den Weg über den Pass. Schon 1962 stauten sich die Fahrzeuge.
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Erklärungsvideo zur Sicherhiet im Gotthardtunnel
Video: watson
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