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Angriffe auf Dubai: Weshalb die Schweiz davon profitieren könnte

A black plume of smoke rises from a warehouse at the industrial area of Sharjah City in the United Arab Emirates following reports of Iranian strikes in Dubai, United Arab Emirates, Sunday, March 1, 2 ...
Eine schwarze Rauchwolke über einem Industriegebiet in Dubai nach iranischen Angriffen.Bild: keystone

Irans Angriffe auf Dubai: Weshalb ausgerechnet die Schweiz davon profitieren könnte

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben Dubai mit dem Versprechen von Sicherheit und niedrigen Steuern zum globalen Finanzzentrum geformt. Irans Raketenangriffe lassen das Erfolgsmodell nun wanken.
04.03.2026, 04:4504.03.2026, 04:45
Simon Maurer / ch media

Die SVP hätte kaum Freude an diesem Konzept: Rund 88 Prozent der Einwohner von Dubai sind Expats. Sie stellen nicht nur die grosse Mehrheit der Bevölkerung, sondern sind auch für einen Grossteil der Wertschöpfung verantwortlich. Rund 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurden 2024 mit Nicht-Öl-Geschäften erwirtschaftet. Das Geld stammt von Branchen wie Tourismus, Handel, Immobilien, Logistik oder Finanzdienstleistungen.

Möglich gemacht wurde dieses wirtschaftliche Erfolgsmodell von einem attraktiven Mix für Konzerne und Vermögende: keine Einkommenssteuern für Privatpersonen, lange Zeit kaum Unternehmenssteuern und lasche Regulierungen, die Kapitalströme erleichtern. Zentral dabei ist allerdings auch das Versprechen von physischer Sicherheit: Seit Jahren wird für den Standort Dubai damit geworben, dass die Stadt sicherer ist als grosse europäische Finanzzentren wie London oder Frankfurt.

Security personnel deploys at the entrance of the Fairmont The Palm Hotel after an explosion in Dubai, United Arab Emirates, Saturday, Feb. 28, 2026. (AP Photo/Altaf Qadri)
Emirates Ramadan
Nach einem iranischen Luftschlag auf das Fairmont The Palm Hotel in Dubai sichern Einsatzkräfte das Gelände.Bild: keystone

Für Dubai kann das «katastrophal» werden

Am Wochenende folgte diesbezüglich allerdings eine Zäsur. Nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran schoss dieser unerwarteterweise auf sämtliche Golfstaaten – auch auf die Finanzmetropole Dubai. Mehrere Luxushotels wurden dabei direkt getroffen. Selbst ein Wahrzeichen der Stadt, der Burj-Al-Arab-Turm, fing wegen Trümmerteilen einer abgewehrten Drohne Feuer.

Diese Entwicklung sorgt bei einem Grossteil der dort lebenden Finanzelite für eine verängstigte Stimmung. «Halb Dubai bucht gerade Flüge ins Ausland», titelte die «Financial Times» am Montag. Der Manager eines grossen globalen Hedgefonds mit Niederlassungen in Dubai erklärte gegenüber der Zeitung:

«Das wird für einige meiner Leute Folgen haben. Die Vereinbarung bestand nicht darin, dass man sich bei einem Umzug nach Dubai geopolitischen Risiken aussetzt.»

Eine ähnliche Einschätzung lieferte Börsenanalyst Marko Kolanovic, ehemaliger Chefstratege des globalen Research-Teams der Bank J.P. Morgan. Die Entwicklungen in Dubai könnten «katastrophal» werden, wenn die USA den Iran nicht schnell besiegen oder den Angriff stoppen. «Die Bedrohung für die Expats, Tourismus, Finanzen, Flug- und Schifffahrt kann sogar Schockwellen durch die ganze Welt senden», schreibt der Börsenfachmann auf X. Das ist womöglich auch der Grund, weshalb die Vereinigten Arabischen Emirate Ihre Börse am Montag und am Dienstag geschlossen lassen.

Inmitten dieser Krise begannen in Wirtschaftskreisen allerdings bereits die Spekulationen, welche Standorte davon profitieren könnten, wenn vermögende Expats ihren Lebensmittelpunkt wegen der angespannten Sicherheitslage aus Dubai verlegen sollten. Auffallend oft genannt wurde in diesem Zusammenhang die Schweiz.

Entscheidend wird die Dauer des Irankonflikts

Auf Anfrage von CH Media hält Martin Hess, Chefökonom der Schweizerischen Bankiervereinigung, fest:

«In Phasen erhöhter geopolitischer Unsicherheit rücken stabile Standortfaktoren wie jene der Schweiz erfahrungsgemäss stärker in den Fokus von Unternehmen und Investoren.»

Entscheidend seien die langfristige Verlässlichkeit von Rechtsstaatlichkeit, Eigentumsschutz, Planungssicherheit und international anschlussfähigen Regulierungen. Also alles Qualitäten, welche den Finanzplatz Schweiz unabhängig von aktuellen geopolitischen Entwicklungen prägen würden. «Zu kurzfristigen Kapitalbewegungen oder konkreten Zuflüssen können wir keine Stellung nehmen», sagt Hess und verweist auf die langfristige Natur von Standortentscheiden.

Ähnlich zurückhaltend äussert sich der Verband der Schweizer Vermögensverwalter. Geschäftsführer Patrick Dorner erklärt, dass die überwiegende Mehrheit der Schweizer Vermögensverwalter «kleine KMUs mit drei bis fünf Mitarbeitern» sind. Nur einige grössere Marktteilnehmer seien überhaupt in Asien oder im Nahen Osten vertreten. «Sollte die aktuelle Lage anhalten, könnten einzelne Firmen ihre lokale Präsenz überdenken», sagt Dorner. Eine Beeinträchtigung ihres Geschäftsmodells erwartet er nicht.

Weniger klar ist, wie sich die Sicherheitslage in den Golfstaaten auf wohlhabende Privatpersonen auswirkt. Diese reagieren meist sensibler auf geopolitische Risiken als Unternehmen und sind mobiler, da sie weniger an Infrastruktur gebunden sind. Ob daraus spürbare Kapitalbewegungen entstehen, hängt letztlich davon ab, ob die aktuelle Eskalation als vorübergehende Episode wahrgenommen wird – oder als struktureller Bruch. (aargauerzeitung.ch)

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