Nach Drohnen-Angriff auf Zypern: Mullahs warnen Europa vor Kriegseintritt
Europa droht in den Krieg gegen den Iran hineingezogen zu werden: In der Nacht auf Montag wurde die britische Militärbasis Akrotiri auf Zypern von einer iranischen Drohne getroffen. Zwei weitere Kamikazedrohnen konnten abgefangen werden. Griechenland kam seinem EU-Nachbarn noch am selben Tag zu Hilfe und entsandte zwei Kriegsschiffe, darunter auch die brandneue Fregatte «Kimon».
Das Kriegsschiff wurde in Frankreich gebaut und erst letztes Jahr in Dienst gestellt. Neben der Verstärkung zur See verlegte Athen auch vier F-16-Kampfjets und eine Luftabwehrbatterie auf die nicht einmal 400 Kilometer von Israel entfernte Mittelmeer-Insel. Am Dienstagnachmittag kündigte der britische Premier die Verlegung des Zerstörers HMS Dragon und von Helikoptern mit Anti-Drohnen-Fähigkeiten nach Zypern an.
Frankreich und Grossbritannien bereit zu «Defensivmassnahmen»
Gleichzeitig verstärken andere europäische Länder ihre Präsenz in der Konfliktregion. Französische Rafale-Jets patrouillieren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um die dort befindlichen französischen Militärbasen und das darauf stationierte Personal zu schützen. Nach einem Treffen der EU-Aussenminister kündigte Frankreich zudem an, die EU-Operation «Aspides» mit zwei zusätzlichen Kriegsschiffen zu verstärken.
Aspides wurde vor rund zwei Jahren gestartet, um Angriffe der Huthi-Milizen auf Handelsschiffe im Golf von Aden abzuwehren. Zuletzt waren je ein italienisches, griechisches und französisches Kriegsschiff im Einsatz.
Zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem britischen Premier Keir Starmer und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz haben die Länder erklärt, dass man bereit zu «militärischen Defensivmassnahmen» sei. Dies, um befreundeten Staaten in der Region zu helfen und die iranische Bedrohung «an der Quelle» auszuschalten. Übersetzt heisst das: Angriffe auf iranische Raketenstellungen, Munitionsdepots oder Drohnenabschussrampen.
Iran warnt vor «Komplizenschaft mit dem Aggressor»
In Teheran haben die Mullahs die Ankündigung zum Anlass genommen, die Europäer eindringlich von einem Kriegseintritt zu warnen. «Defensiv ist das gleiche wie offensiv», sagte ein Sprecher des iranischen Aussenministeriums am Dienstag. Und weiter: «Jede Handlung gegen den Iran wird als Komplizenschaft mit den Aggressoren» und als «Kriegshandlung» betrachtet.
Angriffe Iran
Angriffe USA und Israel
Für die europäischen Länder ist die Situation nicht nur heikel, weil sie wie die Amerikaner verschiedene Stützpunkte in den Golf-Staaten unterhalten, die im Fall Frankreichs in Abu Dhabi bereits zum Ziel von Angriffen wurden. Dazu kommt, dass hunderttausende Europäerinnen und Europäer in der Region leben. Laut Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot befinden sich fast 400'000 Franzosen dauerhaft oder vorübergehend in den vom Konflikt betroffenen zwölf Golfstaaten. Mindestens 200'000 Britinnen und Briten sind gemäss Angaben aus London im Nahen Osten gemeldet. Eine solche Zahl an Menschen kurzfristig zu evakuieren, ist praktisch unmöglich.
Gaspreis schnellt in die Höhe
Derweil hat die Eskalation in Nahost auch direkte Auswirkungen auf den Krieg in der Ukraine. Nachdem Katar seine Produktion von Flüssiggas nach iranischem Raketenbeschuss vorerst eingestellt hat, schnellte der Gaspreis an den Grosshandelsmärkten in die Höhe. Dies wiederum bringt hohe Mehreinnahmen für Russlands Kriegskasse.
In Europa befürchten die Regierungen zudem eine Wiederholung der Energiekrise, wie sie zu Beginn des Ukraine-Krieges eintrat. Das heisst: Stark gestiegene Preise für Gas und Öl und damit ein starker Anstieg der Inflation. (aargauerzeitung.ch)
