Was die Bank des Papstes und ein Palast in Budapest mit Millionen in Genf zu tun haben
Papst Leo XIV. ist dabei, die Stellung der Vatikanbank IOR zurückzustutzen. Er entzieht ihr die Exklusivstellung bei Finanzinvestitionen des Heiligen Stuhls. Dafür hat der Heilige Vater sehr gute Gründe: Der wohlklingende Name — IOR steht für Istituto per le Opere di Religione, auf Deutsch: Institut für die religiösen Werke — stand in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auch für Skandale und den Missbrauch von Kirchengeldern.
Einer dieser Fälle hallt vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona nach. Die heutige Leitung der Vatikanbank verlangt von der Schweiz Rechtshilfe: Bankunterlagen und die Weiterführung einer Kontosperre bei einer Genfer Privatbank. Es geht um rund sieben Millionen Euro, die mit einem grossen mutmasslichen Betrugsfall im Umfeld der Vatikanbank zusammenhängen sollen.
Hintergrund ist der «scandalo Budapest», wie ihn italienische Medien nennen. Im Zentrum stehen frühere Spitzenfunktionäre des IOR und externe Finanzakteure. Unter der damaligen Führung investierte die Vatikanbank 2013, vereinfacht gesagt, in eine historische Immobilie: Den alten Börsenpalast in Budapest.
Nach Darstellung der Vatikan-Ermittler wurde der Wert des Gebäudes durch Tricks aufgeblasen. Und zwar auf Kosten der Vatikanbank. Das Bundesstrafgericht hält in seinem Beschwerdeentscheid fest, dass der Vatikan den Schaden für das IOR im Budapester Geschäft auf mindestens 14 Millionen Euro beziffert.
Millionen sollen nach Genf geflossen sein
Ein Teil des Geldes, das dem IOR abgezwackt wurde, soll auf ein Konto bei einer Genfer Privatbank geflossen sein. Das Konto lautete auf jene ausländische Gesellschaft, die jetzt versuchte, die Rechtshilfe an den Vatikan zu verhindern. Wer genau hinter ihr steht, geht aus dem Entscheid nicht hervor. Es könnte sich aber um einen maltesischen Ableger der Genfer Privatbank handeln.
Das Bundesstrafgericht bestätigte Anfang Juni die von der Bundesanwaltschaft genehmigte Rechtshilfe im Grundsatz. Die Bankunterlagen dürfen an den Vatikan übermittelt werden, die Kontosperre bleibt bestehen. Einen Vorbehalt machte das Gericht aber: Unklar ist, wie hoch der blockierte Betrag genau sein soll. Während die vatikanischen Behörden von rund 7,97 Millionen Euro ausgehen, fand die Bundesanwaltschaft in den Schweizer Bankunterlagen nur eine Zahlung über knapp 7 Millionen Euro. Die Bundesanwaltschaft muss diese Differenz nun mit den vatikanischen Behörden klären.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
Lange Reihe von Skandalen um das IOR
Die Vatikanbank IOR blickt auf eine lange Reihe von Finanzskandalen zurück. Der bekannteste ist der Skandal um die Ambrosiano-Bank des Mailänder Bankiers Roberto Calvi. Das IOR war über Offshore-Strukturen in das Umfeld der zusammengebrochenen Bank verstrickt. Calvi wurde 1982 in London aufgehängt unter der Blackfriars-Brücke aufgefunden. Ermordet vermutlich unter Mitwirkung der Mafia. Der Vatikan erkannte keine rechtliche Schuld an, zahlte später aber mehr als 200 Millionen Dollar an Gläubigerbanken.
Die Skandale endeten damit nicht. 2021 verurteilte ein Vatikan-Gericht den früheren IOR-Präsidenten Angelo Caloia wegen Unterschlagung und Geldwäscherei. Laut «Vatican News» ging es um Immobilienverkäufe des IOR und einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Auch in diesem Fall führten Spuren in die Schweiz – es ging um Geldwäsche. (schweizheute.ch)

