Schweiz
Bundesrat

Neutralität: Taiwans Vize-Aussenminister kritisiert Schweizer Chinapolitik

François Chih-chung Wu, Vize-Aussenminister Taiwan
Taiwans Vize-Aussenminister François Chih-chung Wu kritisiert die Schweizer Neutralitätspolitik.Bild: Screenshot RSI

Taiwans Vize-Aussenminister: «In Wirklichkeit ist die Schweiz nicht neutral»

06.07.2026, 11:2606.07.2026, 11:26

In einem Interview mit der RSI kritisiert François Chih-chung Wu, Vize-Aussenminister Taiwans, die Auslegung der Schweizer Neutralität. «Die Schweiz sagt uns immer, sie wolle ihre Neutralität wahren. Aber in Wirklichkeit seid ihr nicht neutral. Denn ihr könnt mit China sprechen, aber nicht mit Taiwan.»

Gemäss dem Aussendepartement (EDA) verfolgt der Bundesrat seit 1950 eine Ein-China-Politik. Wie die meisten Länder, inklusive der USA, anerkennt die Schweiz die Volksrepublik China, nicht jedoch Taiwan (Chinesisch Taipei) als eigenständigen Staat. Mit der Volksrepublik China pflegt die Schweiz diplomatische Beziehungen, mit den Behörden auf Taiwan tut sie dies nicht.

Diese Ungleichbehandlung kritisiert Chih-chung Wu im Interview mit RSI. «Wenn Neutralität echte Neutralität ist, bedeutet das, zu beiden Seiten die gleiche Distanz zu wahren und keine Urteile zu fällen. Die Schweiz hätte also die gleiche Distanz sowohl zu China als auch zu Taiwan wahren können. Und dann entscheiden können, mit wem sie spricht.»

Die Schweiz stehe jedoch China näher als Taiwan. «Für uns hat die Schweiz ein sehr schönes Image. Wir präsentieren uns oft als die Schweiz Asiens, um euch zu zeigen, dass wir euch verehren», erzählt Wu dem RSI. «Wir möchten aber, dass die Schweizer Taiwan ebenso verehren.»

Bei Schweizer Nationalräten stossen die Aussagen des Vize-Aussenministers auf gewisses Verständnis. Tessiner SVP-Nationalrat Piero Marchesi verweist auf die aus SVP-Kreisen lancierte Neutralitäts-Initiative. «Auch für uns ist es ein zentrales Anliegen, dafür zu sorgen, dass die Schweiz so unparteilich wie möglich ist», sagt er gegenüber RSI.

Für den Bündner SP-Nationalrat Jon Pult bedeutet Neutralität, «dass wir uns nicht an Kriegen beteiligen, es sei denn, wir werden angegriffen. Aus dieser Sicht sind wir neutral und bleiben neutral. Alles andere gehört nicht zur Neutralität.» Pult räumt jedoch ein, dass es sehr wohl aus Angst, die Volksrepublik China zu sehr zu verärgern, eine Zurückhaltung in der Schweizer Politik gebe. «Hier sollten wir etwas mutiger sein und inoffizielle, aber konkrete, praktische Beziehungen auf wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Ebene mit Taiwan unterhalten.»

Bundesratskandidat Jon Pult, Nationalrat SP-GR, rechts, gefolgt von Severin Meier, politischer Fachrefent der SP, erscheint zum Hearing vor der Fraktion der GLP, am Rand der Herbstsession der Eidgenoe ...
SP-Nationalrat Jon Pult fordert mehr Mut in den Beziehungen zu Taiwan.Bild: keystone

Ähnlich sieht es Marchesi: «Es ist offensichtlich, dass wir starke wirtschaftliche Interessen mit China haben. Aber das Thema der Unparteilichkeit gegenüber Taiwan stellt sich.» (nil)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Bürostuhl-Rennen in Taiwan
1 / 30
Bürostuhl-Rennen in Taiwan
Bürostuhl-Rennen in Taiwan.
quelle: epa/epa / ritchie b. tongo
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Video zeigt eindrücklich das Säbelrasseln zwischen China und Taiwan
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
17 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Firefly
06.07.2026 11:40registriert April 2016
Richtig, die Schweiz ist opportunistisch, nicht neutral. War sie schon immer, auch im WWII
566
Melden
Zum Kommentar
avatar
Omar
06.07.2026 11:52registriert Januar 2023
Scheibe! Jetzt hat es einer herausgefunden!
352
Melden
Zum Kommentar
avatar
mMn
06.07.2026 12:04registriert September 2020
Tessiner SVP-Nationalrat Piero Marchesi verweist auf die aus SVP-Kreisen lancierte Neutralitäts-Initiative. «Auch für uns ist es ein zentrales Anliegen, dafür zu sorgen, dass die Schweiz so unparteilich wie möglich ist»

Das ist an Zynismus wohl nicht mehr zu überbieten.

Diese Initiative ist das pure Gegenteil von Neutralität. Sie ist prorussisch und auch zum Vorteil Chinas und somit gegen Taiwan.

Wer etwas von Neutralität hält, wählt nicht SVP. Nur wer ein Vasall Russlands sein will, tut das.
242
Melden
Zum Kommentar
17
Gasgrill gerät in Horgen ZH in Brand: Mehrere hunderttausend Franken Schaden
An einem Gasgrill in einem Mehrfamilienhaus in Horgen ZH ist am Samstagabend ein Feuer ausgebrochen. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden am Gebäude beläuft sich jedoch auf mehrere hunderttausend Franken, wie die Kantonspolizei Zürich am Sonntag mitteilte.
Zur Story