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Interview

AKW-Referendum: Badran nennt ihren Plan B «enorm viel zuverlässiger»

Referendum gegen neue AKW steht: Am Dienstag wurden 131'800 Unterschriften in Bern eingereicht.Video: watson/Elena Maria Müller
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AKW-Referendum geglückt: Badran nennt ihren Plan B «enorm viel zuverlässiger als AKW»

Das AKW-Referendum ist eingereicht. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran erklärt im Interview, weshalb sie die Argumente für neue AKW für «Märchen» hält und im Notfall auf Gas setzt.
06.10.2026, 19:5906.10.2026, 20:16

Frau Badran, was spricht gegen den Bau neuer Atomkraftwerke?
Jacqueline Badran:
Alles.

Die Vorlage des Parlaments bewilligt noch kein konkretes AKW und beschliesst keine staatliche Förderung. Haben Sie Angst, die Bevölkerung bei einem konkreten Projekt nicht mehr überzeugen zu können, und verteidigen deshalb schon jetzt das pauschale Neubauverbot?
Nein. Wir alle wissen, dass die Zukunft erneuerbar ist. Alles andere ist ein Witz.

Weshalb ist das Parlament dann Bundesrat Albert Rösti gefolgt und hat beschlossen, das Neubauverbot aufzuheben?
Mir scheint zwei Narrative haben das beeinflusst: die von der «Technologieneutralität» und die Blackout-Angst. Beides sind Märchen.

Was ist falsch an der Technologieneutralität?
Damit Wirtschaft und Wissenschaft Forschung und Entwicklung vernünftig priorisieren können, müssen sie wissen, wohin die Reise geht. Die Wirtschaft braucht Planungs- und Investitionssicherheit. Das ist das Gegenteil von Technologieneutralität. Eine ABB zum Beispiel muss wissen: Soll ich mein Wasserstoffkraftwerk bis zur Marktreife weiterentwickeln oder nicht?

Die Befürworter wollen neue AKW als Rückversicherung, falls der Ausbau erneuerbarer Energien stockt. Das macht doch Sinn.
Das ist ein Bullshit-Argument. Wenn Geld in die Investitionsplanung und Entwicklung von fliesst, fehlt es anderswo. Man kann einen Investitionsfranken nur einmal ausgeben. Schon die Aussicht auf neue AKW behindert den Ausbau der Erneuerbaren. Deshalb ist die Öllobby krass dahinter.

Wie kommen Sie darauf?
Wenn wir AKW bauen, bauen wir weniger erneuerbare Energien aus. Dann kann die Öllobby länger Ölheizungen und Benzin verkaufen. Sie hat grösstes Interesse daran, dass die Erneuerbaren nicht vorwärtskommen.

Nationalraetin Jacqueline Badran, SP-ZH, vom Buendnis 'Nein zu neuen AKW' und weitere Personen uebergeben mehr als 125'000 Unterschriften fuer Referendum gegen Aufhebung des AKW-Neubauv ...
An der Unterschrifteneinreichung am Dienstag in Bern: SP-Vizepräsidentin Jacqueline Badran.Bild: keystone

Sie nennen auch die Blackout-Angst ein Märchen. Weshalb?
Als ich vor 46 Jahren Unterschriften für die zweite AKW-Initiative sammelte, hiess es, ohne AKW könne man sich die Haare nicht föhnen. Heute ist es dasselbe Argument, einfach mit dem Aufladen des Handys. Da wird ein Blackout herbeigeredet, ohne Hand und Fuss.

Und Sie haben einen Plan B, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien langfristig hinter den Zielen zurückbleibt und Stromimporte zeitweise knapp werden?
Ja, Gaskraftwerke hochfahren. Wir haben gerade beschlossen, dafür Notfall-Gaskraftwerke zu bauen. Diesem Backup stimme ich zu. Der ist übrigens enorm viel zuverlässiger als AKWs. Nicht nur die letzten Jahre mussten AKW wegen Sicherheitsmängeln überall runtergefahren werden, auch diesen Sommer wieder, weil das Kühlwasser zu warm war.

Und der CO₂-Ausstoss bei Gaskraftwerken?
Das ist auch nicht schön, klar. Aber wir würden die Gaskraftwerke nur bei einem allfälligen Strommangel betreiben. Wenn wir sie im Winter zwei oder drei Tage in Betrieb nehmen, ist das billig, schnell und zuverlässig. Weil sie höchst selten laufen, produzieren sie auch nicht viel CO₂.

Und was wäre mit den bestehenden AKW: Der Bundesrat hält einen Betrieb von Gösgen und Leibstadt bis zu 80 Jahren für technisch möglich. Würden Sie einen solchen Weiterbetrieb unterstützen, sofern die Sicherheitsanforderungen erfüllt sind?
Wir haben beschlossen, dass wir kein fixes Enddatum wollen. Das ist vernünftig. Ich wollte nie einen Ausstieg mit einem festen Datum wie in Deutschland. Solange die Sicherheit gewährleistet ist, können die AKW weiterbetrieben werden. Die Betreiber müssen beurteilen, ob sich die Investitionen noch lohnen. Und die Aufsichtsbehörde muss sagen, ob die Sicherheit noch gewährleistet ist.

Welche neue Erkenntnis könnte Sie dazu bringen, Ihre Haltung zum Neubauverbot zu überdenken?
Keine einzige. Man investiert nicht in eine extrem teure Technologie, mit der man von teurem und limitiertem Uran vom Ausland abhängig ist, wenn man einheimische Ressourcen wie Wasser, Sonne, Wind hat, die gratis und erst noch unbegrenzt vorhanden sind. Weiter ergibt es auch keinen Sinn, in eine zeitlich begrenzte Hochrisiko-Technologie zu investieren, die einen toxischen Müllberg für hunderte Generationen hinterlässt. Man kann AKW noch so sicher oder effizient bauen: Die Grundprobleme der Atomkraft bleiben bestehen.

Was auch Grüne-Präsidentin Lissa Mazzone zur Unterschrifteneinreichung sagt, siehst du im Video.Video: watson/Elena Maria Müller
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