Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Swedish climate activist Greta Thunberg speaks to journalists during a press conference of the « Fridays For Future Summit » at the University of Lausanne, UNIL, in Lausanne, Switzerland, Monday, August 5, 2019. More than 450 participants from 37 different countries will meet in Lausanne, Switzerland, from 5 to 9 August for the summer gathering of the « Fridays for Future » movement. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Kämpft für eine bessere Welt: Greta Thunberg in Lausanne. Bild: KEYSTONE

Interview

Was ein Protestforscher über das zentrale Problem der Klimabewegung denkt

Simon Teune ist Soziologe an der Technischen Universität Berlin und einer der Mitgründer des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung. Im Interview sagt er, was die Klimabewegung schon erreicht hat – und was nicht.

dominic wirth / ch media



Herr Teune, seit Monaten ist die Klimabewegung in aller Munde. Wie hat sie das geschafft?
Simon Teune
: Es gibt diese Bewegung zwar schon länger, seit einem Jahrzehnt schon kämpft sie gegen die Erderwärmung. Doch dank Fridays for Future und den Klimastreiks spricht sie nun eine neue Generation an. Und sie hat mit den Schulstreiks eine neue Form gefunden, die ihr sehr viel Aufmerksamkeit eingebracht hat.

Bild

Simon Teune bild: https://protestinstitut.eu/uber-das-institut/team/simon-teune/

Das Gesicht von Fridays for Future ist die junge Schwedin Greta Thunberg. Welchen Anteil hat Sie an der neuen Dynamik?
Thunberg ist sehr wichtig, weil sie als Beispiel vorangeht. Sie hat die Angst vor dem Klimawandel greifbar gemacht, weil sie eine klare Sprache gefunden und klar formuliert hat, dass im Kampf gegen den Klimawandel rasch etwas passieren muss. Das hat viele Schüler angesprochen. Daneben hat die breite Berichterstattung der Medien für zusätzliche Dynamik gesorgt. Das hat es für viele interessanter gemacht, sich zu beteiligen.

Kritiker spötteln, viele junge Leute machten bei den Klimademonstrationen nur mit, weil sie so die Schule schwänzen können.
Wer einmal auf einer Demonstration war, der sieht schnell, dass es die jungen Menschen sehr ernst meinen. Die handgemalten Plakate zeigen: sie machen sich Gedanken, was der Klimawandel für die Menschheit bedeutet. Es gibt unterschiedliche Perspektiven, viel Kreativität und Witz.

Soziale Bewegungen gibt es schon länger. Was zeichnet die Klimabewegung aus?
Sie steht in in der Tradition der Umweltbewegung und anderer Bewegungen. Neu ist das wissenschaftlich berechenbare Zeitfenster für ein koordiniertes Handeln gegen die drohende Klimakatstrophe. Dadurch erhält die Bewegung eine andere Dringlichkeit.

Die Klimabewegung erhält, Sie haben es angesprochen, sehr viel Aufmerksamkeit. Was aber hat Sie bisher erreicht, einmal abgesehen von symbolischen politischen Handlungen wie dem Ausrufen des Klimanotstands vielerorts?
Das ist in der Tat ein zentrales Problem der Demonstrierenden. Sie werden zwar beachtet. Sie haben Menschen auf die Strasse gebracht, es geschafft, dass das Thema Klima nun in seiner ganzen Breite diskutiert wird. Doch die Massnahmen, die aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse notwendig wären, sind bisher ausgeblieben. Das zu ändern, ist die grosse Herausforderung für die Klimabewegung.

Es geht für eine Bewegung immer auch darum, ihr Thema und auch das politische Momentum am Leben zu erhalten. Lässt sich das steuern?
Nein. Aber man kann eine Menge dafür tun, dass das Momentum nicht verloren geht. Dafür muss man seine Kräfte einteilen, zusammenarbeiten.

Mit wem?
Umweltorganisationen zum Beispiel oder politischen Parteien. Ich habe den Eindruck, dass es Fridays for Future bisher ganz gut gelungen ist, Ereignisse zu schaffen, über die berichtet wird – wie jetzt den Gipfel in Lausanne. Das machen die sehr clever, trotz ihrer Jugend. Es ist aber auch klar, dass sich diese Dynamik nicht in alle Ewigkeit weiter am Leben erhalten lässt.

Das führt zur Frage, was dereinst bleiben wird von der Bewegung.
Es ist schwierig, dazu eine Prognose abzugeben. Denn hier bewegen wir uns in unkartiertem Gelände. Wir haben es mit einer Situation zu tun, die nicht vergleichbar ist mit anderen Politikfeldern. Das Gelegenheitsfenster, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, schliesst sich rasch. Es kann sein, dass die Politik die Anliegen der Klimademonstranten aufnimmt. Doch dann werden jene Stimmen, die jetzt schon lautstark versuchen, die Proteste zu delegitimieren, sie lächerlich zu machen, noch lauter werden.

Es gibt Klimaaktivisten, die schon jetzt zu radikalen Aktionen greifen, zuletzt gab es auch in der Schweiz mehrere Aktionen, die mit Festnahmen endeten. Droht eine weitere Radikalisierung?
Die Forderungen von Fridays for Future sind in sich radikal, weil sie auf eine grundsätzliche Änderung der Gesellschaft und des Wirtschaftssystems zielen. Wenn die politisch Verantwortlichen keine Massnahmen treffen, die zumindest in die Richtung gehen, ist es absehbar, dass anderen Protestformen an Bedeutung gewinnen werden. Es wäre in der Geschichte der sozialen Bewegungen nicht das erste Mal.

Instagram-Künstler vermischt Kunst, Alltag und Populärkultur

Kenia greift bei der Spielsucht durch

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

23
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Real John Doe 06.08.2019 16:55
    Highlight Highlight Für mich sind zwei Aussagen wichtig:
    1. Er sagt, dank der Streiks erhalte das Thema vermehrt Aufmerksamkeit und werde nun breit diskutiert. Aber wo wird es diskutiert resp. erhält es Aufmerksamkeit? Mein Gefühl sagt, vorallem in Foren und TV News. Auf politischer Ebene habe ich nicht das Gefühl das deshalb mehr darüber gesprochen geschweige denn deswegen gehandelt wird.
    2. Das "am Leben halten" des "hypes". Für mein heutiges Empfinden war es nichts anderes als ein Hype. Kurz vor den Sommerferien noch das Gewissen reinwaschen bevor dann jeder und jede (ausser Greta) mit dem Flugi verreist...
  • Todesstern 06.08.2019 13:27
    Highlight Highlight "Es ist aber auch klar, dass sich diese Dynamik nicht in alle Ewigkeit weiter am Leben erhalten lässt."

    Und genau darauf basiert die kapitalistische Politik, einfach mal warten bis ihnen die Puste ausgeht.
  • HAL9000 06.08.2019 13:09
    Highlight Highlight Auch die vorherige Generation hatte ein Zeitfenster und Deadline... warum haben die damals nichts gemacht?
    Schon komisch...
  • Ohniznachtisbett 06.08.2019 12:39
    Highlight Highlight Das Problem an der "Klimabewegung": Sie ist viel zu links. Es gäbe viele Organisationen und Individuen die beim Thema Klimaschutz die Hand reichen würden: Bauern, Industrien die sich Wachstum durch saubere Technologien versprechen etc. Klimaschutz ist grundsätzlich ein ur-liberales anliegen, denn nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann die Wirtschaft florieren. Die Umwelt ist eine wichtige Rahmenbedingung. Die "Klimajugend" muss endlich aufhören, die Klimafrage mit der sozialen zu vermischen. Anreize für saubere Investitionen etc. wäre zielführend, nicht Grabenkämpfe.
  • No-no 06.08.2019 12:19
    Highlight Highlight Das Problem bei der Bewegung sind die ewigen Doppelstandards die von den links-grünen angewandt werden. Es wird nicht faktenbasiert diskutiert sondern im Gros wird Nonsens wiedergegeben, unabhängig der Faktenlage. Ich bin selber Unternehmer mit einem MSc Grad und analysiere das Thema differenzierter. Auch wenn es gut gemeint ist, es gibt weder zielführende Diskussionen noch Konzepte die langfristig durchdacht sind. Was mich ärgert ist die links-grüne Agenda die den Jungen eingeprügelt wird und sie massgeblich in der Meinungsbildung einschränken. Auch Watson trägt hier dazu bei.
  • elco 06.08.2019 11:48
    Highlight Highlight Die wahre Klimademonstration findet seit Wochen am Flughafen statt.
    • DasGlow 06.08.2019 15:11
      Highlight Highlight Meinen Sie die ganzen 16-25jährigen die bei den Billigfliegern am Schalter stehen? Dass sind keine Demonstranten sondern Kunden ;-)
  • Hier Name einfügen 06.08.2019 11:02
    Highlight Highlight Ich freue mich schon auf die Grüne Armee Fraktion.
  • dorfne 06.08.2019 09:29
    Highlight Highlight Seit Januar gibt es diese grosse Bewegung. Alle reden darüber, passieren tut nix. Im Hintergrund so scheint es, stemmt sich die Erdöl und Autolobby mir allen Mitteln gegen wirksame Massnahmen. Im Gegenteil: der CO2 Ausstoss steigt. 2020 hätte er pro Auto/km nur noch 95 Gr. Betragen dürfen. Ziel verfehlt. Der Ausstoss liegt nach wie vor bei134 Gramm. Nur ein Beispiel. Who cares.
    • Gipfeligeist 06.08.2019 10:48
      Highlight Highlight @dorfne
      Ja, es passiert eindeutig zu wenig. Aber wollen Sie dafür die Klimajugend verantwortlich machen? Wer sitzt den in den Verwaltungsräten von CS & UBS? Wer hält den Stur an den tiefen Benzinpreisen fest? Ganz sicher keine 16-jährigen Demonstranten...
    • dho 06.08.2019 15:35
      Highlight Highlight Es passiert nix? Du weißt schon, dass im Herbst Wahlen sind in unserm schönen Land...
    • mystiker 06.08.2019 16:57
      Highlight Highlight wenig geschichte: Die Punks entstanden unter anderem weil sie einsahen, dass die älter werdende Hippie-Generation sehr wenig geändert hat. Ehemalige Hippies sitzen jetzt noch in den Verwaltungsräten... btw. sassen, dafür ist es jetzt schon fast etwas zu lange her :-P

      Einzusehen dass die eigene Generation die gleichen fehler wiederholt und die gleichen A***** als chef produziert ist deprimierend :-(
  • Rabbi Jussuf 06.08.2019 09:24
    Highlight Highlight Was Teune hier gesagt hat, hätte ich auch erzählen können und noch so einiges mehr.

    Zudem, als Forscher sollte er um einiges neutraler sein.
  • Quacksalber - Fehler beim bearbeiten der Anfrage 06.08.2019 09:22
    Highlight Highlight Es wäre schon viel gewonnen, wenn wenigstens ein paar Natur- und Heimatschützer gegenüber erneuerbaren Energien toleranter würden. Am Gotthard können jetzt wenigstens fünf statt ursprünglich geplant neun Windräder erstellt werden. Und Photovoltaikanlagen auf Hausdächern sind nicht hässlich. So wird das nie etwas.
  • Supermonkey 06.08.2019 07:56
    Highlight Highlight Leider sind diese Kids, ohne es böse zu meinen, zu unerfahren und ungebildet um der Politik und Wirtschaft konkrete Massnahmen vorzulegen. Es braucht doch ein gewisses Verständnis dafür und dies ist nichzmal dem Durchschnittsbürger gegeben. Eine Änderung der Gesellschaft und Wirtschaft zu wollen ist das eine, bei der Umsetzbarkeit werden sich die Klimastreikenden die Zähne bis auf den Kiefer ausbeissen. Den Kapitalismus einfach zu kippen ist nur mit drastischen Länderübergreifenden Reformen möglich. Dabei stehen Millionen Arbeitsplätze und der Wohlstand auf dem Spiel. Wer verantwortet das?
    • Rabbi Jussuf 06.08.2019 12:10
      Highlight Highlight Hätten sie tatsächlich Erfolg, wäre es sofort vorbei mit Klimaschutz. Um das zu wissen braucht man sich nur ein wenig im real existierenden Sozialismus umzusehen. Da hat nämlich keiner mehr die Zeit und Musse, sich um Umweltschutz oder gar Klima zu sorgen. Das sind Luxusprobleme.
    • Fritz N 06.08.2019 14:19
      Highlight Highlight Weil ja Politiker und Ökonomen da so wahnsinnig den Durchblick haben.. lol
  • Tomara 06.08.2019 07:53
    Highlight Highlight Zuerst setzt man sich für Flüchtlinge ein, bis das Desaster vollkommen ist. Dann besinnt man sich plötzlich an die Klimaerwärmung und schon ist das vorher angerichtete Desaster den Politikern überlassen.
    • Fritz N 06.08.2019 14:20
      Highlight Highlight Den Politikern überlassen? hää? Sinn wo bist Du?
  • Saftladen 06.08.2019 07:45
    Highlight Highlight Schade, das Interview fühlt sich eher wie ein Teaser an. Kaum begonnen, ist der Artikel schon vorbei. Dabei hätte Herr Teune bestimmt noch viel Interessantes gewusst.
    • Toni.Stark 06.08.2019 07:57
      Highlight Highlight Ging mir auch durch den Kopf.
    • P. Silie 06.08.2019 09:26
      Highlight Highlight Ein kurzer Blick auf das Photo des Herrn Teune zeigt einen Sympathisanten der da selbst mitmacht :)
    • Rabbi Jussuf 06.08.2019 12:12
      Highlight Highlight P.Silie
      Genau. Damit ist ihm ein klarer Blick auf die "Bewegung" verstellt und er sollte nicht "Forscher" genannt werden.

Interview

Warum der Applaus nicht reicht: «Die Bedingungen in der Pflege müssen sich verbessern»

Am Freitagmittag applaudierte die ganze Schweiz für das Gesundheitspersonal, das in der Corona-Krise wichtiger ist denn je. Die Geschäftsführerin des Schweizer Verbands der Pflegefachpersonen erhofft sich, dass nun ihre jahrelangen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen endlich erhört werden.

Frau Ribi, heute Mittag hat die Schweiz für das Gesundheitspersonal applaudiert. Rührt Sie das?Yvonne Ribi: Ja, das rührt mich und im Namen des Pflegepersonals danken wir ganz herzlich dafür. Ganz wichtig ist aber, dass die Bevölkerung uns jetzt unterstützt, in dem sie zuhause bleibt, soziale Kontakte meidet und die Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit befolgt.

Was haben die Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner in den letzten Wochen geleistet?Viele erleben, dass ihr Berufsalltag …

Artikel lesen
Link zum Artikel