Schweiz
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Blick in eine Bar am Samstag, 14. Maerz 2020 in Bellinzona. Der Bundesrat verordnete am Freitag, 13. Maerz 2020 wegen der Coronavirus-Pandemie weitereichende Einschraenkungen des oeffentlichen Lebens und der Kanton Tessin wird ab Montag neue kantonale Richtlinien erlassen, welche oeffentliche Einrichtungen, die nicht unbedingt notwendig sind, verbieten will. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Blick in eine Bar in Bellinzona: Noch tüfteln viele Betriebe an der Wiedereröffnung am 11. Mai – und der Umsetzung der nötigen Schutzkonzepte. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Interview

Bars mit Gondeli: So bereiten sich die Barbetriebe auf die Wiedereröffnung vor

Sie sind die ersten, die schliessen mussten und wohl die letzten, die wieder öffnen dürfen: Die Clubs. Weshalb jetzt Kreativität gefordert ist, warum bald Seilbahn-Gondeli in diversen Bars stehen könnten und wie der Gastrosommer 2020 wird, beantwortet Max Reichen vom Berner Verein der Bar- und Clubbetriebe im Interview.



Herr Reichen, vermissen Sie es, in einer Bar ein Bier zu trinken?
Auf jeden Fall, ich glaube da geht es vielen Menschen aktuell gleich.

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In einer Mitteilung fordern Sie Planungssicherheit und «keine Haurucklösungen» von der Politik. Hat die Clubszene Angst vor einer zu raschen Öffnung?
Unser Geschäftsmodell ist die soziale Nähe. Clubs und Social Distancing funktioniert nicht. Kaum jemand kann einen Club kostendeckend betreiben, wenn die Anzahl Gäste beschränkt werden muss. Falls wir wieder öffnen können, müssen wir das auch tun, um den Anspruch auf Kurzarbeit zu behalten. Für uns macht es deshalb rein finanziell gesehen mehr Sinn, geschlossen zu bleiben.

«Unser Geschäftsmodell ist die soziale Nähe.»

Würden sich die Leute überhaupt ans Social Distancing halten, in einer dunklen Bar nach Mitternacht?
Es ist illusorisch zu denken, dass Leute an einem Konzert in einem Club wirklich zwei Meter nebeneinander stehen bleiben. Die Leute wollen soziale Nähe, das macht einen Teil des Nachtlebens ja aus. Logisch würden wir nichts lieber tun, als unsere Tore wieder zu öffnen. Wir wissen aber auch, was in Ischgl passiert ist; Wir bleiben vorsichtig. Niemand will nach der Öffnung direkt in die zweite Welle stolpern. Den Zeithorizont müssen die Gesundheitsbehörden vorgeben.

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Max Reichen ist Co-Präsident der Berner Bar- und Clubkommission Bern. (Buck) bild: zvg

Gastrobetriebe können früher als angekündigt öffnen. Viele arbeiten nun unter Zeitdruck an den Schutzkonzepten. Würden so kurzfristige Öffnungspläne auch bei den Clubbetrieben funktionieren?
Wir brauchen mindestens vier Wochen Vorlaufzeit. Bei kleinen Bars, wo zwischen 30 bis 40 Leute Platz haben, ist der Betrieb schnell hochgefahren. Bei grösseren Betrieben wie etwa dem Bierhübeli in Bern oder dem Plaza in Zürich geht das nicht von heute auf morgen. Da stehen enorm viele Zulieferer dahinter.

«Wir brauchen mindestens vier Wochen Vorlaufzeit.»

Was ist eigentlich bei den Barbetrieben der aktuelle Stand? Wird man am kommenden Montag auch an den Bartresen des Landes wieder bedient werden?
Das steht aktuell in der Schwebe. Es gibt so viele unterschiedliche Bars, viele haben nicht viel mehr als einen Bartresen als Interieur. Hier stellt sich die Frage, ob diese die nötigen Schutzkonzepte umsetzen können.

Und, können Sie?
Es braucht sicherlich viel Kreativität. Doch die ist vorhanden. Wie überall werden Plexiglasscheiben und Absperrungen zum Einsatz kommen. Weil die Gäste sitzen müssen, sind kreative Lösungen gefragt. In die eine oder andere Bar könnten zum Beispiel Seilbahn-Gondeli gestellt werden, damit der nötige Abstand zwischen den Gästen gewährleistet ist.

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Ein bisschen Italianità in der Schweiz: Ungefähr so stellt sich Max Reichen den Sommer in der Schweiz vor. bild: unsplash

Wie sieht es mit den Öffnungszeiten aus? Gibt es da bereits Vorschriften? Werden die Bars ab Montag bis tief in die Nacht hinein geöffnet bleiben?
Das ist eine gute Frage. Dazu haben wir, Stand jetzt, noch keine Informationen. Ich kann mir aber vorstellen, dass darüber noch diskutiert wird. Natürlich besteht das Risiko, dass die Social-Distancing-Disziplin in der Nacht plötzlich nicht mehr so da ist. Aber ich fände es wichtig, diesen Vertrauensvorschuss zu geben. Unsere Betriebe müssen Lösungen aufzeigen können.

«Es ist illusorisch zu denken, dass sich die Leute an einem Konzert wirklich an die zwei Meter Sicherheitsdistanz halten.»

Glauben Sie, dass die Bars ab Montag wieder rege besucht werden?
Ich glaube, das Bedürfnis ist sicher da. Aber natürlich wird es in der Berner Aarbergergasse oder auch an der Zürcher Langstrasse nicht sofort aussehen wie vor der Krise. Wir müssen flexibel auf die Nachfrage reagieren.

Zusammen mit ihrem Co-Präsidenten Tom Berger versuchen Sie, den Berner Bars und Restaurants mehr Platz im öffentlichen Raum zu verschaffen. Das würde vor allem kleineren Betrieben helfen.
Ich denke dabei immer an eine italienische Piazza, ein grosser Platz und die Betriebe rundherum dürfen ihre Terrassen vergrössern. In Bern sind es vielleicht ein paar Gassen, die temporär für den Autoverkehr gesperrt werden müssten und Platz für eine Aussenbestuhlung bieten könnten. Aber auch in den Quartieren braucht es mehr Platz, damit die Innenstadt nicht überfüllt wird.

Ist dieser Plan realistisch?
Der Prozess läuft. In der Stadt Bern stossen wir auf sehr viel Goodwill. Ich bin positiv gestimmt. Klar, wir alle müssen Zugeständnisse machen. Die Betriebe aber auch die Anwohner. Der Sommer 2020 mit Corona stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Gerade in den Städten braucht es mehr Toleranz und Offenheit, so dass eine friedliche Koexistenz unter allen Anspruchsgruppen möglich ist.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bossac 06.05.2020 11:16
    Highlight Highlight Interessant Einblick. Bin ja mal gespannt, wie das mit Social Distancing aussehen wird, falls die Leute anfangen auch mal wieder eIn bisschen über den Durst zu trinken.
  • Antichrist 06.05.2020 10:52
    Highlight Highlight Die ganzen Schutzkonzepte sind völliger Schwachsinn. So kommt die Wirtschaft nicht auf die Beine. Es steckt sich ja aktuell niemand mehr an, wieso soll man nun so übervorsichtig sein? Der Staat kann seinen Bemutterungs- und Bevormundungsmodus nun schnell beenden.
  • Max Dick 06.05.2020 09:34
    Highlight Highlight Sehr gutes Interview. Einer der nicht einfach jammert, sondern sich mit der Krise abgefunden hat und jetzt das Optimum herausholen will.
    • lilie 06.05.2020 10:01
      Highlight Highlight @Max Dick: Bin auch positiv überrascht! Als Präsident wird er zudem positive Signale in die Branche geben können und vielleicht man einem Mitglied einen Fingerzeig geben können, was auch noch möglich wäre, wo die Leute selber nicht weiterkommen.

      Kreativität ist jetzt überall gefragt. Und am Ende kommt uns das doch allen zu gut, weil wieder viel mehr möglich ist, auch unter Einhaltung der Massnahmen.
  • Notabik 06.05.2020 09:17
    Highlight Highlight Aber auch in den Quartieren braucht es mehr Platz, damit die Innenstadt nicht überfüllt wird. Das sagt Herr Reichen. Typisch für unser Land ist die Tatsache, dass gute Locations sehr schnell überfüllt sind. Das gilt für Restaurants, Bars, aber auch Seeufer oder Wandergebiete.
  • Gondeli 06.05.2020 08:38
    Highlight Highlight Die Schlagzeile verwirrt mich...
  • hüttechäs 06.05.2020 08:34
    Highlight Highlight Gassen in der Innenstadt für den Autoverkehr sperren und die Aussenbestuhlung vergrössern.

    Können wir nach Corona gleich beibehalten!
  • soulpower 06.05.2020 07:38
    Highlight Highlight Alles schön und gut, die Menschen sollen das Leben wieder geniessen können unter Einhaltung der Massnahmen zur Verhinderung der Verbreitung vom Virus. Jetzt müssen wir nur noch schauen, dass wir all den Menschen solidarisch helfen können, welche von der Situation sehr betroffen sind und durch die sozialen Netzwerke fallen, dann können alle das Leben wieder einigermassen geniessen, das wäre doch schön...
    • Max Dick 06.05.2020 09:33
      Highlight Highlight Dann melde dich doch bei einer Hilfsorganisation, statt den Mittwochmorgen mit Kommentarschreiben zu verbringen. Wenns so schlimm im Lande ist, dann können die dich sicher gebrauchen.

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(ek/sim)

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