Schein-Studierende kassieren in Basel Tausende Franken
Clara B. (Name geändert) ist eine typische Schatten-Studentin. Die heute 25-Jährige schrieb sich vor einigen Jahren an der Universität Basel für das Master-Studium ein – vor Ort war sie aber im Jahr nach der Einschreibung nie. Nach ihrem Bachelorabschluss griff sie auf einen Trick zurück, welcher der Generation Z inzwischen altbekannt ist. Man immatrikuliert sich an der Uni und sendet die Bestätigung davon bei der SVA ein – oder, wenn man zuhause wohnt, reichen die Eltern die Anerkennung beim Arbeitgeber ein.
Als Gegenleistung erhält man Subventionen – diese können vom 16. bis zum 25. Altersjahr in Anspruch genommen werden. Clara zahlte demnach ihre 850 Franken an Semestergebühren bei der Uni ein und war somit nach ihrem Bachelor-Abschluss immer noch offiziell Studierende – zumindest auf dem Papier. Zudem wohnte sie noch zuhause, weshalb ihre Eltern während des Semesters Ausbildungszulagen für Clara bekamen. Je nach Kanton erhalten die Eltern dafür 325 bis 400 Franken pro Monat.
Rechnet man das auf ein Jahr aus, springt ein schöner Gewinn heraus. Nach nicht mal drei Monaten sind die Einnahmen für die Semestergebühr wieder reingeholt und die restlichen Dreiviertel des Jahres wird davon profitiert. «Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass sich das gelohnt hat», sagt Clara und muss schmunzeln.
Die Vorteile rund ums Studierendenleben
Nach dem Bachelor startete sie demnach nicht das Studium, sondern ein Praktikum, bei welchem sie nicht sonderlich gut verdient hat – und weil das nicht bei ihrem Wohnort lag, war sie auf ein teures GA angewiesen – also ohne Ausbildungszulagen mehr Ausgaben als tatsächliche Einnahmen. Da sie aber immer noch offiziell als Studentin galt, erhielt sie auch die üblichen Vergünstigungen.
Gratis Unisport, vergünstigte Angebote des Fitnessabos, diverse Kurse, Vorteile in der Gastronomie oder im Ausgang. Das sind alles Bereiche, in welchen die Studierenden Rabatte erhalten. Doch ein weiterer spannender Punkt findet sich in der Vermietung der Studierendenwohnungen. Wer an der Uni Basel eingeschrieben ist, darf grundsätzlich auch von sogenannten Studierendenwohnungen und -zimmern profitieren. Die meisten werden vom Verein für Studentisches Wohnen (WoVe) oder von einzelnen Wohnheimen angeboten.
«Bevor wir ein Zimmer vermieten, muss eine Ausbildungsbestätigung vorgelegt werden», schreibt Annette Vonder Mühll vom WoVe auf Anfrage. Clara hat davon zwar nicht profitiert – doch was passiert, wenn man sich als Schatten-Studierende auf eine solche Wohnung bewerben würde? «Ich gehe davon aus, dass dies in Basel in seltenen Fällen zutrifft», sagt Vonder Mühll. In anderen Städten, in denen die Wohnungsnot grösser ist, habe man vermutlich häufiger mit diesem Missbrauch zu kämpfen. Die genaue Zahl der Schein-Studierenden bleibt jedoch vage.
Nach dem Abschluss des Studiums passiert Folgendes: Die Mieterinnen und Mieter müssen nicht sofort am Tag des Abschlusses ausziehen. Der WoVe schreibt ausdrücklich, dass bei Abschluss, Abmeldung oder Unterbruch der Ausbildung «das Mietverhältnis je nach Vertrag mit einer Frist von zwei oder drei Monaten zu kündigen ist.» Länger darf und kann man also rein theoretisch nicht davon profitieren.
«Die Uni macht wohl eher Profit»
Die Universität habe sich bezüglich ihrer Schein-Anmeldung nie bei ihr gemeldet, sagt Clara. Ob die Uni nicht dahinterkommt, ist nicht bekannt. Clara meint jedoch: «Vor allem in Fächern, wo man sehr wenig mit den Studierenden zu tun hat, fällt das nicht ins Gewicht.» Der finanzielle Schaden mit den Unterstützungsgeldern an die Schein-Studierenden bleibt dabei nicht an der Universität hängen, sondern bei der Familienausgleichskasse – und damit letztlich beim Sozialversicherungssystem.
Nicht zu vergessen ist jedoch: Die Universität stellt Personal, Immobilien und Material zur Verfügung, heizt und kühlt ihre Gebäude und organisiert den Unisport. Sie nimmt demnach zwar die Studiengebühren ein, muss dafür aber auch Leistungen und Infrastruktur bereitstellen. «Trotzdem macht die Uni wohl eher Profit als Defizit», sagt Clara.
Clara konnte sich gewissermassen durch ein System dribbeln, in dem der angegebene Status mehr zählt als das, was tatsächlich passiert. Denn auf dem Papier Studentin oder Student zu sein, ist schliesslich etwas anderes, als wirklich zu studieren. (schweizheute.ch)
