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Chinese stach auf Kinder in Zürich ein, hatte Tat mit ChatGPT geplant

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Ein bewaffneter Polizist bewacht am 1. Oktober 2024 die Kita in Zürich-Oerlikon, in der der mutmassliche Täter auf Kinder einstach.Bild: KEYSTONE

Chinese stach auf Kinder in Zürich ein – er hatte die Tat mit ChatGPT geplant

Ein chinesischer Nationalist griff drei Buben auf der Strasse an. Er fühlte sich in der Schweiz nicht respektiert. Wie erklärt er sich vor Gericht?
17.09.2026, 05:3817.09.2026, 05:38
Andreas Maurer
Andreas Maurer

Eine Gruppe Kindergartenkinder spazierte am Mittag in Zweierreihen zu ihrem Hort in Zürich-Oerlikon. Plötzlich tauchte ein 23-jähriger Chinese auf und stach mit einem Messer auf die Kinder ein. Drei fünfjährige Buben verletzte er schwer.

Eine Betreuerin packte den Angreifer von hinten an den Armen und hielt ihn fest. Als er bemerkte, dass er sich nicht losreissen konnte, warf er sein Messer weg und ergab sich.

Der Angriff auf zufällige Kinder erschütterte die Schweiz am 1. Oktober 2024. Jetzt steht der Mann vor dem Bezirksgericht Zürich. Dieses arbeitet die speziellen Hintergründe der Tat auf.

Was deutet auf ein ideologisches Motiv hin?

Der Chinese kam im August 2023 als Masterstudent in Computerlinguistik nach Zürich. Nachbarn beschrieben ihn als unauffälligen Einzelgänger.

Police officers during an operation outside an after-school care facility in Zurich Oerlikon, Switzerland, on Tuesday, October 1, 2024. A 23-year-old man attacked a group of after-school children with ...
Drei fünfjährige Buben wurden durch den Messerangriff des Chinesen schwer verletzt.Bild: KEYSTONE

Anfangs freute er sich auf Instagram über die schönen Seiten der Schweiz. Im September 2024 kippte der Ton seiner Beiträge. Er empörte sich über einen Anlass an der Universität Zürich zur Souveränität Taiwans und schrieb: «Schande über Taiwans Unabhängigkeit. Taiwan gehört zu China.»

Minuten vor der Tat veröffentlichte er einen Beitrag, in dem er eine Frau zuerst verehrte und dann sexuell herabsetzte. Er liebe sie so glühend wie die Kommunistische Partei. Den Text unterlegte er mit patriotischer Marschmusik.

Seinen Landsleuten wünschte er einen schönen chinesischen Nationalfeiertag. Diesen Tag wählte er für seine Tat in Zürich.

Gemäss der Staatsanwaltschaft fühlte er sich in der Schweiz nicht respektiert und zunehmend unglücklich. Er habe aus «blosser Rachsucht» und «wahnhaft-ideologischer Verblendung» gehandelt. Er habe die Schweizer Gesellschaft schockieren und verunsichern wollen.

Welche Rolle spielte ChatGPT?

Die Staatsanwaltschaft betont die minutiöse Tatplanung. Anfang August 2024 fragte er ChatGPT, mit welchen juristischen Konsequenzen eine Person rechnen muss, die Zufallsopfer mit einem Messer tötet. Er diskutierte unterschiedliche Tatvarianten.

Die Antworten von ChatGPT sind nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass die künstliche Intelligenz die Folgen bei einem Angriff auf Kinder als besonders schwer einstufte. Normale Menschen würde das abschrecken.

Der junge Chinese bestellte sich ein Messerset, studierte anatomische Darstellungen und übte Messerstiche an einem Stück Rindfleisch.

Was deutet auf eine Psychose hin?

Psychiater Elmar Habermeyer diagnostizierte gemäss NZZ eine akute psychotische Störung, zog aber auch eine Depression mit beeinträchtigtem Realitätsbezug in Betracht. In den drei Wochen vor der Tat habe der junge Mann Stimmen gehört. Fazit: Er sei nicht steuerungsfähig gewesen. Seine Schuldfähigkeit sei schwer eingeschränkt.

Welche Fälle sind vergleichbar?

Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2019 in Basel: Eine 75-jährige Schweizerin erstach einen ihr unbekannten siebenjährigen Buben auf dem Heimweg von der Schule. Wegen einer schweren wahnhaften Störung erklärte das Gericht sie für schuldunfähig und verwahrte sie.

Mit einem Fall in China beschäftigte sich der Beschuldigte gemäss NZZ intensiv: Am 18. September 2024 stach ein 44-jähriger Chinese in Shenzhen auf einen zehnjährigen japanischen Buben ein, der auf dem Weg zur Schule war. Das Kind starb am folgenden Tag. Ein chinesisches Gericht verurteilte den Angreifer später zum Tod. Laut Urteil wollte er mit der Tat Aufmerksamkeit im Internet erregen.

Wie häufig sind chinesische Beschuldigte?

Sehr selten. Die Kriminalitätsrate der chinesischen Wohnbevölkerung in der Schweiz ist tiefer als jene der Schweizer Bevölkerung. Im vergangenen Jahr beschuldigte die Polizei 0,13 Prozent der chinesischen Staatsangehörigen eines Gewaltdelikts. Bei den Schweizerinnen und Schweizern lag der Wert bei 0,15 Prozent.

Was muss das Gericht entscheiden?

Der Beschuldigte ist geständig. Das Gericht muss klären, ob er sein Handeln trotz der psychotischen Störung steuern konnte. War er voll, vermindert oder gar nicht schuldfähig? Davon hängen die Strafe und eine therapeutische Massnahme ab.

++ Update folgt ++ (schweizheute.ch)

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