Wer aufräumt, wer streitet und wo Chaos herrscht – so ordentlich ist die Schweiz
Was machen Schweizerinnen und Schweizer als Erstes, wenn sie nach Hause kommen? Wie ordentlich sind sie wirklich? Wo stapelt sich die Unordnung, und wer räumt sie am Ende weg? Und worüber wird in den eigenen vier Wänden eigentlich am häufigsten gestritten?
Nach dem ersten Wohnmonitor im letzten Jahr hat Ikea zusammen mit dem Forschungsinstitut Sotomo erneut einen Blick in die Schweizer Wohnungen geworfen. Diesmal geht es vor allem um Ordnung. Dafür wurden vom 13. bis 30. April 2026 2410 Personen aus der ganzen Schweiz befragt. Das sind die spannendsten Resultate:
Daheim ankommen
Wer nach Hause kommt, lässt den Alltag Schritt für Schritt hinter sich, und zwar fast alle auf dieselbe Weise. 92 Prozent ziehen als Erstes die Schuhe aus. Sechs von zehn legen den Schlüssel an seinen Platz, gut die Hälfte zieht sich um oder wäscht sich die Hände. Fast jede zweite Person «aktiviert» zudem die Wohnung: Sie lüftet, räumt kurz auf oder schaltet Musik oder den Fernseher ein.
Die Aussenwelt wird dabei nicht ganz ausgesperrt. Nur jede zweite Person schliesst die Türe nach dem Heimkommen gleich ab. Bei Alleinlebenden sind es knapp zwei Drittel, in Familien nur vier von zehn. Offenbar fühlt man sich mit mehr Menschen im Haus sicherer, oder es kommt ohnehin gleich noch jemand nach Hause.
Beim Händewaschen gibt es einen deutlichen Stadt-Land-Graben: In den grösseren Städten waschen sich drei Viertel direkt nach dem Heimkommen die Hände, auf dem Land nicht einmal die Hälfte. Neue Kleider werden überall etwa gleich häufig angezogen, und zwar fast immer aus Bequemlichkeit (89 Prozent). Hygienische Gründe nennen vor allem Grossstädterinnen und Grossstädter (44 Prozent).
Die eigentliche Grenze zwischen draussen und drinnen ist das Bett. Für 56 Prozent ist es ein absolutes Tabu, sich in Strassenkleidern daraufzusetzen oder -zulegen. Die Jüngeren sehen das deutlich lockerer: Ein Viertel der 18- bis 35-Jährigen tut es ständig, nur gut ein Drittel nie. Bei den über 55-Jährigen ist es für sieben von zehn tabu.
Zur Ruhe kommen
Wie schon im letzten Jahr gilt: Zu Hause ist es am schönsten. 95 Prozent sind gerne oder sehr gerne daheim. Am besten abschalten kann man auf dem Sofa. Vier von fünf entspannen sich dort, deutlich mehr als auf dem Balkon oder im Bett.
Manchmal klappt das Entspannen etwas zu gut. Jede vierte Person schläft mindestens einmal pro Woche ungeplant auf dem Sofa ein. Bei den über 55-Jährigen ist es ein Drittel, in der italienischen Schweiz 37 Prozent.
Ganz still ist es dabei selten. Nur 27 Prozent geniessen zu Hause bewusst die Stille. Was im Hintergrund läuft, hängt stark von der Sprachregion ab: In der Deutschschweiz sind es Musik und Radio, in der Romandie Musik. In der italienischen Schweiz läuft in fast jedem zweiten Haushalt der Fernseher.
Ordnung im System
Das Klischee stimmt: Die Schweiz ist ordentlich. Zwei Drittel fühlen sich zu Hause nur wohl, wenn alles aufgeräumt ist und nichts herumliegt. Fast genauso viele sagen, dass es bei ihnen im Alltag tatsächlich so aussieht. Anspruch und Realität liegen also nahe beieinander.
Für die angestrebte Ordnung wird regelmässig aufgeräumt: Sechs von zehn räumen mindestens einmal pro Woche systematisch auf. Knapp die Hälfte räumt zwischendurch auch «behelfsmässig» auf und schiebt das Aufräumen bewusst raus. Das hängt vom stark Alter ab: Junge räumen eher behelfsmässig auf, Ältere eher systematisch.
Am ordentlichsten ist es in Schweizer Haushalten in der Küche: In 86 Prozent der Küchen hat fast alles seinen festen Platz, im Wohnzimmer sind es 76 Prozent. Ausgerechnet beim Vorratsschrank fehlt aber oft der Überblick. Nur die Hälfte weiss genau, welche Lebensmittel darin liegen. Bei Alleinlebenden sind es zwei Drittel, in Familien weniger als die Hälfte. Was nie fehlen darf, ist dagegen klar: Milch, Butter, Käse und Eier.
Vorbildlich ist die Schweiz beim Recycling: Zwei Drittel haben ein geordnetes Sammelsystem für alle Wertstoffe. Wer im eigenen Haus wohnt, ist besser organisiert (79 Prozent) als wer zur Miete wohnt (54 Prozent). In Mietwohnungen steht das recyclete Material meist in der Küche, im Einfamilienhaus im Keller oder in der Garage.
Wo das Chaos wohnt
Ganz ohne Unordnung kommt aber kaum jemand aus. Nur 23 Prozent sagen, es falle ihnen nirgends schwer, Ordnung zu halten. Die Problemzonen liegen dort, wo Besuch selten hinschaut: im Keller und im Reduit.
Aufgeschoben wird vor allem der Papierkram. Bei der Hälfte bleiben Dokumente und Post liegen, bei 43 Prozent digitale Dateien. Bei den 18- bis 35-Jährigen schieben sogar fast sieben von zehn die Post auf. Ein Drittel lässt auch den Koffer nach den Ferien erst einmal eine Weile stehen.
Selbst das Chaos folgt aber einem System. Kleider, die nicht mehr frisch, aber noch nicht schmutzig sind, landen bei 58 Prozent auf einem Stuhl oder Sessel. Dort liegen bei Frauen im Schnitt 4,2 Stücke, bei Männern 3,4.
Fast schon Standard ist die Chaos-Schublade. Drei Viertel der Haushalte haben eine, mehr als ein Drittel sogar mehrere, Familien am häufigsten. Sentimental ist sie nicht: Darin landen vor allem Kabel, Batterien und Büromaterial.
Was selten gebraucht wird, verschwindet im Keller (70 Prozent). Dort liegen vor allem saisonale Dinge wie Skis und Weihnachtsdeko, aber auch Erinnerungsstücke. Am wichtigsten sind dabei Fotos: Für ein Drittel sind sie der wertvollste Gegenstand, den sie verstaut haben. Das Ausmisten bleibt hingegen oft ein guter Vorsatz: 55 Prozent nehmen sich mindestens einmal pro Jahr vor, den Keller oder Estrich zu entrümpeln. Tatsächlich tun es nur 38 Prozent.
Zusammenleben unter einem Dach
Wo mehrere Menschen zusammenleben, wird Ordnung – oder Unordnung – schnell zur Verhandlungssache. Sie ist das Thema, das zu Hause am häufigsten zu Spannungen führt. Bei einem Viertel gibt es deswegen wöchentlich Diskussionen, bei mehr als der Hälfte mindestens monatlich. Sauberkeit, die Aufteilung der Haushaltsarbeit und die Mediennutzung folgen mit leichtem Abstand.
Frauen und Männer haben dabei nicht ganz dieselben Ansprüche. Alleinlebende Frauen sagen häufiger als alleinlebende Männer, dass es bei ihnen meist aufgeräumt ist (67 gegenüber 58 Prozent). Wohnen sie mit einem Partner zusammen, sinkt dieser Wert auf 59 Prozent. Bei den Männern ändert sich praktisch nichts.
Wer zu Hause aufräumt, wirf von Frauen und Männern sehr unterschiedlich wahrgenommen: Zwei Drittel der Männer in einer Paarbeziehung finden, beide räumen gleich viel auf. Bei den Frauen sehen das nur 40 Prozent so. 57 Prozent sagen, sie räumen hauptsächlich selbst auf. Dass vor allem der Mann aufräumt, sagen nur 3 Prozent der Frauen.
Entsprechend ärgern sich Frauen häufiger über die Unordnung der anderen Haushaltsmitglieder: 37 Prozent tun das mindestens wöchentlich, bei den Männern sind es 28 Prozent.
Manche schaffen Ordnung auch auf eigene Faust: Ein gutes Drittel hat schon einmal heimlich Sachen anderer Haushaltsmitglieder weggeworfen, weil diese sich nicht davon trennen konnten. Bei den Frauen ist es fast jede zweite, bei den Männern gut jeder vierte.
Und heimlich wird nicht nur ausgemistet, sondern auch versteckt. Ein Drittel der Menschen, die mit anderen zusammenleben, versteckt etwas vor den Mitbewohnenden, in Familien sind es 41 Prozent. Dort sind es am häufigsten intime Gegenstände (51 Prozent), aber auch beliebte Snacks und Süssigkeiten (35 Prozent).
Kinder und Ordnung
Am schwierigsten wird es mit kleinen Kindern, Ordnung zu halten. In knapp zwei Dritteln der Familien mit Kindern unter sieben Jahren ist es im Alltag meist nicht aufgeräumt. In Haushalten ohne Kinder trifft das nur auf drei von zehn zu. Je älter die Kinder werden, desto mehr Ordnung kehrt zurück.
Am meisten diskutiert wird aber nicht mit den Kleinsten. In Familien mit Kindern zwischen 7 und 13 Jahren gibt es bei fast drei Vierteln mindestens wöchentlich Diskussionen wegen herumliegender Spielsachen. Bei Teenagern ist das Thema weitgehend erledigt: Sie räumen ihre Sachen überwiegend selbst weg (63 Prozent). Bei den Kleinen räumen Kinder und Eltern meist zusammen auf.
Bevor die Türe zugeht
Irgendwann geht es wieder hinaus aus den eigenen vier Wänden, dann wird die Wohnung «stillgelegt». 93 Prozent schliessen die Türe ab, 85 Prozent löschen überall das Licht, drei von zehn machen einen Kontrollgang. 36 Prozent werfen vorher noch einen Blick auf die Wetterprognose. Bei den 18- bis 35-Jährigen und in den grösseren Städten ist es etwa jede zweite Person.
- Befragung zeigt: Jede sechste Person gibt in der Schweiz zu viel Geld fürs Wohnen aus
- So oft zügeln Schweizerinnen und Schweizer in ihrem Leben im Schnitt
- Vier Zimmer, zur Miete und unter 100 Quadratmeter – so wohnt der Schweizer Durchschnitt
- Wer den Haushalt schmeisst und Tabus am Esstisch – so wohnt und kocht die Schweiz
