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Fast jede zweite Person hat Sexfantasien: Manuel spricht darüber

Peniskäfig
Immer mehr Männer tragen einen Keuschheitskäfig. bild: watson/shutterstock

«Eigentlich ist ein Peniskäfig sehr romantisch»

Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung hat ungewöhnliche sexuelle Interessen. Die meisten reden nie darüber. Manuel schon – auch weil sein Fetisch immer populärer wird.
26.07.2026, 04:2026.07.2026, 04:20

Die Erinnerung trifft ihn manchmal völlig unerwartet. Im einen Moment hat er noch eine E-Mail abgeschickt, im nächsten fällt ihm wieder ein, dass sein Penis eingesperrt ist. Seit drei Wochen schon. Und dass der Schlüssel, um ihn zu befreien, in fremden Händen liegt.

Manuel* arbeitet als Führungskraft, verantwortet rund 150 Mitarbeitende und beschreibt sich als extrovertiert. Dass er in seinem Privatleben gerne unterwürfig ist, würde kaum jemand vermuten. «Wenn du mich auf der Strasse treffen würdest, wäre das Letzte, woran du denken würdest, dass ich sexuell submissiv bin.» Dann lacht er. «Ausser vielleicht eine dominante Frau. Die würde es vielleicht merken.»

Manuel ist seit über 30 Jahren Teil der Peniskäfig-Szene. Lange sprach er mit fast niemandem darüber. Erst nach und nach lernte er, seine sexuellen Vorlieben zu akzeptieren und sich nicht mehr dafür zu schämen.

Der selbstgebaute Käfig

Manuel ist heute 54 Jahre alt, doch er weiss noch genau, wie alles begann. Es war Ende der 1980er-Jahre, er war 16-jährig, Pornografie gab es nur auf Papier und das Internet existierte noch nicht. In einem Erotikmagazin entdeckte er einen Erfahrungsbericht einer Frau, die beschrieb, wie sie ihren Partner eine Woche lang in einen Keuschheitskäfig gesperrt hatte – genauer gesagt seinen Penis. Nachdem sie ihn wieder befreite, schrieb sie, sei der Sex überwältigend gewesen.

Manuel erinnert sich noch heute an seinen ersten Gedanken: «Wie wäscht man das Ding?» Den zweiten auch: «Das ist unglaublich heiss.»

Das Magazin verlor er irgendwann. Die Fantasie nicht.

Wer heute nach «Peniskäfig» sucht, findet Millionen Treffer. Auf Reddit diskutieren Zehntausende, Schweizer Onlinehändler verkaufen jährlich Tausende Exemplare, auf Pornoplattformen ist das Thema immer grösser. Doch damals gab es nichts davon. Und so tat Manuel, was Menschen in solchen Situationen tun: Er half sich selbst.

«Ich schraubte das Siphon unter dem Waschbecken auseinander, schnitt das gebogene Rohr heraus und bohrte zwei Löcher hinein.» Er hält kurz inne. «Es war natürlich kein schöner Peniskäfig. Aber allein der Gedanke, dass ich mich jetzt nicht mehr so leicht selbst berühren kann – das war unglaublich erregend.»

Erst Jahre später brachte ein Hersteller mit dem CB2000 einen günstigen Kunststoffkäfig auf den Markt. Trotzdem blieb der Fetisch lange etwas, das Manuel nur alleine auslebte – und mit sich selbst ausmachte.

Peniskäfig
Peniskäfig: So sieht eine modernere Version davon aus. Bild: zVg

Einsamer Fetisch

«Ich lernte früh meine Partnerin kennen, mit der ich heute noch zusammen bin», sagt Manuel. Sie fand nichts Schlimmes an seinem Fetisch, aber sie wollte auch nichts damit zu tun haben. Also schloss Manuel den Käfig für sich selbst ab. Ein paar Tage, dann nahm er ihn wieder ab.

«Natürlich ist das nicht dasselbe», sagt er. Man könne sich ja jederzeit selbst befreien. Und der Reiz beginne genau dann, wenn man die Kontrolle abgebe.

Mehrere Jahre lebte er mit einer Fantasie, über die er kaum sprach und die er mit niemandem teilen konnte. «Das Schwierigste war die Einsamkeit.» Manchmal habe er sich gefragt, weshalb er überhaupt so empfinde. «Ich dachte: Warum mache ich diesen verrückten Scheiss eigentlich?»

Erst als in den 1990er-Jahren das Internet grösser wurde, änderte sich etwas. Manuel stiess auf eine Website, auf der Menschen über Keuschhaltung schrieben. Manche veröffentlichten Fantasiegeschichten, andere erzählten offen von ihrem eigenen Leben. «Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl: Ich bin gar nicht allein.»

Peniskäfig
Keuschheitsfetisch: im Trend.Bild: zVg

Gemäss einer repräsentativen Studie der ZHAW aus dem Jahr 2024 interessieren sich 46,4 Prozent der Bevölkerung für mindestens eine paraphile Fantasie – also eine sexuelle Vorliebe, die vom gesellschaftlichen Konsens abweicht. Knapp jede fünfte Person nannte masochistische oder sadistische Praktiken, jede zehnte Fetischismus. Die Forschenden hielten fest: Ein Interesse bedeutet nicht, dass Menschen diese Fantasien auch ausleben.

Paraphilie
Als Paraphilien werden sexuelle Interessen bezeichnet, die sich von gesellschaftlich üblichen sexuellen Vorlieben unterscheiden. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem paraphilen Interesse und einer paraphilen Störung. Von einer Störung wird gesprochen, wenn die betroffene Person erheblich darunter leidet, ihr Alltag beeinträchtigt ist oder das Interesse mit der Schädigung beziehungsweise fehlenden Einwilligung anderer verbunden ist. Das DSM-5-TR unterscheidet entsprechend zwischen Paraphilien und diagnostizierbaren paraphilen Störungen.

Manuels Fantasie wurde Realität, als er mit seiner Frau die Beziehung öffnete. «Sie wollte an Swinger-Partys gehen, und ich wollte eine Halterin für meinen Peniskäfig finden.» So lernte er eine Frau kennen, die seinen Fetisch nicht nur akzeptierte, sondern ein Teil davon sein wollte. Sie wollte den Schlüssel.

Von diesem Moment an war Manuels Sexleben so erfüllt wie nie zuvor.

Ständiges Vorspiel

«Wenn jemand deinen Schlüssel hat, ist das wie ständiges Vorspiel», sagt er. «Es ist, als würdest du die ganze Zeit Sex haben.»

Der Alltag sieht dabei unspektakulärer aus, als man vermuten würde. Unter der Dusche braucht Manuel etwas länger, weil der Käfig gereinigt werden muss. Zum Wasserlassen setzt er sich hin. Manchmal wacht er nachts auf, weil sein Körper eine Erektion möchte und der Käfig es nicht zulässt. «Ansonsten vergesse ich ihn oft.»

Bis eine Nachricht auf dem Handy erscheint. Oder ein Gedanke.

«Dann bist du sofort wieder in diesem Gefühl.» Treffen sie sich später, beschreibt Manuel die Stimmung mit einem einzigen Wort: elektrisierend. Es gehe nicht um zehn Minuten Sex. «Manchmal verbringen wir zwei Stunden miteinander. Küssen, reden, Berührungen. Schon nackt nebeneinander zu liegen fühlt sich anders an – weil du dich selbst lange nicht mehr berühren konntest.»

Peniskäfig
In der Schweiz werden Zehntausende Peniskäfige verkauft.Bild: zVg

Die längste Zeit, in der er im Peniskäfig eingesperrt war, beschreibt er mit zwei bis drei Monaten, mit regelmässigen Reinigungspausen. Wenn er den Käfig nach längerer Zeit abnimmt, fehlt ihm etwas. «Es fühlt sich an wie nach einer Rasur», sagt er. «Plötzlich fühlt sich das Kinn fremd an. Man vermisst das Gewicht.»

Sein Umfeld merkt davon nichts. Die Angst, der Käfig könnte unter der Kleidung sichtbar sein, hält er für unbegründet. «Wenn du mich anschaust, siehst du nichts.» Die häufigste aller Fragen – was, wenn sie den Schlüssel nie zurückgibt – beantwortet er trocken: «Die meisten Käfige lassen sich im Notfall öffnen. Und wer jemanden wirklich so behandeln würde, schafft keine lange Beziehung.» Und genau darum gehe es ihm: um die Verbindung.

Er kennt auch andere Modelle. Frauen, die die Schlüssel von fünf, zehn Männern gleichzeitig haben – und dafür oft Geld erhalten. Ihn lässt das kalt. «Es fehlt die Verbindung», sagt er.

Romantische Kontrolle

Während Manuel spricht, merkt man: Es geht weniger um den Peniskäfig selbst als um Vertrauen. «Du gibst jemandem sehr viel Kontrolle über dich», sagt er. «Dafür musst du deine Seele öffnen. Es braucht unglaublich viel Intimität.» Dann sagt er: «Eigentlich ist das sehr romantisch.»

Diese Romantik ist im Aufschwung. Was früher das Siphonrohr war, ist heute in dutzenden Varianten aus Silikon, Kunststoff und Titan erhältlich. Auf Anfrage teilt Galaxus mit, jährlich eine vierstellige Zahl von Peniskäfigen zu verkaufen – 2025 waren es 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Amorana spricht von rund 10'000 verkauften Exemplaren jährlich und ebenfalls stark steigender Nachfrage. Magic X beobachtet seit Jahren ein Wachstum.

Repräsentative Zahlen, wie viele Männer in der Schweiz einen Peniskäfig tragen oder tragen würden, gibt es keine. Dass Keuschhaltung aus der Nische herausgewachsen ist, zeigt jedoch ein Blick in die Fetischbranche: Die Plattform Clips4Sale kürte sie 2025 zum «Fetish of the Year». Die Begründung: ein Anstieg der Verkäufe von Keuschheits-Content um 71 Prozent innert eines Jahres – gegenüber 2020 sogar um 193 Prozent. Und jeden Oktober feiert die Szene den «Locktober», einen Monat freiwilliger Enthaltsamkeit, bis der Käfig wieder aufgeschlossen wird.

Abschliessen muss Manuel seinen Peniskäfig zurzeit wieder allein. Die Beziehung zu der Frau, die seinen Schlüssel jahrelang trug, ging vor einem Jahr auseinander. Doch er ist überzeugt, dass er irgendwann wieder jemanden finden wird, mit dem er diese Seite seines Lebens teilen kann.

Denn wenn er in den letzten 30 Jahren mit Peniskäfigen etwas gelernt hat: Er ist mit dem Fetisch nicht allein. Und diese Erinnerung trifft ihn manchmal völlig unerwartet.

*(Name geändert)

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Der Netflix-Hit «Kaulitz & Kaulitz» ist wieder da: Neu mit Peniskäfig
In der dritten Staffel der wie immer unterhaltsamen Reality-Doku geht es um die grossen Fragen der Menschheit, aber auch um grosse Wettschulden, kleine Schuhe und Sex-Entzug.
Es ist die grösste aller Fragen: Was geschieht nach dem Tod? Wer kriegt dann Bills Versace-Geschirr und wer Toms Anteile am FC St.Pauli? Was geschieht mit ihrer Musik? Und wie soll ihre Grabstätte eigentlich aussehen? Am liebsten wäre den Kaulitz-Zwillingen ein Mausoleum auf dem Hollywood-Forever-Friedhof in Los Angeles, eines, in dem auch Toms Frau Heidi Klum und alle ihre Kinder und gewiss auch die vielen Hunde von Tom und Bill zusammen ihre letzte Ruhe fänden. «Wenn wir erst mal tot sind, wird unser Album natürlich auf Eins gehen», freut sich Bill auf den postumen Rockstar-Nachruhm.
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