Der Netflix-Hit «Kaulitz & Kaulitz» ist wieder da: Neu mit Peniskäfig
Es ist die grösste aller Fragen: Was geschieht nach dem Tod? Wer kriegt dann Bills Versace-Geschirr und wer Toms Anteile am FC St.Pauli? Was geschieht mit ihrer Musik? Und wie soll ihre Grabstätte eigentlich aussehen? Am liebsten wäre den Kaulitz-Zwillingen ein Mausoleum auf dem Hollywood-Forever-Friedhof in Los Angeles, eines, in dem auch Toms Frau Heidi Klum und alle ihre Kinder und gewiss auch die vielen Hunde von Tom und Bill zusammen ihre letzte Ruhe fänden. «Wenn wir erst mal tot sind, wird unser Album natürlich auf Eins gehen», freut sich Bill auf den postumen Rockstar-Nachruhm.
Bill liegt schon mal in einem Sarg Probe, was Tom nicht gefällt, es packt ihn da quasi das klappernde Totengerippe der Endlichkeit. Er ohne Bill, das wäre für ihn das Allerallerschlimmste. Das macht ihm Angst. «Ach Quatsch, Angst führt nirgendwohin», sagt Bill dazu. Werner, der seit acht Jahren der Mann an der Seite ihrer Mutter Charlotte Kaulitz ist, kommentiert das tötelige Probeliegen mit: «Bill und Tom sind 'n paar abgeschraubte Typen.»
Abgeschraubt nennt man das also dort, wo die beiden herkommen. Aus der Gegend von Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Dort, wo die Kaulitze mit mehr Neonazis als Andersgesinnten zur Schule gingen. Wo sie verprügelt und verspottet und bedroht wurden, weil sie «kunterbunt» waren, wie Charlotte sagt. Bill, der schon sehr früh auch auf Jungs stand und lange aussah wie ein Mädchen. Tom, der Skaterboy mit den Rastas und den Antifa-Demos. Dazu der geliebte Vater, der seine Familie eines Tages einfach stehen liess, die Brüder schrieben darüber einen Song mit dem Titel «Traurig». Charlotte hatte Glück mit ihren weiteren Männern, es mangelte Bill und Tom weder an Zuneigung noch an Kreativität, nur Geld war keins da.
Tokio Hotel war ihr Ticket in die Freiheit. Ihr Ausbruch aus dem «Gefängnis», sagt Tom. Man versteht die beiden, besonders Bill, etwas besser vor dem Hintergrund ihrer Kindheit. Kriegt ein Gefühl für die Bedeutung, die Tokio Hotel damals für queere Menschen im Osten Deutschlands und Europas hatte, versteht Bills Kaufsucht und seinen ganzen exzessiven Lifestyle in Amerika eher.
Es geht in der dritten Staffel von «Kaulitz & Kaulitz» um einen Rückblick auf das Jahr 2025 der beiden und um die ganz grossen Themen: Wer war ich, wer bin ich und wann habe ich endlich Zeit für mich? Tom ist nämlich überfordert vom Leben. Jedenfalls wird ihm dies im Gespräch mit Life-Coach Karin klar. Alle zerren an ihm: Erstens, zweitens und drittens Bill, viertens Heidi, fünftens, sechstens, siebtens und achtens Heidis vier Kinder. Alle verbringen einfach viel zu gerne Zeit mit ihm! Er kann sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal Tom-Time nur für sich hatte, Karin sagt, die müsse er sich jetzt dringend jeden Tag vornehmen. Und was tut Tom? Er fliegt nach Deutschland und geht auf dem Nürburgring Rennauto fahren. Geil. Euphorie pur. Es sei «wie Meditation».
Bill hätte endlich gern, was er schon seit zwei Staffeln möchte: die grosse Liebe. Die habe er nämlich noch gar nie gehabt, sagt Tom, diese Wunderliebe, die einfach nur eine riesengrosse positive Kraft sei. Wieder und wieder verknallt sich Bill in Männer, die Tom zu billig findet. Sie kommen oft vom Ballermann oder aus dem deutschen Trash-TV. Gegen 40 davon will Bill schon gehabt haben.
Jetzt gelobt er Besserung, er will «Penis-Detox» machen, bis er die grosse Liebe gefunden hat. Kein Sex, keine Pornos, keine Dickpics, keine Masturbation. Dazu sperrt er seinen eigenen Penis in einen sogenannten Peniskäfig. Es ist eine Art Keuschheitsgürtel für Männer und kommt aus dem Sado-Maso-Bedarf. Nach schätzungsweise zwei Stunden ist er wieder weg. Aufgeschlossen für einen Trash-TV-Darsteller namens Jannik, der mit den Wahlversprechen «Dönerpreise senken und Kioske am Sonntag offenhalten» Bürgermeister von Mönchengladbach werden möchte. Bill kontert Toms Kritik an Jannik mit: «Ich kann doch jeden Anspruch haben, den ich will!» Also auch keinen.
Im Gegensatz zu Bill und seinen vierzig Männern hat Tokio-Hotel-Bandmitglied Georg erst eine Frau gehabt und hat sie immer noch, nämlich Susi. Georg und Susi heiraten, Susi hat die Hochzeit zwei Jahre lang geplant, sie ist eine absolute Planungs-Fetischistin, alle sind glücklich, nur Bill quengelt und schimpft und nervt, weil er als Single zur Hochzeit muss. Er gibt Tom die Schuld an seiner Saulaune, aber wer weiss, vielleicht sind es auch seine zu kleinen Schuhe?
Tom offenbart nämlich, dass Bill aus Eitelkeit seit vielen Jahren zu kleine Schuhe trägt, weshalb seine grossen Zehen verkümmert sind. Überhaupt geht es Bill in dieser Staffel unentwegt an den Kragen, nach einem Ganzkörper-MRI sagt ihm sein Arzt, er neige zu einer Fettleber, während Tom topfit sei. Ein Blick in Bills Kühlschrank genügt: Es ist einer der schlimmeren im Fehlernährungs-Mekka Amerika.
Macht Tom eigentlich keine Fehler? Oh doch! In seinem Bestreben, der perfekte Ersatzvater für Heidis Kinder zu sein, verlor er eine Wette gegen ihren Sohn Henry. Jetzt schuldet er ihm einen Ferrari. Da gehen dann halt schon mal 152'000 Dollar drauf. Apropos Kinder: Bills Freundin Sara will ein Kind von ihm. Uiuiui. Er nicht. Es reicht schon, dass er Gotte (nicht Götti) von Berlin Rose wird, dem brandneuen Baby seiner Freundin Candy Crash.
Und so wirbelt in dieser neuen Staffel von lustigem Trash-Trost alles durcheinander: Geburt und Tod, Hochzeit und Heimat. Es geht um «Full Circle»-Momente, um neue Songs und alte Lieben, überhaupt um Abschlüsse und Neuanfänge. Die Zwillinge, die keinen Tag ohne einander sein können, auch wenn sie sich jetzt öfter streiten, überlegen sich, wie sie das Gespenst der deutschen Nazi-Provinz endlich bannen können. Sie veranstalten eine Klassenzusammenkunft in der Nähe von Magdeburg.
Es kommen die wenigen, die damals bedingungslos zu ihnen hielten. Es kommen ein paar, die beleidigt waren, als die Kaulitze plötzlich abhauten und sie stehen liessen. Und es kommen einige ihrer alten Peiniger. Bill und Tom sind entschlossen: Sie wollen die schlechten Erinnerungen an früher mit guten neuen Erinnerungen überschreiben. Wollen mit allen feiern und endlich drüberstehen.
Sie sind jetzt noch kunterbunter als früher, sie haben nichts und niemanden vergessen und sie sind gekommen, um ihre einstigen Gegner mit vorbildlicher Grosszügigkeit und Nettigkeit zu besiegen. Was für ein diplomatischer Kraftakt. Und wenn sich nicht spätestens nach dieser Staffel ein paar formidable Männer bei Bill Kaulitz melden, dann ist die Welt echt abgeschraubt.
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