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Queere Personen in der Schweiz erleben gemäss Studie häufig Gewalt

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lesbisches Paar küsst sich
Eine Studie von Amnesty untersucht die Diskriminierung von queeren Personen in der Schweiz.Bild: Shutterstock

So oft werden queere Personen Opfer von Gewalt – Schweiz steht im Vergleich schlecht da

Die Häufigkeit sexueller oder körperlicher Gewalt gegen queere Personen in der Schweiz ist alarmierend hoch – das zeigt eine Studie von Amnesty International. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.
20.11.2024, 10:0120.11.2024, 11:51

Eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern zeigt auf, wie oft LGBTIQ-Personen in der Schweiz von Gewalt und Diskriminierung betroffen sind. Die Umfrage geht auch auf die Bevölkerung ein – die Auswertungen liessen sich vielleicht am besten im Sinne einer zurückhaltenden Neutralität beschreiben, heisst es in der Studie. Jedoch ist fast jede fünfte Person der Ansicht, zwei schwule Männer können keine guten Eltern sein.

Die Studie zieht auch den Vergleich zu den Ländern aus der EU – und im Vergleich mit ihnen steht die Schweiz nicht gut da.

Diskriminierung – auch am Arbeitsplatz gängig

Die meisten Orte, an denen queere Menschen Diskriminierung erfahren haben, sind Restaurants, Clubs, der Arbeitsplatz oder durch Personal im Gesundheitswesen.

Die Hälfte der Befragten gab ausserdem an, im vergangenen Jahr mindestens einmal verbal angegriffen oder bedroht worden zu sein. Allerdings werden solche Vorfälle bislang kaum gemeldet. Knapp 80 Prozent sagen in der Studie, nichts zu unternehmen, wenn sie diskriminiert werden.

Gründe, weshalb diese Vorfälle nicht gemeldet wurden, sind: Es sei nicht wert, es zu melden, da dies «dauernd passieren würde», dass sich durch das Melden nichts ändere und die Besorgnis, dass der Vorfall nicht ernst genommen würde.

Jede vierte queere Person von Gewalt betroffen

Jede vierte queere Person hat angegeben, dass sie in den letzten fünf Jahren körperliche oder sexuelle Übergriffe erlebt hat. In den meisten Fällen werden diese Vorfälle nicht gemeldet, nur 13 Prozent der Betroffenen gehen danach zur Polizei. Dabei spielt das nicht vorhandene Vertrauen in die Polizei eine grosse Rolle. Die Dunkelziffer über Angriffe auf Mitglieder der queeren Community ist hoch.

Meistens handelte es sich bei den Tätern um Einzelpersonen, in 87 Prozent der Fälle waren die Täter männlich.

Die Angriffe gingen in der Hälfte der Fälle von Unbekannten aus. Sieben Prozent gaben an, im Freundeskreis angegriffen worden zu sein, bei sechs Prozent der Fälle handelte es sich um Gewalt in der Beziehung.

Der Grossteil der Übergriffe fand im öffentlichen Raum statt – also auf der Strasse, auf Parkplätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bei einem Drittel der Personen hatte der Angriff keine Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Andere Personen geben an, danach mit psychischen Problemen, Ängsten oder auch finanziellen Problemen gekämpft zu haben.

Als Hauptgrund für die Zunahme von Vorurteilen und Intoleranz werden die negative Einstellung und Äusserungen von Politikerinnen und Politikern sowie Parteien angegeben. Andere Gründe sind:

  • Mangelhafte Unterstützung der Gesellschaft
  • Mangelnde Unterstützung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und führenden Vertreterinnen und Vertretern der Gesellschaft
  • Sichtbarkeit und Teilhabe von LGBTIQ-Personen im täglichen Leben
  • Bestehende Gesetze und Rechtsvorschriften werden nicht angewandt
  • Negative Änderungen in Recht und Gesetz

Mangelnde Unterstützung von der Zivilgesellschaft oder von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens spielen allerdings eine vergleichsweise geringere Rolle. Entsprechend ist innerhalb der Community daher auch die Ansicht, dass die Regierung nicht genügend Massnahmen zu einer Verbesserung der Situation ergreife, breit abgestützt: Lediglich 25 Prozent gaben an, es werde gegenwärtig genug getan.

«Zwar haben die zunehmende öffentliche Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Personen sowie Fortschritte in Recht und Gesetz dazu beigetragen, Vorurteile, Intoleranz und Gewalt zu reduzieren. Die politische Agitation gegen trans und intergeschlechtliche Personen macht diese Fortschritte aber teilweise zunichte.»
Marc Schmid, Queeramnesty

Vergleich zur EU

Da sich diese Befragung auf eine Erhebung der EU stützt, lassen sich erstmals Daten zu diesem Thema mit europäischen Ländern vergleichen. Queere Personen in der Schweiz berichten häufiger, von Gewalt oder Diskriminierung betroffen zu sein als Befragte in der EU.

So hat in der Schweiz nur rund die Hälfte aller befragten queeren Personen keine Diskriminierung erfahren, in der EU sind es über 70 Prozent. Ausserdem haben deutlich mehr Leute angegeben, dass ihre Bedürfnisse ignoriert wurden, und sie Ärzte aufgrund negativer Reaktionen wechseln mussten.

Auch die Häufigkeit der körperlichen und sexuellen Übergriffe sind in der Schweiz deutlich höher. 86 Prozent der queeren Menschen haben in der EU noch nie einen solchen Übergriff erlebt, in der Schweiz sind es lediglich 70 Prozent.

Hingegen haben weniger gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz Angst, in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zu zeigen. Während 30 Prozent angeben, in der Schweiz davor Angst zu haben, sind es in der EU über die Hälfte der Befragten.

Queere Menschen outen sich meistens im Freundeskreis

Laut der Studie fühlen sich queere Personen am wohlsten in ihrem Freundeskreis. Knapp 90 Prozent der Teilnehmenden sind im Freundeskreis als queer geoutet.

So haben Queers ihre Schulzeit erlebt

Knapp die Hälfte der queeren Personen geben an, in der Schulzeit nie über ihre sexuelle Orientierung gesprochen zu haben. Zwei Drittel der Befragten mussten sich negative Kommentare anhören oder haben mitbekommen, dass ihre Mitschülerinnen oder Mitschüler davon betroffen waren.

Die Studie zeigt, dass LGBTIQ-Themen im Schulunterricht noch mehr Potenzial haben. Über die Hälfte gibt an, in der Schule keine entsprechenden Themen behandelt zu haben.

So nimmt die Schweizer Bevölkerung queere Menschen wahr

Ein zweiter Teil der Studie hat Menschen befragt, die nicht Teil der queeren Community sind. Etwa die Hälfte hat Verständnis für die Herausforderungen von queeren Menschen und erkennt die Geschlechteridentitäten ihrer Mitmenschen an. Knapp 40 Prozent der Befragten geben allerdings an, schon einmal Witze über eine trans Person gemacht zu haben.

«Sympathien und Verständnis hegt die Bevölkerung mehrheitlich bei schwulen, lesbischen und bisexuellen Personen. Bei trans oder intergeschlechtlichen Menschen sinkt das Verständnis. Vorurteile und geringere Sympathien sind hier klar stärker ausgeprägt.»
Cloé Jans, gfs.bern

Queere Personen erhalten laut 60 Prozent der Teilnehmenden zu viel Beachtung im Verhältnis zum Rest der Bevölkerung. Insgesamt 36 Prozent der Befragten aus der Bevölkerung geben an, dass Menschen ihre sexuelle Orientierung nur zu Hause und nicht in der Öffentlichkeit zeigen sollten.

Trans Personen im Spitzensport

Ein grosser Diskussionspunkt ist auch immer die Teilnahme von trans oder intergeschlechtlichen Personen im Spitzensport. Hier sind die Hälfte der Befragten der Meinung, dass diese Personen zwar einen Platz im Spitzensport hätten, aber in separaten Kategorien antreten sollten.

(Mit Material der sda)

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