
Als es in «The Last of Us» um Bill und Frank ging, blieb kein Auge trocken. Bild: shutterstock/ hbo
Aus allen Ecken hört man, dass Netflix, Disney und Co. zu woke sind und es in jeder Serie von queeren Charakteren nur so wimmelt. Eine GLAAD-Studie untersucht genau dies. Die Erkenntnisse findest du hier.
24.06.2024, 19:4725.06.2024, 13:40
Neun Prozent der Weltbevölkerung identifizieren sich als queer. Bei jungen Menschen sind es mehr als doppelt so viel: 19 Prozent der Gen Z fühlt sich der queeren Community zugehörig.
Wie divers Serien wirklich sind und ob die queere Community über- bzw. unterrepräsentiert ist, erhebt jedes Jahr die GLAAD-Studie «Where We Are on TV». Hier kommen die Ergebnisse der Studie.
Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst
Hier sind einige der wesentlichen Ergebnisse der jüngsten Studie von GLAAD:
- GLAAD zählte 208 queere Hauptcharaktere in Serien und 119 wiederkehrende LGBTQ-Charaktere. Es werden nur Serien mit Drehbüchern gezählt. Reality-TV- und Comedy-Shows zählen hier also nicht dazu.
- Gegenüber der Studie von 2022/2023 wurde ein Rückgang von 29 Charakteren verzeichnet.
- Von den 468 LGBTQ-Charakteren, die auf allen Plattformen (Fernsehen, Kabel und Streaming) gezählt wurden, sind 24 trans (5,1 Prozent aller LGBTQ-Charaktere). Davon sind elf trans Frauen, fünf trans Männer und acht nicht binäre Personen. Auch hier ist die Repräsentation rückläufig.
- Von den 468 LGBTQ-Charakteren auf allen Plattformen sind 232 (also die Hälfte) nicht weisse Charaktere. Dies ist ein Rückgang um 72 Charaktere und einen Prozentpunkt gegenüber dem letzten Jahr.
- Von allen 468 gezählten LGBTQ-Charakteren werden mindestens 170 (36 Prozent) aufgrund von Absetzungen von Serien, limitierten Miniserien, dem Tod eines Charakters oder dem Ausstieg des Schauspielers aus der Serie nicht zurückkehren.
- 2023 gab es nur einen LGBTQ-Charakter, der mit HIV lebt: Tim Laughlin (gespielt von Jonathan Bailey) in der Miniserie «Fellow Travelers» vom Streaming-Dienst Showtime.

Jonathan Bailey (links) und Matt Bomer in «Fellow Travelers».Bild: showtime
Vertretung sexueller Orientierungen
Schwule Charaktere sind mit Abstand am meisten in Serien von Netflix und Co. vertreten. 108 schwule Männer waren 2023 auf dem Bildschirm zu sehen, hingegen lediglich 79 lesbische Frauen.

Kizzy Edgell und Corinna Brown in «Heartstopper».Bild: netflix
Die zweitgrösste Gruppe, die in Serien auf Streaming-Anbietern repräsentiert wird, sind bisexuelle Menschen. Also Leute, die sich zu mehr als nur einem Geschlecht hingezogen fühlen.
Diese Streaming-Dienste setzen auf Diversität
In dieser Kategorie führt Netflix die Tabelle ganz klar an. Im vergangenen Jahr waren 155 der 327 queeren Charaktere in Netflix-Serien präsent. Das Schlusslicht bildet Disney Plus mit zehn queeren Charakteren.
Verschiedene Gender-Identitäten
Von den 327 queeren Personen, die eine wiederkehrende Rolle in Serien haben, sind neun trans Frauen. Am wenigsten kommen trans Männer vor.
Repräsentation ist rückläufig
In allen Bereichen nahm die Repräsentation von queeren Charakteren in Serien im Vergleich zu 2022 ab.
«Die Ergebnisse der diesjährigen ‹Where We Are On TV›-Studie offenbaren einige unbestreitbare Wahrheiten, wenn es um LGBTQ-Storytelling geht», sagte GLAAD-Präsidentin und CEO Sarah Kate Ellis in einer Erklärung. «Wir wissen, dass LGBTQ-inklusive Serien erfolgreich sein können. Das zeigen Shows wie ‹The Last of Us› und ‹Yellowjackets›.»
Repräsentation ist wichtig, um Fehlinformationen entgegenzuwirken.
Ellis sagt weiter: «Wir wissen auch, dass es für die queere Community, insbesondere für trans Personen, unerlässlich ist, ihr Leben auf dem Bildschirm widergespiegelt zu sehen, um den Fehlinformationen und der schädlichen Rhetorik entgegenzuwirken, die verbreitet werden. Und wir wissen, dass das jüngere Publikum nach Sendungen verlangt, die die Welt um sie herum widerspiegelt».
LGBTQ-Geschichten sind sehr wirkungsvoll und stellen eine Priorität für die wichtigste Zuschauergruppe dar, so Ellis. Streaming-Dienste müssen LGBTQ-Inhalte aufrechterhalten, wenn sie weiterhin relevant sein wollen. Dazu gehöre, dass queere Serien nicht dauernd abgesetzt werden und nachhaltige Investitionen in inklusives Storytelling.
Mehr zum Thema:
17 LGBTQ+-Serien, die du gesehen haben musst
1 / 19
17 LGBTQ+-Serien, die du gesehen haben musst
«Sense8» feiert Pride.
quelle: murray close/netflix
Hat die Schweiz ein Homophobie-Problem?
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Er gehört zu den renommiertesten Psychiatern: Reinhard Haller analysiert jeweils das Wesen von Trump, Putin und Musk. Er sagt, was sie gemeinsam haben – und wo sie sich unterscheiden.
Psychiater hüten sich ja vor Ferndiagnosen. Bei Donald Trump sind wir aber quasi live dabei, sehen fast täglich seine Auftritte im Fernsehen. Würden Sie sagen, dass Trump ein Narzisst ist?
Reinhard Haller: Eine Diagnose kann ich nicht stellen. Aber man darf das Verhalten einer öffentlichen Person natürlich analysieren. Und da muss ich sagen: Es ist schwer, das Verhalten von Donald Trump anders zu beschreiben als klassisch narzisstisch. Auch wenn ich mich als Psychiater nicht leichtfertig äussere – hier ist es sehr auffällig. Zu diesem Schluss kommt übrigens auch seine Nichte Mary Trump, die Psychologin ist und ihn aus nächster Nähe kennt.
Wenn eine Serie mit queeren Charakteren nicht erfolgreich ist, darf sie also nicht abgesetzt werden? Also die Produzenten dürfen kein Gewinn erlangen, weil die das wollen?
Das sind auch andere Firmen, oder wo sind die ganzen Regenbogen an der aktuellen EM? Da haben Anheuser-Busch, VW, Heineken, Mc Donalds und viele andere (ehemalige) Sponsoren sehr viel Lehrgeld zahlen müssen.
Wo sind die Alle?
Dafür hat es jetzt Sponsoren, welche wohl eher nicht so pro woke/palestine sind... Aber was weiss ich schon "visit quatar" nicht wahr ;-)?! Am besten im Regenbogenexpress der DeutschenBahn.