DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04712791 A handout picture made available by German shipping company Opielok Offshore Carriers (OOC) on 20 April 2015 shows a boat with refugees close to the cargo ship 'OOC Jaguar' in the Mediterranean sea on 12 April 2015. The ships of the German shipping company Opielok Offshore Carriers have rescued more than 1,500 people in the Mediterranean sea since December 2014.  EPA/Opielok Offshore Carriers Mandatory Credit: Opielok Offshore Carriers HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Bei der jüngsten Flüchtlingskatastrophe sollen mehr als 800 Flüchtlinge ertrunken sein. Bild: EPA/dpa / Opielok Offshore Carriers

Flüchtlingsdrama: Rega fliegt keine Hilfseinsätze im Mittelmeer

Eine Onlinepetition fordert als Antwort auf die jüngste Flüchtlingskatastrophe die Rega auf, selbst Helikopter ans Mittelmeer zu schicken. Doch die sieht sich nicht kompetent genug.



Die Schlagzeilen vom Wochenende schockten viele. Zum wiederholten Mal ertranken hunderte Flüchtlinge auf dem Weg ins sichere Europa. Beim jüngsten Fall vor Lampedusa sollen über 800 Flüchtlinge ihren Tod auf hoher See gefunden haben. Vermutet wird, dass sich das Unglück durch die Hilfe eines zur Nothilfe geschickten portugiesischen Tankers verschlimmerte.

So auch der Campaigner Daniel Graf. In einer Onlinepetition fordert er die schweizerische Rega auf, sie solle einen Helikopter ans Mittelmeer schicken und die Rettungsdienste vor Ort unterstützten. «Die Schweiz hat keine Rettungsschiffe, aber Helikopter», erklärt Graf in seiner Petition. «Die Rega hat durch ihre Stiftungsurkunde die Pflicht, Menschen in Not zu helfen.»

Rega-Helikopter fehlt die notwendige Reichweite

Sortie de l'hélicoptère, le matin, à la base Rega de Lausanne.

Bild: Rega, Schweizerische Rettungsflu

Die Rega reagiert auf Anfrage von watson mit einer klaren Ablehnung. Aufgabe der Rega sei es, mit den 17 Helikoptern die Luftrettung und den drei Ambulanzjets die Rückführung «verletzter und erkrankter Schweizer in die Heimat» sicher zu stellen. Andere humanitäre Einsätze «wie im vorliegenden Fall zu Gunsten von Flüchtlingen» würden jedoch ausserhalb des Kompetenzbereichs der Rega liegen.

Als Gründe nennt die Rega einerseits die fehlende Ausbildung der Mitarbeiter für derartige Missionen, andererseits seien die Rettungshelikopter dafür «absolut ungeeignet, nicht adäquat ausgerüstet und entsprechend auch nicht zugelassen». «So verfügen die Rega-Helikopter beispielsweise nicht über die nötige Reichweite für Einsätze über dem offenen Meer», erklärt die Rega gegenüber watson.

daniel graf in zürich am 20. september 2012
photo

Campaigner Daniel Graf Bild: siggi bucher

«Auf wen, wenn nicht auf die Rega und andere europäische Luftrettungs-Organisationen, sollen und können die Flüchtlinge hoffen?»

Daniel Graf, Petitionär

Der Initiant der Petition, Daniel Graf, zeigt sich enttäuscht über die Antwort. «Niemand erwartet, dass die Rega gleich auf offener See Einsätze fliegt.» Wenn die Rega Hilfe bieten will, dann werde sie auch ihren Teil an einer Flüchtlingsrettungs-Mission finden können. «Zudem sehe ich nicht den Unterschied zwischen der Nothilfe für Flüchtlinge am Strand und den Bergsteigern oder Skifahrern im Gebirge», erklärt Graf weiter und stellt die Frage: «Auf wen, wenn nicht auf die Rega und andere europäische Luftrettungs-Organisationen, sollen und können die Flüchtlinge hoffen?»

Umstrittene EU-Asylpolitik

Die Hoffnung in Europa dürften zumindest Befürworter einer gesamt-europäischen Flüchtlingspolitik nicht mehr haben. Vorreiter in der Rettung von Flüchtlingen in Seenot war die im Oktober 2013 beschlossene italienische Operation «Mare Nostrum». Mit einem Budget von neun Millionen Euro retteten sie innert wenigen Monaten über 140'000 Flüchtlinge. Die Kosten, die Italien damals alleine trug, waren für den krisengeplagten Staat eine schwere Last. Kritiker forderten regelmässig Unterstützung seitens der EU.

Soll die Rega Helikopter ans Mittelmeer schicken?

Die EU kam im August 2014 den Kritikern entgegen. Im November 2014 wurde die europäische «Triton»-Operation eingeführt und ersetzte damit die italienische «Mare Nostrum»-Operation. Triton brachte weitreichende Änderungen mit sich: So war die Hauptaufgabe nicht mehr die Seenotrettung, sondern die Sicherung der EU-Aussengrenze vor «illegaler Einwanderung». Ihr Einsatz wurde im wesentlichen auf den küstennahen Bereich beschränkt und hatte ein Drittel weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als «Mare Nostrum». 

Für Daniel Graf, Initiant der Rega-Petition, war diese Entwicklung der europäischen Flüchtlingspolitik «das Todesurteil für viele Bootsflüchtlinge». «Gerade deshalb wäre ein Rega-Helikopter als Sofortmassnahme das symbolische Versprechen, dass mehr Hilfe unterwegs ist und wir nicht mehr wegschauen», so Graf auf der Petitionsseite.

Kennst du schon die watson-App?

Über 130'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Und schon wieder 14 Kilometer Stau vor dem Gotthard 🚗 🚙 🚌 🏎 🚐 🚛

Der Ferienverkehr Richtung Süden ist auch am Montag nicht abgerissen: Kurz nach Mittag standen die Fahrzeuge vor dem Nordportal des Gotthardstrassentunnels auf einer Länge von 14 Kilometern, wie der TCS auf Twitter meldete.

Um zu verhindern, das Automobilistinnen und Automobilisten den Stau umfahren, wurde die Einfahrt in Göschenen UR gesperrt. Wer die Autobahn vor dem Stau verlässt, muss somit über den Gotthardpass fahren.

Vor dem Gottharstrassentunnel der Autobahn A2 kommt es öfters zu Staus, …

Artikel lesen
Link zum Artikel