Darum staunen die Dänen über die 10-Millionen-Initiative
Kurz vor Mittag steigt der Lärmpegel im Festsaal des Hotels Krone. Hier, im bernischen Aarberg, trifft sich die SVP, um den Ergebnissen des Abstimmungssonntags entgegenzufiebern. Besonders beschäftigt natürlich, ob das Stimmvolk die 10-Millionen-Schweiz gutheisst (hat es nicht).
Nacheinander treffen die Parteigrössen ein: Thomas Matter, Mike Egger, etwas später Präsident Marcel Dettling. Auffällig: Auch viele ausländische Medienschaffende kommen. Da ist etwa ein Team von Sky News. Oder Jesper Steinmetz. Er ist Europa-Korrespondent beim dänischen SRF, bei «TV 2 Denmark». watson wollte von ihm wissen, weshalb Dänemark auf die Schweiz blickt. Er ist überzeugt: In Dänemark hätte es diese Abstimmung nie gegeben – aber nicht, weil man im Norden besonders links wäre.
Herr Steinmetz, was interessiert die Dänen an dieser Abstimmung über die 10-Millionen-Schweiz?
Nun, Zuwanderung ist ein riesiges Thema. In Europa, aber auch auf der ganzen Welt. Naturgemäss gibt es verschiedene Ansätze, damit umzugehen. Ich komme aus Dänemark, das sehr strenge Zuwanderungsgesetze hat, die in den vergangenen 30 Jahren eingeführt wurden. Darum interessiert es uns umso mehr, wie andere Länder mit der Zuwanderung umgehen. Ich denke, ein Bevölkerungsdeckel wäre ein sehr kreativer Ansatz gewesen. Ich sage nicht, dass ich für oder gegen die SVP-Initiative bin, aber der Vorschlag ist sehr interessant.
Sie interessiert also vor allem die Idee des Bevölkerungsdeckels?
Definitiv. Ich glaube, viele Dänen würden denken: Was für eine absurde Idee. Wie soll man die Bevölkerung deckeln können? Das ist unmöglich heutzutage. Andere würden vielleicht sagen: Das ist eine interessante Idee, weil wir so steuern, wer kommt und wer geht.
Was meinen Sie, wie wäre das Ergebnis ausgegangen, wenn diese Initiative in Dänemark zur Abstimmung gekommen wäre?
Ich denke, die Abstimmung hätte gar nicht erst stattgefunden. Es gibt in Dänemark heute einen breiten Konsens darüber, dass strenge Immigrationsgesetze nötig sind. Die Dänen haben hier wirklich ihre Meinung geändert in den vergangenen Jahren. Wenn Sie vor 20 Jahren gefordert hätten, die Zuwanderung zu beschränken, wären Sie in Dänemark als Rassist bezeichnet worden. Heute befürworten sogar Linksparteien wie die Sozialdemokraten strengere Zuwanderungsgesetze.
