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Migros «my camp»-Kampagne finanziert religiöse Vereine

Die «Support my camp»-Kampagne der Migros sorgt für Unmut.
Die «Support my camp»-Kampagne der Migros sorgt für Unmut.bild: instagram/@migros

Mit diesen Migros-Bons finanzierst du religiöse Organisationen

Mit einer neuen Kampagne des orangen Riesen sollen Kundinnen und Kunden beim Einkauf in den Filialen verschiedene Jugendlager unterstützen können. Die Teilnahme religiöser Organisationen wirft jedoch Fragen auf.
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02.04.2026, 21:1102.04.2026, 21:11

Die Migros-Kampagne «Support my camp» werfe Fragen zur Transparenz auf, berichtete der Sender RTS am Mittwoch. Die Liste der Begünstigten umfasst auch religiöse Organisationen – ein Umstand, der in der Projektbeschreibung auf der Website des Einzelhändlers nicht erwähnt wird.

Ziel der Aktion ist die Finanzierung von Jugendlagern in der Schweiz. Die Migros stellt den Organisatoren drei Millionen Schweizer Franken zur Verfügung, die entsprechend der Anzahl der ihnen zugeteilten Bons verteilt werden. Diese Bons sammeln Migros-Kunden pro 20 Franken Einkaufswert und können sie dann per QR-Code an einen Verein ihrer Wahl spenden.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

«Verherrlichung Gottes» als oberstes Ziel

Wie RTS berichtet, gehört STR26 (Schweizertreffen 2026, Anm. d. Red.) derzeit zu den drei führenden Vereinen auf der Bon-Rangliste. Es handelt sich hierbei um ein Jugendtreffen der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz.

Diesen Sommer organisiert der Verein ein zehntägiges Zeltlager, in dem Kinder und Jugendliche unter anderem «gemeinsam unvergessliche Abenteuer erleben» und «die Natur entdecken» – so beschreibt es zumindest die Migros-Website. Auf der eigenen Website nennt STR26 ein weiteres Hauptziel: «Glauben erleben, teilen und wachsen lassen».

https://str.jemk.ch/lager

Die Lagerziele des STR26 (Schweizertreffen 2026) der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz.
Die «vier übergeordneten Ziele» des STR26.screenshot: str.jemk.ch

RTS weist auf die Präsenz anderer religiöser Organisationen im Ranking hin, beispielsweise JAB Suisse Romande, eines christlich-evangelischen Jugendvereins, dessen «oberstes» Ziel laut seiner Website die «Verherrlichung Gottes» ist. Die Website der Migros hingegen erwähnt lediglich einen Verein, der «Lager für Kinder und Jugendliche organisiert» und «in Zusammenarbeit mit Jugend und Sport im Bereich Lagersport und Trekking ganzheitliche Unterstützung für junge Menschen» bietet. Religion wird hier nirgends erwähnt.

Vereine von Migros «geprüft»

Auf ihrer Website erläutert die Migros die Teilnahmebedingungen für das «Support my camp»-Programm. Eines der Ausschlusskriterien lautet:

«Vereine, bei welchen für die Mitgliedschaft die Zugehörigkeit zu einer bestimmten geistlichen/religiösen Institution erforderlich ist oder bei welchen einer der wesentlichen Zwecke die Verbreitung bestimmter geistlicher/religiöser Inhalte ist (z. B. Bibelleseverein).»

Auf Anfrage von RTS spricht Migros-Sprecher Tristan Cerf von «klaren Teilnahmekriterien» und Lagern, «die allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder ihren Überzeugungen zugänglich sein müssen». Er fügt hinzu, dass die teilnehmenden Organisationen «sorgfältig geprüft» worden seien und die «festgelegten Kriterien» erfüllten.

Der öffentlich-rechtliche Sender bat auch die betroffenen Verbände zu Wort. Ein Mitglied von STR26 betont insbesondere, dass das Lager eine «Freizeitaktivität» und keine «religiöse Veranstaltung» sei. Zwar seien «religiöse Elemente» Teil des Programms, die Teilnahme sei aber freiwillig. (jzs)

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giandalf the grey
02.04.2026 21:59registriert August 2015
Versteh' ich das richtig: Eine religiöse Organisation veranstaltet ein Kinderlager, das (mutmasslich) allen Kindern offen steht und damit die genannte Bedingung, es dürfe für Teilnehmende keine religiöse Angehörigkeit vorausgesetzt werden, erfüllt. Dann nimmt diese Organisation an einem Wettbewerb teil, der durch Leistungen seiner Sympathisant:innen gewonnen werden kann und performt da verhältnismässig gut. Also ich finde Freikirchen auch nicht sympathisch, aber das macht das doch noch lange nicht zum Skandal? Würde man das bei einem jüdischen Kinderlager auch so problematisieren? I doubt it..
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Prinz Rosenherz
03.04.2026 07:29registriert Juli 2015
Nicht die Migros entscheidet, welche Vereine unterstützt werden. Dies machen die Konsumenten, welche selber entscheiden, wer unterstützt wird.
Das ist sehr demokratisch und kein Aufreger.
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Oft_länger_gut
02.04.2026 23:37registriert Oktober 2024
Wem ich die Bons zuteile, kann ich ja selber aussuchen. Ich verstehe darum das Problem nicht. Religion ist bei uns ja nichts Illegales. Wer einen religiösen Verein unterstützen will, kann das genauso tun wie jemand, der keinen religiösen Verein unterstützen will. Ist doch gut so. Ich selbst bin z.B. überhaupt kein Fussballfan. Darum gehen meine Bons an den lokalen Unihockeyclub. Wenn andere aber ihren FC unterstützen, bin ich deswegen nicht empört, auch wenn ich mir absolut sicher zu sein glaube, dass das Geld im Unihockey viiiiel besser investiert wäre … So what? 🤷‍♂️
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