Der nächste Flop der Migros: Dieses Gastro-Konzept wird schon wieder eingestellt
Die Migros verkauft nicht nur Teigwaren, Cola-Flaschen und Zahnbürsten, sie ist auch eine der grössten Gastronomie-Gruppen der Schweiz. Nur McDonald's erzielt hierzulande mehr Umsatz mit warmen Mahlzeiten als der Detailhändler. Bekannt sind vor allem die Migros-Restaurants, doch die regionalen Genossenschaften betreiben darüber hinaus weitere Formate. Ihre Bilanz ist durchzogen: In der Vergangenheit machten die Migros-Verantwortlichen mit Flops Schlagzeilen.
Die Migros-Genossenschaft Genf lancierte 2024 das italienische Restaurant Frescotto. Nicht einmal zwei Jahre später machte sie es wieder dicht. Wieder eingestampft oder verkauft wurden zuvor auch die Konzepte L'Osteria und Cha chà der Migros Aare oder Chickeria der Migros Ostschweiz. Die Migros Zürich trennte sich per 1. Januar 2025 von ihrem Gastronomie- und Einkaufshaus Bridge unweit des Zürcher Hauptbahnhofs. Sie verkaufte es einer lokalen Gastro-Anbieterin, weil sich das Einkaufsangebot unter den Erwartungen entwickelt habe.
Nun gesellt sich ein weiteres Beispiel für eine gescheiterte Expansion dazu: Die Ospena-Gruppe, eine Tochter der Migros Zürich, stellt ihr Format Amo e lino wieder ein. Ein erstes Lokal war Anfang 2024 am Zürcher Limmatplatz eröffnet worden. Ospena-Chef Daniel Reimann sagte damals gegenüber CH Media, die weitere Expansion sei bereits geplant.
Frequenzen erfüllten Erwartungen nicht
Das Format der Pizzabar sei «unkompliziert und hochwertig». Abends sollte es regelmässig Live-Musik mit DJ geben, Gäste sollten auch «easy going» über den Mittag eine Pizza geniessen. Wie gross die Hoffnungen für das neue Format waren, zeigt auch die damalige Aussage von Reimann, dass die weitere Expansion von Ospena mit den Formaten Amo e lino und Molino vorangetrieben werde.
Während die Zahl der Molino-Restaurants in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf zurzeit 22 zugenommen hat, war der Neugründung aber kein langes Leben vergönnt. Am Samstag war das Lokal zum letzten Mal geöffnet. «Leider konnte sich unser Konzept der urbanen Pizzabar an diesem Standort nicht dauerhaft etablieren», schreiben die Macher in einem Beitrag auf Instagram.
Ospena-Chef Daniel Reimann sagt auf Anfrage, in den vergangenen Monaten sei die Entwicklung am Standort «sorgfältig analysiert worden»: «Dabei hat sich gezeigt, dass die Frequenzen am Zürcher Limmatplatz unter den Erwartungen liegen und sich Amo e lino an diesem Standort nicht dauerhaft etablieren konnte». Nicht geholfen haben dürfte, dass die Basler Pizza-Kette Vito nur Wochen nach der Migros-Eröffnung ebenfalls einen Standort am Limmatplatz in Betrieb nahm.
Migros-Restaurants schreiben immer weniger Umsatz
Allen Mitarbeitenden von Amo e lino ist laut Reimann ein neuer Arbeitsvertrag in umliegenden Molino-Restaurants unterbreitet worden. Die Schliessung stehe «in keinem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung» der Ospena-Gruppe. Diese wolle sich nun auf Innovationen innerhalb ihrer bereits etablierten Konzepte fokussieren. So werde ein Treue-Programm über die Molino-App eingeführt. Die Restaurantkette expandiere zudem weiter: Im Sommer eröffne das erste Restaurant im Kanton Aargau in Baden.
Laut dem Geschäftsbericht der Migros Zürich ist zudem eine Molino-Eröffnung in Brig VS geplant. Insgesamt steigerte Ospena den Nettoumsatz vergangenes Jahr um 1,6 Prozent auf 78,3 Millionen Franken. Dieses Jahr soll das Geschäft trotz dem Pizzabar-Flop umsatzmässig weiter wachsen. Zu Ospena gehören neben Molino das Genfer Restaurant Le Lacustre, das Hotel Marktgasse in Zürich, in dem das Restaurant Igniv von Koch Andreas Caminada eingemietet ist, sowie die Zürcher Restaurants Frascati und Delish.
Weniger Gastronomie-Umsatz als im Vorjahr verzeichnete 2025 hingegen der übergeordnete Migros-Genossenschaftsbund (MGB). Mit 541 Millionen Franken lag dieser 2,6 Prozent unter dem Vorjahr, was auch an Schliessungen liegt. Das Geschäft darbt seit Jahren. Die Zahl der Migros-Restaurants, Take-Aways und Betriebe der Formate Kaimug, Hitzberger und Coffee & Time sank von 213 im Jahr 2024 auf 207. Noch im Jahr 2019, dem letzten vor der Coronakrise, waren es über 300 Standorte. (aargauerzeitung.ch/nil)

