Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZUM TOD DES SCHWEIZER MUNDARTROCK-SAENGERS POLO HOFER, AM SAMSTAG, 22. JULI 2017 – Portrait des Mundart-Rockers Polo Hofer im Restaurant Aarbergerhof in Bern, September 1990. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Polo Hofer 1990 in Bern. Bild: KEYSTONE

Polo Hofer – vom Hippie und Popstar zum Schweizer des Jahres

24.07.17, 20:35 25.07.17, 07:51


Vater des Mundartrock. Schöpfer von 350 Songs, von denen einige längst Allgemeingut sind. Performer, Polit-Provokateur und Kalb der Nation. Polo Hofer passt in fast jede Schublade – und irgendwie doch in keine.

Der Mann, der am 16. März 1945 als Urs Alfred Hofer zur Welt kam und später seinen Pfadinamen zum Markenzeichen machte, hat die Deutschschweiz jahrzehntelang unterhalten und den Weg für den bis heute boomenden Mundartrock geebnet. «Vor uns gab es ja nur das Trio Eugster», sagte er vor einigen Jahren der Nachrichtenagentur sda.

«Ich hatte 40 Jahre Chilbi und Party – das kostet halt etwas.»

Polo Hofer

Polo Hofer, der letzte ausgebildete Handlithograph der Schweiz, änderte das Anfang der 1970er-Jahre gründlich. Inspiriert von den Berner Troubadours um Mani Matter, aber auch von Udo Lindenberg gründete er mit Interlakner Weggefährten die Band Rumpelstilz.

Hofer, ursprünglich Schlagzeuger, war nun der Sänger, zusammen mit Pianist Hanery Amman prägte er die zugleich ambitionierte und freakige Band aus dem Berner Oberland. Das kongeniale Duo Hofer/Amman schrieb die meisten Songs. Gassenhauer wie «Kiosk» und «Teddybär» sorgten für Aufsehen.

Für viele Schweizer waren Rumpelstilz wohl einfach «glatti Sieche» und schräge Vögel. Dabei hatten die Berner Oberländer weit mehr zu bieten; sie brillierten als Musiker und schufen zeitlose Klassiker wie «D' Rosmarie und i», «Die gfallene Ängel» oder «Es Blatt im Wind».

Polo Hofer selber tanzte schon damals auf vielen Bühnen. So kandidierte er 1971 mit den «Härdlütli» fürs Berner Stadtparlament. Dank Nackt-Plakat und schrillem Parteiprogramm holte die Liste tatsächlich einen Sitz.

Bundesrat Berset würdigt Polo Hofers Schaffen

Bundesrat Alain Berset hat am Montagabend das Schaffen des verstorbenen Mundartrockers Polo Hofers gewürdigt. Hofer habe «wie kein anderer vor ihm die Mundart und die Rockmusik zusammengeführt», erklärte der Schweizer Kulturminister in einer Stellungnahme.

«Er hat auch ganzen Generationen in allen Sprachregionen der Schweiz gezeigt, wie viel Kraft, wie viel Geist, wie viel Poesie in der Berner Mundart steckt», führte der SP-Bundesrat weiter aus. (sda)

Widerspenstiger Kiffer

Auch später war Hofer immer gut für ein provokantes Polit-Statement, getreu dem Motto: «Nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom.» Als überzeugter Kiffer setzte er sich zudem immer wieder für straffreien Cannabiskonsum ein.

Rumpelstilz zerbrachen an ihrem Erfolg und internen Streitereien, Polo Hofers Popularität tat dies keinen Abbruch. Als Frontmann von SchmetterDing und SchmetterBand setzte er seine Karriere im nationalen Scheinwerferlicht fort, unbeirrt von Eierwürfen während der 1980er-Unruhen.

Hofer erledigte auch viele Auftragsarbeiten, so schuf er die Hymne des Piratensenders «Radio 24» und rief 1987 zum Kampf gegen Aids auf («Im Minimum e Gummi drum»). Mit stets hochkarätig besetzten Bands nahm er eine Platte nach der anderen auf, er beherrschte den Chilbi-Rock ebenso wie die Ballade.

ARCHIVBILD ZUM TOD DES SCHWEIZER MUNDARTROCK-SAENGERS POLO HOFER, AM SAMSTAG, 22. JULI 2017 - Polo Hofer gewinnt den Award als Schweizer des Jahres  bei der SwissAward Galashow im Zuercher Hallenstadion am Samstag, 9. Januar 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Im Januar 2016 wird Polo Hofer zum Schweizer des Jahres gekürt. Bild: KEYSTONE

Volkslied «Alperose»

Über allem aber thront der Song «Alperose» aus dem Jahr 1985. Hanery Amman hatte ihn komponiert, ursprünglich hiess er «Kentucky Rose». Irgendwann geriet der Song in die Hände von Polo Hofer, der ihn mit einem berndeutschen Text versah und zum Gassenhauer machte – zum «grössten Schweizer Hit aller Zeiten», gemäss SRF-Voting von 2006.

Hofer ging seinen Weg weiter, trat auch aus gesundheitlichen Gründen auf der Bühne etwas kürzer, war aber als Gestalter, Zeichner und Texter umso aktiver. Sein letztes Album erschien im Januar 2016 und hiess «Ändspurt».

Polo Hofer konnte sich da schon mit dem Titel «Schweizer des Jahres» schmücken, auch so ein Fernsehpreis, den er in gewohnt geschäftstüchtiger Manier zu Geld machte: Für den Auftritt an der TV-Gala liess er sich eine Entschädigung im vierstelligen Bereich auszahlen.

ARCHIVBILD ZUM TOD DES SCHWEIZER MUNDARTROCK-SAENGERS POLO HOFER, AM SAMSTAG, 22. JULI 2017 - Portrait des Mundart-Rockers Polo Hofer im Monbijou Bistro in Bern, Juli 1993. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Juli 1993: Polo Hofer im Monbijou Bistro in Bern. Bild: KEYSTONE

«40 Jahre Party»

Am offiziellen Festakt auf der Älggi-Alp am 2. Juli 2016 konnte er aus gesundheitlichen Gründen aber nicht teilnehmen. Schon im vergangenen Juni hatte seine Ehefrau Alice Hofer bekanntgeben, der Mundartrocker ziehe sich «bis auf weiteres» aus der Öffentlichkeit zurück.

Noch im Mai war er in einer SRF-Sendung über Bob Dylan aufgetreten. Hofer wirkte schwach und abgemagert. Körperliche Beschwerden hatte er schon länger. «Ich hatte 40 Jahre Chilbi und Party», hatte er schon 2007 nach einer Operation zu Protokoll gegeben. «Das kostet halt etwas.»

«Lasset uns die Feste feiern, bevor wir fallen!», erklärte Polo Hofer vor einigen Jahren in einer «Rede an die Nation» zum 1. August. «Beisset in den Emmentaler und nicht ins Gras, schlucket den Wein und nicht eure Sorgen hinunter. Auf dass die Schweiz so bleibt, wie sie schon immer sein wollte.» (sda)

Auch er ist von uns gegangen: Chester Benningtons Leben in Bildern

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

Themen
5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HerveCofino 25.07.2017 11:20
    Highlight Wieviele Kinder wurden wohl - wie ich - zur Musik von Polo Hofer gezeugt? Hoffentlich sterben wir Schweizer jetzt nicht aus!
    6 2 Melden
    • pachnota 30.07.2017 09:49
      Highlight War es der Song
      " giigerig"?
      2 2 Melden
  • Spooky 24.07.2017 22:55
    Highlight "....vom Hippie und Popstar zum Schweizer des Jahres"

    Demfall ein Absturz der schlimmsten Sorte.
    23 47 Melden
    • Wehrli 31.07.2017 01:29
      Highlight Ach Spooky. Einige Dinge sind einfach zu gross für Dich. (Die meisten)
      3 2 Melden
    • Spooky 31.07.2017 09:39
      Highlight @Wehrli
      Du glaubst also, dass einer, der Schweizer des Jahres wird, gross sei?
      2 1 Melden

Salt-Nutzer waren offline

Es liegt nicht an deinem Handy. Salt kämpfte am Montag kurzzeitig mit technischen Problemen. Das Mobilfunknetz war massiv gestört.

Salt-Kunden konnten weder telefonieren noch surfen. Störungsmeldungen kamen aus der ganzen Schweiz. Inzwischen ist die Störung behoben.

Artikel lesen