Schweiz
ÖV

SBB melden zehn Angriffe gegen Personal – pro Tag

A train conductor of the Swiss Federal Railways checks passenger's tickets on a train travelling from Zurich to Lucerne, Switzerland, on March 20, 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler) === EDITOR&#0 ...
Alleine bei der SBB soll es täglich zehn Angriffe gegen das Personal geben.Bild: KEYSTONE

Angriffe auf ÖV-Personal häufen sich – viele Fälle bleiben ungemeldet

Seit der Corona-Pandemie beobachten ÖV-Unternehmen ein aggressiveres Verhalten der Passagiere. Aufgrund von Gewalt und Drohungen gegen das Personal gab es im vergangenen Jahr 718 Anzeigen. Die meisten Vorfälle werden jedoch nicht gemeldet.
06.10.2026, 10:5506.10.2026, 10:55

Beleidigungen, Drohungen und sogar körperliche Gewalt gehört für das Personal des öffentlichen Verkehrs zum Alltag. Die Zugbegleiterin Janine Truttmann sagt gegenüber dem Blick: «Ich höre jeden Tag eine Beleidigung.»

Ein Angriff auf das Personal des öffentlichen Verkehrs gilt als Offizialdelikt. Wenn das Personal Gewalt erlebt, muss der Vorfall intern gemeldet werden. Dann wird abgeklärt, ob eine Anzeige in die Wege geleitet wird. Das passiert allerdings selten. Die Bürokratie oder aber auch die Angst vor Rache schrecke das betroffenen Personal ab, erklärt Truttmann. «Viele Kollegen wollen keine Anzeige machen, weil der Name dann in den Verfahrensakten steht.»

Truttmann selbst war bereits in sechs Strafverfahren involviert. Solche Verfahren seien eine «langwierige Sache», die «Zeit, Mut und Nerven» kosten.

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) bestätigen gegenüber dem Blick eine spürbare Hemmschwelle bei den Mitarbeitenden, Fälle zu melden. Auch die Rhätische Bahn beobachtet fehlende Meldungen. Sie führen das Ausbleiben darauf zurück, dass Mitarbeitende Vorfälle als Bagatelle betrachten oder den Aufwand eines Verfahrens scheuen.

Laut der polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2025 insgesamt 718 Vorfälle von Gewalt oder Drohung gegen Beamte im öffentlichen Verkehr zur Anzeige gebracht.

Aggressiveres Verhalten der Passagiere

Schon Anfang September schlug die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) Alarm: Seit der Corona-Pandemie habe die Zahl der Angriffe auf das ÖV-Personal deutlich zugenommen. Allein bei der SBB soll es demnach pro Tag zu zehn Angriffen auf das Personal kommen.

Auch bei Postauto Schweiz stellt man ein aggressiveres Verhalten der Passagiere fest. Laut einem Sprecher des Unternehmens wurden im vergangenen Jahr insgesamt 65 Übergriffe auf das Fahr- und Kontrollpersonal erfasst. Bis Ende Juli dieses Jahres wurden bereits 145 Fälle gemeldet, also etwas mehr als doppelt so viele wie im gesamten letzten Jahr.

Wenn sich ein Vorfall im Fern- oder überregionalen Verkehr ereignet, ermittelt die Bundesanwaltschaft. Im vergangenen Jahr verzeichnete sie einen Anstieg der Delikte gegen Beamte im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl soll um rund ein Drittel gestiegen sein. «Ein Grossteil betrifft dabei Delikte gegen Beamte im öffentlichen Verkehr», sagt ein Sprecher zum Blick.

(pem)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
VBZ stellt das neue Züri-Tram «Flexity» vor
1 / 8
VBZ stellt das neue Züri-Tram «Flexity» vor
Am 24. April 2018 wurde in der VBZ-Zentralwerkstatt in Altstetten ein Modell des neuen «Flexity»-Trams vorgestellt. Der Einstand ist auf Ende 2019 vorgesehen.
quelle: vbz
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Pendler Typen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Schülerproteste in Frankreich gehen heute weiter – Auswirkungen in der Schweiz spürbar
Frankreich steht an diesem Dienstag ein neuer Höhepunkt der landesweiten und teils gewalttätigen Schülerproteste bevor. Im Zuge der seit einer Woche andauernden Proteste für eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen ist ein frankreichweiter Aktionstag geplant. Zu den Kernforderungen gehören:
Zur Story