Schweiz
ÖV

Zürich: Verletzte im ÖV sind öfters im Innern des Fahrzeugs und Frauen

Ein Tram der VBZ faehrt auf der Hofwiesenstrasse bei der Haltestelle Brunnenhof quer zur Wehntalerstrasse, fotografiert am Montag, 18. Mai 2026 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ein Tram bremst unerwartet und seine Passagiere lernen, was Fliehkraft ist (Symbolbild).Bild: keystone

Die meisten ÖV-Verletzten in Zürich befinden sich im Fahrzeuginnern und sind weiblich

21.07.2026, 11:2621.07.2026, 11:26

Die grösste Unfallgefahr bei Trams und Bussen im Kanton Zürich besteht für Menschen im Fahrzeug. Doch nicht alle Fahrgäste sind gleich stark gefährdet. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, sind Frauen und insbesondere Seniorinnen am stärksten betroffen.

Wie die Zeitung anhand von Zahlen des Bundesamts für Verkehr (BAV) zeigt, ist die Anzahl verletzter Reisender in den Bussen und Trams um einiges höher als jene von Personen ausserhalb der Fahrzeuge. 2025 verletzten sich demnach 398 Passagiere und 98 Dritte. Unfälle mit Menschen ausserhalb der Fahrzeuge kommen zwar weniger vor, seien aber deutlich gravierender.

Wie das BAV in einem Bericht schreibt, würden viele Fahrgäste die Gefahr, im Tram oder Bus zu stürzen, unterschätzen. «Viele gehen während der Fahrt herum, setzen sich zu spät hin, stehen früher auf und halten sich nicht ausreichend fest.»

Die häufigste Unfallursache ist das fehlende Festhalten in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies habe seit der Coronapandemie zugenommen. In den fünf Jahren nach 2020 haben sich die Unfälle aufgrund fehlenden Festhaltens im Vergleich zu den fünf Jahren davor verdoppelt, wie die Zeitung mit Zahlen aufzeigt.

Frauen verunfallen deutlich häufiger als Männer

Zwischen 2019 und 2025 verletzten sich im Kanton Zürich 265 Senioren und 327 erwachsene Männer in Trams und Bussen. Bei den Passagierinnen waren es im selben Zeitraum 815 Seniorinnen und 730 erwachsene Frauen. Warum verunfallen so viel mehr Frauen?

Eine Feldstudie des BAV kommt zur Erkenntnis, dass zwar 55 Prozent der Menschen im ÖV weiblich sind, dies aber den starken Unterschied nicht erklärt.

Personen zu Fuss ueberqueren die Tramgleise bei der Tramhaltestelle der VBZ Bahnhofquai / Hauptbahnhof, fotografiert am Donnerstag, 20. Maerz 2025 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Unfälle mit Personen ausserhalb der Fahrzeuge kommen seltener vor, sind jedoch gravierender.Bild: KEYSTONE

Der Hauptgrund liege vielmehr darin, dass Frauen häufiger Betreuungsarbeiten erledigen würden und deshalb eher mit Gepäck oder Kindern unterwegs seien. So sind 80 Prozent der Fahrgäste mit Gepäck weiblich. «Frauen sind stärker absorbiert, und das Festhalten im ÖV ist für sie schwieriger», schreibt das BAV.

«Eine Frau ist kein Minimann»

«Einfach zu sagen, Frauen haben halt zu viel Gepäck dabei, greift zu kurz», findet hingegen Ines Kawgan-Kagan, Gendermobilitätsforscherin der Universität Bayreuth, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Stattdessen sollte man eher Videoaufnahmen auswerten, um den Unfallursachen auf den Grund zu gehen.

Zum Beispiel müssten Fragen, ob Frauen häufiger stehen, wie gut Haltestangen erreichbar sind und ob Sicherheitsgefühl und Komfort eine Rolle bei der Platzwahl spielen, beantwortet werden, um zu wissen, wo man ansetzen müsse. «Eine Frau ist eben kein Minimann. Sie hat einen anderen Körperbau, sie nutzt öffentliche Verkehrsmittel anders», meint Kawgan-Kagan.

Auch das BAV wolle nun mit Videomaterial der VBZ und Bernmobil Sturzfälle in Trams und Bussen systematisch auswerten lassen. Auch verletzte Reisende sollen in der Studie befragt werden. Die Studie soll im Herbst starten, doch weder die Finanzierung noch die Frage des Datenschutzes ist geklärt. (nil)

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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
21.07.2026 12:15registriert April 2016
„Gendermobilitätsforscherin der Universität Bayreuth“

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Dingdang Shine
21.07.2026 11:56registriert Mai 2019
"Der Hauptgrund liege vielmehr darin, dass Frauen häufiger Betreuungsarbeiten erledigen würden und deshalb eher mit Gepäck oder Kindern unterwegs seien. So sind 80 Prozent der Fahrgäste mit Gepäck weiblich."

Wie erklärt das die hohe Anzahl Seniorinnen und zählen Handtaschen als Gepäck?
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cicerone
21.07.2026 11:42registriert Juli 2014
Ich nehme an es liegt an der Demographie und Anatomie, genauso warum in der Orthopädie mehr Frauen an Schenkelhalsfrakuren operiert werden. Frauen werden älter als Männer, sind länger mobil und haben durch Osteoporose ein höheres Frakturrisiko. Man kann natürlich tausende Stunden Videos anschauen, aber ein Besuch in einem xbeliebigen Krankenhaus würde die Frage schon beantworten
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