Die meisten ÖV-Verletzten in Zürich befinden sich im Fahrzeuginnern und sind weiblich
Die grösste Unfallgefahr bei Trams und Bussen im Kanton Zürich besteht für Menschen im Fahrzeug. Doch nicht alle Fahrgäste sind gleich stark gefährdet. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, sind Frauen und insbesondere Seniorinnen am stärksten betroffen.
Wie die Zeitung anhand von Zahlen des Bundesamts für Verkehr (BAV) zeigt, ist die Anzahl verletzter Reisender in den Bussen und Trams um einiges höher als jene von Personen ausserhalb der Fahrzeuge. 2025 verletzten sich demnach 398 Passagiere und 98 Dritte. Unfälle mit Menschen ausserhalb der Fahrzeuge kommen zwar weniger vor, seien aber deutlich gravierender.
Wie das BAV in einem Bericht schreibt, würden viele Fahrgäste die Gefahr, im Tram oder Bus zu stürzen, unterschätzen. «Viele gehen während der Fahrt herum, setzen sich zu spät hin, stehen früher auf und halten sich nicht ausreichend fest.»
Die häufigste Unfallursache ist das fehlende Festhalten in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies habe seit der Coronapandemie zugenommen. In den fünf Jahren nach 2020 haben sich die Unfälle aufgrund fehlenden Festhaltens im Vergleich zu den fünf Jahren davor verdoppelt, wie die Zeitung mit Zahlen aufzeigt.
Frauen verunfallen deutlich häufiger als Männer
Zwischen 2019 und 2025 verletzten sich im Kanton Zürich 265 Senioren und 327 erwachsene Männer in Trams und Bussen. Bei den Passagierinnen waren es im selben Zeitraum 815 Seniorinnen und 730 erwachsene Frauen. Warum verunfallen so viel mehr Frauen?
Eine Feldstudie des BAV kommt zur Erkenntnis, dass zwar 55 Prozent der Menschen im ÖV weiblich sind, dies aber den starken Unterschied nicht erklärt.
Der Hauptgrund liege vielmehr darin, dass Frauen häufiger Betreuungsarbeiten erledigen würden und deshalb eher mit Gepäck oder Kindern unterwegs seien. So sind 80 Prozent der Fahrgäste mit Gepäck weiblich. «Frauen sind stärker absorbiert, und das Festhalten im ÖV ist für sie schwieriger», schreibt das BAV.
«Eine Frau ist kein Minimann»
«Einfach zu sagen, Frauen haben halt zu viel Gepäck dabei, greift zu kurz», findet hingegen Ines Kawgan-Kagan, Gendermobilitätsforscherin der Universität Bayreuth, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Stattdessen sollte man eher Videoaufnahmen auswerten, um den Unfallursachen auf den Grund zu gehen.
Zum Beispiel müssten Fragen, ob Frauen häufiger stehen, wie gut Haltestangen erreichbar sind und ob Sicherheitsgefühl und Komfort eine Rolle bei der Platzwahl spielen, beantwortet werden, um zu wissen, wo man ansetzen müsse. «Eine Frau ist eben kein Minimann. Sie hat einen anderen Körperbau, sie nutzt öffentliche Verkehrsmittel anders», meint Kawgan-Kagan.
Auch das BAV wolle nun mit Videomaterial der VBZ und Bernmobil Sturzfälle in Trams und Bussen systematisch auswerten lassen. Auch verletzte Reisende sollen in der Studie befragt werden. Die Studie soll im Herbst starten, doch weder die Finanzierung noch die Frage des Datenschutzes ist geklärt. (nil)
